Leserbrief

Das schreiben Leser zu Corona und der Maskenpflicht

Zum Thema Corona:

Ich verfolge aufmerksam die Meinungen der Leser zum Thema Corona und die unterschiedlichen Blickwinkel dieses bis jetzt so anderen Lebens. Aber: Wie viel Schuld trifft die Menschen an diesem Geschehen? Dazu lese ich wenig bis gar nichts. Wenn Menschen nicht endlich verdammt aufhören, diese Erde so dermaßen auszuplündern und viele Regierungschefs dem Tun nicht endlich Einhalt gebieten, dann wird uns Corona vielleicht noch wie ein Sturm im Wasserglas vorkommen.

Durch diese Ausplünderung, wir wissen es ja, sind die Wildtiere auch immer mehr gezwungen, in die Städte zu kommen und versuchen, irgendwie zu überleben. Diese Tiere tragen nun eben Viren in sich, die dem Menschen nicht gut tun und die Menschen töten können. Die Fledermaus kann nichts dazu, dass sie tödliche Viren in sich trägt, ohne selbst krank zu werden. Es sind faszinierende Tiere, auch sie werden umgebracht, ohne zu überlegen, wie wichtig sie sind in der Natur – von Gleichgewicht will ich gar nicht reden, das gibt’s nicht mehr!

Wenn Corona ausgestanden sein sollte, wird alles so weitergehen wie bisher – Konsum, Autos, Urlaub, Geld. Mitmenschlichkeit – vielleicht bleibt hier ein bisschen übrig. Vielleicht ist jetzt der Punkt gekommen, an dem die Erde sagt, genug ist genug, ihr Menschen habt mir genug angetan! Es reicht.

Ich möchte auch sagen, dass ich mich sehr über den „MM“ gefreut habe, es waren immer Dinge dabei für Kinder. Geschichten, etwas zum Malen, etwas zum Lernen, etwas Buntes. Das fand und finde ich ganz toll! Da geht’s mal nicht um Geld und Milliarden. Petra Stacha, Mannheim

Wie ein Unwetter brach im März die Corona-Pandemie über Europa herein. Die meisten Staaten zögerten, reagierten dann aber panisch, schränkten die Bewegungsfreiheit ihrer Bürger ein und schotteten sich voneinander ab. Um die materiellen Schäden zu bekämpfen, wurden Kredite aufgenommen.

Die deutsche Regierung fiel etwas aus dem Rahmen: Sie verkündete vollmundig, sie könne dank ihrer Sparpolitik gefahrlos Schulden in Billionenhöhe machen. An der Rettungsaktion beteiligten sich auch die Europäische Zentralbank und die Europäische Union. Jedoch mit weniger astronomischen Summen. Hinzu kam noch, dass einige schwächere Mitglieder, vor allem Frankreich, Italien und Spaniens die stärkeren baten, für gemeinsame Anleihen („Bonds“) zu bürgen. Die aber lehnten ab. Unter ihnen auch Deutschland.

Diese Hartherzigkeit stand jedoch im Widerspruch zu den Gefühlen, die Anfang Mai Europa bewegten. 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, am 8. Mai, dem Tag der Kapitulation, richtete Bundespräsident Walter Steinmeier einen tiefen Blick in das Seelenleben seines Volkes: „Deutschland war militärisch besiegt, politisch und wirtschaftlich am Boden, moralisch zerrüttet … wir hatten uns die ganze Welt zum Feind gemacht.“ Das wecke Scham und Trauer, aber auch Freude und Dankbarkeit, es fordere, Verantwortung für den „millionenfachen Mord und millionenfaches Leid zu übernehmen“ und sich von „Misstrauen, Abschottung … von Hass und Hetze“ zu befreien. Bei diesem doppelten Blick in die Vergangenheit und die Zukunft durfte sich das deutsche Staatsoberhaupt mit der „Queen“ einig fühlen. Sie hatte, zwei Tage zuvor in ihrer Rede zum Kriegsende die Tapferkeit und die Leistung der Briten hervorgehoben, sich zugleich aber auch gefreut, dass einstige Gegner zu Freunden geworden sind. Trotz Englands Ausscheiden aus der EU teilten die verbliebenen Mitglieder diesen Dank für 75 Jahre Frieden.

