Leserbrief

Leserbriefe: Kohleausstieg

Das schreiben Leser zum Aus der GKM-Umbaupläne

Zum Artikel „Besitzer verteidigen Aus für GKM-Umbau-Pläne“ vom 30. November:

Es ist eine Sünde und Schande, das GKM bis 2035 zu schließen, nur weil der links-grüne, politisch, ideologisch eingefärbte Mainstream dies so will. Zumindest hätte man ein GUD- (Gas- und Dampfturbine) Kraftwerk daraus machen können. Dies würde den Wirkungsgrad enorm erhöhen. Die einfache Ergänzung durch Gasturbinen mit einem zwischengeschaltetem Wärmerückgewinnungskessel hätte gereicht.

Es stimmt, Gas ist auch ein fossiler Brennstoff. Aber der CO2-Ausstoß ist geringer. Den Kohlekessel könnte man außer Betrieb nehmen. Der Ersatz durch ein Biomasse-Kraftwerk verbietet sich wegen der viel zu geringen Leistung und der unsichereren Rohstoffversorgung von selbst. Allein den 2015 in Betrieb genommenen Block 9 (mehr als 900 MW installierte Leistung) durch Windmühlen (rund 300 Windräder) oder Solarpanel (Fläche, so groß wie Mannheim) zu ersetzen, erscheint vollkommen unrealistisch. Bei Flaute beziehungsweise nachts oder trübem Wetten stünde so gut wie gar keine Leistung zur Verfügung.

Die weiteren angedachten Lösungen wie Fluss- und Erdwärmenutzung (viel zu geringe Leistungen) würden sich aus Naturschutzgründen verbieten. Irgendwann wird man zur Einsicht kommen müssen, das GKM weiter laufenzulassen. Dies, entweder ergänzt durch ein oder zwei Gasturbinen (Block 9) und ergänzt durch eine (teure aber machbare) CO2-Abscheideanlage.

Michael Panzer, Mannheim

In der Klimakrise ist die anstehende Transformation des kohlebetriebenen Strom- und Heizkraftwerks GKM hin zu erneuerbarer Energieerzeugung ein Segen. Für die Beschäftigten kann es dagegen eine persönliche Tragödie bedeuten – wenn ehemals gut bezahlte, hoch qualifizierte Arbeitsplätze, die Sinn und Identität stifteten, den ökologischen und ökonomischen Sachzwängen der Klimakatastrophe zum Opfer fallen.

Eine existenzielle Bedrohung nimmt keine Rücksicht auf Arbeitsplätze. Doch die erneuerbaren Energien sind nicht nur von entscheidender Bedeutung im Kampf gegen die Klimakatastrophe, sie eröffnen auch enorme Chancen am Arbeitsmarkt – auch für die Fachkräfte, deren berufliche Zukunft aktuell ungewiss scheint. Die Entwicklung in Mannheim ist eines von vielen Beispielen dafür, worauf wir uns einstellen müssen – in zahlreichen Industriezweigen, nicht nur im Energiesektor. Werden die Pariser Klimaziele ernstgenommen, denen sich Deutschland verpflichtet hat, kommen diese Umwälzungen schneller auf uns zu, als vielen Menschen bewusst ist. Die Experten des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie haben in einer Studie den Beitrag Deutschlands zur Einhaltung der 1,5-Grad-Celsius-Grenze berechnet. Nach deren beispielhaften CO2-Reduktionspfad muss der Einsatz fossiler Brennstoffe bis 2035 auf null gesenkt werden. Das sind gerade einmal 14 Jahre!

Um die Energieversorgung sicherzustellen, muss, wie die Forscher ausführen, gleichzeitig der Zubau erneuerbarer Energie in Deutschland viermal so schnell erfolgen wie momentan. Ebenfalls muss die energetische Sanierungsrate von Gebäuden vervierfacht und die Kapazität des ÖPNV verdoppelt werden. Gerade aber im Bausektor herrscht aktuell ein eklatanter Fachkräftemangel. Diese Chance können und sollten wir nutzen, um eine Zukunftsperspektive für hoch qualifizierte Fachkräfte zu bieten. Fachkräfte, die das Rückgrat unserer Wirtschaft in der Metropolregion Rhein-Neckar bilden und auf die wir zu Recht stolz sind.

Die Aufgabe der Politik ist es daher, ein der Klimakrise angepasstes Beschäftigungsprogramm zu entwickeln und umzusetzen. Dieses muss begleitend zur direkten Förderung des gigantischen Infrastrukturprojekts GKM wirken und eine massive Aus- und Weiterbildungsinitiative in den Branchen Bauwesen und Energiewirtschaft beinhalten.

Die neuen Arbeitsplätze müssen entstehen, noch bevor die alten wegfallen. Die hoch qualifizierten Fachkräfte, die besonders vom Strukturwandel bedroht sind, können so nicht nur vor Arbeitslosigkeit bewahrt werden. Sie werden vielmehr zu Schlüsselfiguren, wenn es darum geht, den beispiellosen Herausforderungen zu begegnen, vor die uns die nahende Klimakatastrophe stellt.

Jessica Martin, Mannheim

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3oaROMS

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