Leserbrief

Das schreiben Leser zum Thema Corona und den Folgen

Zum Thema Corona:

Wir sind eine Gruppe von Eltern des Kindergartens St. Bonifatius in Mannheim, deren Kindergartenkinder (drei bis fünf Jahre) sich, aufgrund einer positiv auf Covid-19 getesteten Person, ab Dienstag, 20. Oktober, in häuslicher Quarantäne befanden. Am besagten Dienstag erhielten alle Eltern eine E-Mail, ihre Kinder umgehend abzuholen, da es eine positiv getestete Kontaktperson gebe. Die Kinder mussten die Einrichtung sofort verlassen und im Hof auf ihre Eltern warten.

Am Mittwoch bekamen wir eine E-Mail des Gesundheitsministeriums der Stadt Mannheim, in der uns die Quarantäne unserer Kinder für 14 Tage mitgeteilt wurde. Ein negatives Testergebnis werde diese Quarantäne nicht aufheben. Zudem wurden uns Empfehlungen beigefügt, zum Beispiel den Kindern häufig, über 20 Sekunden, die Hände zu waschen, das Kind soll ein separates Bad benutzen und falls das Kind zu jung sei, so soll sich ein Erziehungsberechtigter mitisolieren. Man soll getrennt Mahlzeiten einnehmen und das Kind soll sich überwiegend in seinem Zimmer aufhalten. Außerdem soll man zwei Mal am Tag Fieber messen und ein Symptomprotokoll führen. Kurze Anmerkung, wir sprechen über drei- bis fünfjährige Kindergartenkinder.

Am Donnerstag erhielten wir die nächste E-Mail, in der uns der Ort und die Zeit der ersten Testung mitgeteilt wurde, die zweite Testung, die laut E-Mail jedes Kind ebenfalls vorweisen muss, habe man selbst zu organisieren. Der Ort der Testung ist eine Kinderarztpraxis. Laut Anordnung befanden sich alle Kinder in Quarantäne, mehrere Familien sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Wie sollen sie mit ihren drei- bis fünfjährigen Kindern dorthin kommen, wenn eine Quarantäne erforderlich ist, ohne andere Personen zu gefährden?

Wir sehen ein, dass bei einem positiven Fall im Kindergarten Maßnahmen ergriffen werden müssen. Auch, dass man sich bis zum Erhalt des Testergebnisses isolieren soll, ist absolut nachzuvollziehen und steht außer Frage. Was uns sprachlos und wütend zurücklässt, ist, dass unsere Kinder 14 Tage eingesperrt werden sollten, trotz negativem Testergebnis. Die Ungerechtigkeit, mit der unsere Kinder hier behandelt werden, den unserer Meinung nach unbegründeten Eingriff in die Grundrechte unserer Kinder auf Freiheit der Person (Artikel 2 GG) und Gleichheit aller Menschen (Artikel 3 GG) prangern wir hier massiv an. Als Beispiel nennen wir das das Pokalspiel des SV Waldhof Mannheim gegen den SC Freiburg. Einen Tag zuvor (Samstag, 12. September) wurde ein Spieler und eine Person aus dem Umfeld der Mannschaft positiv auf Covid-19 getestet.

Das Gesundheitsamt Mannheim hatte zunächst für die gesamte Mannschaft und den Trainerstab häusliche Quarantäne angeordnet. Bereits am Samstagabend war zu lesen, dass für die meisten Spieler und den Trainerstab derzeit aus medizinischer Sicht aufgrund der Ermittlungen des Gesundheitsamtes keine erhöhte Infektionsgefahr bestehe und die Quarantäne nicht mehr aufrecht erhalten werden müsse.

Wir haben versucht beim Gesundheitsamt Mannheim, beim Bundesgesundheitsministerium und beim RKI die wissenschaftlich fundierte Begründung dieser 14-tägigen Quarantäne unserer Drei- bis Fünfjährigen zu erfahren und sind gescheitert. Wir wollen unsere Kinder nicht einsperren, wir wollen unsere Kinder frei erziehen und bitten darum, den gesunden Menschenverstand siegen zu lassen und unsere Kinder nach negativem Testergebnis aus der Quarantäne zu entlassen!  (von Catherine Haas und Julia Rindone, Mannheim)

Tatsächlich offenbart der Umgang mit dem Corona-Virus ein föderales Versagen. Weder der Bund, noch die Länder, noch die Städte und Gemeinden haben seit März ein adäquates Konzept entwickelt, um der Situation in den Wintermonate Herr zu werden. Zeit genug dafür war in diesen sieben Monaten! Was hat das Corona-Kabinett weitsichtig für die kalte Jahreszeit vorgesehen? Wie war der Plan, um diesen Lockdown zu verhindern? Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber mich wundert die derzeitige Situation nicht wirklich.

Ich habe meinen Urlaub in Deutschland verbracht und war in sehr vielen Lokalen und an Orten, wo man vielen Menschen begegnet in diesem Land. Lange suchen musste ich nicht, um eklatante Fehler und Ignoranz zu finden im Umgang mit der Pandemie: Bedienungen und Bedienstete ohne Maske, Trennwändchen, die den Namen nicht verdienten, viel zu dichte Bestuhlung und Tische, die zu nahe beieinander stehen und oft dazu ungelüftete Räume. Kontrolliert hat das niemand! Allerdings war das auch nicht überall der Fall! Es gab ganz oft Restaurants und andere öffentliche Einrichtungen, die hervorragende Konzepte hatten, bei denen man sich absolut sicher sein konnte.

Gerade Opernhäuser und Theater haben dies vorbildlich gelöst. Haben wir jetzt die Situation wie früher in der Schule, dass zwei, drei Leute den Unterricht stören und dafür die ganze Klasse bestraft wird? Das kam einem schon damals seltsam und ungerecht vor. Ähnlich ist diese Situation heute. Alle werden gezwungen, sich zurückzuziehen, obgleich nur wenige rücksichtslos und ignorant waren! Warum hat niemand die Einhaltung der geforderten Verhaltensregeln kontrolliert? Klar: macht Mühe! Aber wir sehen, was passiert, wenn man es nicht macht! Hält sich jemand nicht an die Vorgaben, handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die auch strafbewehrt ist.

Ähnliche Akribie wie beim Ahnden von Parken mit abgelaufenem Parkschein oder Geschwindigkeitsüberschreitungen würde man sich wünschen. Wenige Tage vor Beginn des letzten Lockdowns wäre mit dem Bußgeld in den ausgewiesenen Zonen in der Innenstadt und vorm Bahnhof ein kleines Vermögen zu erzielen gewesen. Es war leider keiner zuständig. Restaurants, Museen und Theater zu schließen, ist viel einfacher. Natürlich sind mit der exponentiellen Wachstumsrate der Erkrankten und viel schlimmer der belegten Intensivbetten nun kaum mehr Optionen möglich – trotzdem sehe ich kein politisches Planen und Handeln für die kommenden Monate: eben ein halbherziger Umgang mit dem Virus! (von Jens Assenheimer, Mannheim)

Könnte man nicht einen Magneten oder Stör-Sender oder ähnliche Gerätschaften an Bahnen und Bussen anbringen, die telefonieren unmöglich machen?

Das würde viel dazu beitragen, damit Mund – und – vor allem Nasenschutz da blieben, wo sie hingehören.  (von Iris Welling, Mannheim)

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