Frankreich hatte dazu noch einen weiteren Anlass. Am 9. Mai 1950, vor 70 Jahren also, hatte sein Vertreter auf der Londoner Außenministerkonferenz, Robert Schuman, die Mehrheit für sein Projekt gewonnen: Das immer noch als Paria geltende Deutschland sollte vom fremdbestimmten Objekt als gleichberechtigtes Subjekt in eine neue Organisation aufgenommen werden. So entstand die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, die seitdem ihren Aufgabenbereich und den Kreis ihrer Mitglieder von sechs auf 27 erweiterte. 1999 schuf sie sich sogar eine eigene Währung, den Euro, den 19 Staaten übernahmen.

Europa hätte also rundum glücklich und für die Krise gewappnet sein können. Deutschland übrigens auch. Es exportiert in keine andere Zone der Erde mehr Güter als in die EU und gilt als Vorbild. Der Lebensstandard stieg jedoch überall, und zwar stärker als der Wert der Dienstleistungen und der erzeugten Güter (Bruttoinlandsprodukt, BIP).

Zum Ausgleich nahm man Schulden auf. Und die wuchsen, besonders in Griechenland. Das löste 2008 eine Währungskrise aus. Sie wurde zwar überwunden, aber mit neuen Krediten, die in der Folgezeit hätten abgebaut werden müssen – auf 60 Prozent des BIP, der bei der Einführung des Euro festgelegten Höchstgrenze. Bis 2018 gelang das von den vier größten EU-Mitgliedsstaaten nur Deutschland. Italiens Schulden erreichten 135 Prozent. Frankreich und Spaniens blieben bei knapp 100 Prozent stecken. Mit dieser Situation kann kein EU-Bürger zufrieden sein. Besonders wir Deutsche haben gute Gründe, Mitverantwortung für Nachbarn und Freunde zu übernehmen. Denken wir nur an deren Starthilfe nach 1945, die Wertschätzung und den Weg aus der moralischen und wirtschaftlichen Zerrüttung. Auch die Grundsätze der Europäischen Union verlangen gegenseitigen Beistand in Krisenzeiten.

„Deutschland wird es nur gut gehen, wenn es Europa gut geht“, erklärte Bundeskanzlerin Merkel. Und die überwiegende Mehrheit ihrer Mitbürger stimmt ihr zu. Und schließlich sind die drei Antragsteller mit zusammen 83 000 Toten die Hauptbetroffenen der Pandemie, weshalb sie die erbetenen Anleihen nun Corona-Bonds nennen. Die deutschen Politiker lehnen die Bonds weiterhin ab, trotz aller Argumente, die dafür sprechen. Wie lässt sich dieser Zwiespalt denn überwinden?

Es gibt eine Lösung! Deutschland hat sie nach dem Zweiten Weltkrieg eingesetzt: das „Notopfer Berlin“, Zwei-Pfennig-Marken, die auf alle Briefe und Postkarten geklebt wurden. Sie haben in zehn Jahren über 400 Millionen D-Mark erbracht, in Kaufkraft umgerechnet: über eine Milliarde Euro. Sie wären als Zehn-Cent-Marken wieder einzuführen: Die Belastung wäre gewiss nicht höher als in der Nachkriegszeit, alle EU-Bürger würden die zusätzliche Last mittragen, der Ertrag wäre sicher. Sollten sie nicht mehr notwendig sein, ließen sie sich abschaffen, wie 1956 das „Notopfer Berlin“. Helmut Mehrer, Brühl

Beim Lesen des Leserbriefs von Herrn Michael Wendling zur Corona-Krise vom 14. Mai kamen mir fast die Tränen! Welch schreckliches Schicksal, so eine Maske tragen zu müssen! Wie schrieb er: „Für mich ist das ein unbestimmtes freudloses Vegetieren. Wo bleibt da die menschliche Würde?“ Hallo, geht’s noch? Meine Großeltern (bin Jahrgang 1955) haben zwei Weltkriege, Hunger, Wirtschaftskrise, Geldentwertung durchgemacht. Wo blieb ihr Recht auf Würde und Unantastbarkeit?

Leider vergisst der Schreiber, dass wir dankbar sein dürfen, dass wir – die Nachkriegsgenerationen – bisher in Frieden leben durften, dass es immer mehr aufwärtsging. Uns geht es so gut wie keiner Generation unserer Vorfahren. Und nun kommt da so ein Virus daher und zeigt uns mal unsere Grenzen auf! Nun gilt es, den Hintern zusammenzukneifen und die Krise gemeinsam durchzustehen. Ja, auch mit Masken solange es sein muss. Die Masken dienen in erster Linie dem Schutz des Mitmenschen. Die Freiheit des Einzelnen endet immer da, wo andere Menschen gefährdet sind.

Genau deshalb haben ja auch Gerichte Eilanträge gegen den Maskenzwang oder Ausgangsbeschränkungen zurückgewiesen. Es ist uns sehr wohl zuzumuten, dass zum Wohle der Gesellschaft bestimmte Rechte zeitweise eingeschränkt sind. Ich sehe mit Befremden wie sich jetzt all die Verschwörungstheoretiker, Rechte, Impfgegner usw. den Unmut und die Ungeduld von Bürgern zunutze machen und diese lassen sich leider immer mehr von solchen Rattenfängern vereinnahmen.

Seien wir froh und dankbar, dass unsere Kanzlerin und unsere Politiker so gut und umsichtig gehandelt haben. Dafür werden wir von anderen Ländern beneidet, die viel mehr Tote zu beklagen haben und deren Rechte noch viel mehr eingeschränkt waren. Etwas mehr Dankbarkeit bitte!

In dem Leserbrief von Swen Nußbaum vom 13. Mai wird vehement die Nützlichkeit von Gesichtsmasken bestritten und sie sogar als gefährlich bezeichnet. Es ist sein Recht, diese ganz persönliche Meinung zu haben. Ich finde es aber überhaupt nicht gut (und diesem Fall sogar fahrlässig und gefährlich), wenn der „MM“ diese Meinung durch eine Überschrift in Fettschrift und im Indikativ quasi zu einer faktischen Aussage hochstilisiert und adelt (zumindest für den oberflächlichen Leser).

Auch wenn darauf hingewiesen ist, dass „die Leserbriefmeinungen in keinem Fall die Meinung der Redaktion sind“, so sollten sich die Redakteure doch der psychologischen Wirkung einer solchen fetten Schlagzeile bewusst sein. In diesem Fall willkommenes Futter für alle Verschwörungsanhänger usw. Lieber „MM“: Bitte mit solchen Titelzeilen umsichtiger sein! Jörg Brenneisen, Mannheim

Den Leserbrief von Herr Helmut Moser vom 6. Mai zum Thema Corona finde ich sehr lobenswert und schließe mich seiner Meinung und seinem Gedankengut an. Es ist in der Tat hervorragende Arbeit unserer Politiker. Danke! Erika Fisch, Mannheim

Die Effektivität der Maskenpflicht, vor allem mit Hinsicht auf selbst gebastelte Masken, wird momentan von vielen Menschen angezweifelt. Der Leserbrief von Herrn Nußbaum beginnt dies sachlich zu beschreiben. Auch die Zweifel, aufgrund welcher Informationen manche Politiker Entscheidungen zu diesen hoch komplexen Themen treffen, sind durchaus angebracht. Der Grund für meinen ersten Leserbrief folgt jedoch in dem nächsten Absatz „Rückatmung von Kohlendioxid“. In diesem Absatz wird empfohlen, sich über die Gefahren des Tragens der Masken zu informieren. Als Quelle wird eine Studie der TU München angegeben. Richtig zitiert ist das Ergebnis der Studie, dass bei Nutzung der Maske eine erhöhte Rückatmung von Kohlendioxid stattfindet.

Der Effekt dieser Rückatmung wurde jedoch nur in den Punkt „Klinische Relevanz der Ergebnisse“ mit Bezug auf frühere Publikationen diskutiert. Konkrete Effekte waren nicht Teil der Studie, lediglich der subjektive Tragekomfort. Des Weiteren werden in dem Leserbrief „Müdigkeit, eine erhöhte Herzfrequenz sowie Unwohlsein“ als Ergebnisse der Studie angebracht. Tatsächlich wurde in der Studie, einer medizinischen Doktorarbeit, von „keiner signifikanten Steigerung der Atmung im Sinne einer kompensatorischen Hyperventilation“ berichtet. Darauf folgt: Ein „signifikanter Effekt hinsichtlich einer Erhöhung oder Verringerung der Herzfrequenz wurde während der gesamten Messzeit nicht beobachtet“ (Butz 2005). Zudem war der Versuchsaufbau für 30 Minuten festgelegt und es wurde nicht, wie in dem Leserbrief beschrieben, nach 30 Minuten der Versuch abgebrochen.

Ich halte es für extrem gefährlich, wissenschaftliche Erkenntnisse falsch darzustellen und falsch zu zitieren, um damit einen Standpunkt seriöser erscheinen zu lassen. Ich persönlich habe sowohl die Doktorarbeit, als auch die wichtigsten dort zitierten Quellen zum Thema Rückatmung von CO2 studiert, um nicht auch einfach nur meine subjektive Meinung in den Raum zu werfen.

Gerne akzeptiere ich Bedenken an den Masken, aber Behauptungen falsch zu belegen, ist während einer globalen Pandemie, in der viele Menschen verunsichert sind, meiner Meinung nach grob fahrlässig. Letztendlich sehe auch ich es als problematisch, dass das Tragen von Masken zunächst wochenlang als nicht wirksam bezeichnet wurde. Jedoch kann ich als Nutzerin des öffentlichen Nahverkehrs verstehen, dass hier oftmals ein Sicherheitsabstand nicht unbedingt eingehalten werden kann. Zudem bin ich (nicht nur zu Corona-Zeiten) froh, wenn mir das gegenüber in der Straßenbahn nicht direkt ins Gesicht husten oder niesen kann (was schon in der Vergangenheit vorgekommen ist).

Für viele Menschen ist das Tragen der Masken nur für kurze Zeitabschnitte von Nöten und trägt hoffentlich dazu bei, das Virus weiter zu bekämpfen. Letztendlich ist die Reproduktionszahl zwar gesunken, dank strenger Maßnahmen, aber es sollte bedacht werden, dass die Verbreitung mit geringen Zahlen angefangen hat, die sich innerhalb kurzer Zeit sich zu einem exponentiellen Anstieg entwickelt haben. Rosanna Herold, Mannheim

Herr Wendling, warum werden durch den Maskenzwang Ihre Grundrechte beschnitten und Ihr Leben unwürdiger? Maskenzwang besteht bei bestimmten Tätigkeiten (Einkaufen, Arztbesuche usw.). Dazwischen ist noch viel Zeit ohne Maske. Und es besteht keine Ausgangssperre. Selbstverständlich behalten Sie Ihre Würde und Sie schützen Ihre Mitmenschen. Wir sind keine Wissenschaftler, aber ein gewisses Vertrauen in diese können wir doch haben, wenn sie Masken als hilfreich gegen die Ansteckung empfehlen. Ein Wissenschaftler hat doch keine Vorteile, wenn er zur Maske rät. Der Vergleich mit einem Maulkorb ist für mich lächerlich. Personen, die durch Corona ihre Existenz verlieren und finanzielle Einbußen haben, sind schwerer getroffen. Sie verdienen unser Mitgefühl und unsere Unterstützung. Ebenso die Coronapatienten und das Pflegepersonal. Helga Fröhner, Mannheim

Danke, an alle Rechtsanwälte, Ingenieure in der Auto- oder Chemieindustrie. Danke an alle Führungskräfte. Danke an alle Journalisten. Danke an alle Zahnärzte. An alle Techniker und Facharbeiter. Danke an alle Gut-Verdienenden. Danke an alle, die mit ihren Steuern und Sozialabgaben das System am Laufen halten. In Zukunft wird euer Beitrag wegen der horrenden Neuverschuldung noch wichtiger. Danke, Ihr alle seid systemrelevant! Volker Alex, Mannheim