Leserbrief

Das schreiben Leser zum Thema Coronavirus

Zum Thema Coronavirus:

Seit drei, vier Wochen versuche ich als Konsument vergeblich, eine Packung Toilettenpapier im Ladenburger Handel besorgen zu können. Alles war sofort verkauft. So ist es noch immer hier in Ladenburg. Beim Spaziergang habe ich Miteinander, Sozialität frohen Herzens wahrgenommen: Ein edler Spender hat am Ladenburger Schwimmbad Toilettenrollen in Folie verpackt am Gitter zum Mitnehmen hingehängt. Welch eine Superidee, welch ein Geschenk, welch eine Vorbildfunktion! Darauf können wir alle stolz sein. Jetzt bleibt zu hoffen, dass sich die bedürftigen Menschen getrauen, sich eine Rolle zu nehmen.

Marliese Hanßen, Ladenburg

Nur drei Prozent der Bevölkerung sind (laut Ihrer aktuellen Berichterstattung) gegen die erheblichen Freiheitseinschränkungen? Ich frage mich, kennt die homogene Gruppe der restlichen 97 Prozent die Fakten und Hintergründe oder nur die Schlagzeilen? Bedauerlicherweise ist öffentliche Kritik Mangelware, wer Kritik äußert am verordneten „Social Distancing“, ertrinkt in Beschimpfungen und „Social Mobbing“.

Es gibt keine Opposition, die ihre Aufgabe wahrnimmt. Dabei wäre es gerade in Krisenzeiten sehr wichtig, Kritik zu üben und auch widersprechen zu können. Wir laufen Gefahr, dass wir aus Angst und Panik wenigen detailliert arbeitenden Experten „hinterherrennen“ und dabei wichtige Aspekte im großen Ganzen übersehen. Insbesondere das richtige Maß muss gefordert werden. Aktuell wird die freie Kulturszene von der Panik der Masse totgetrampelt.

Weg in Gesundheitsdiktatur

In den letzten Jahrzehnten sind abertausende Menschen an MRSA und anderen Grippewellen gestorben, was wenig Resonanz in den Medien gefunden hat. Es sollten dringend mehr unbequeme Fragen gestellt werden. Wem nutzt die „Krise“ und welche Rolle Spielen Pharma-Konzerne? Sind wir auf dem Weg in eine Gesundheitsdiktatur? Wann kommen Berichte über Gesundete oder nur schwach Erkrankte? Wo können Fehler in den Statistiken die Situation verzerren, verfälschen? Ist Gesundheit wichtiger als Freiheit? Würden wir in einem Gefängnis ewig leben wollen? Fest steht für mich: „Diejenigen, die die wesentliche Freiheit aufgeben würden, um ein wenig vorübergehende Sicherheit zu erwerben, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.“ (Benjamin Franklin)

Bernd Albert, Ludwigshafen

Nicht verwunderlich, dass die Corona-Krise Verschwörungstheoretiker und Fundamentalisten auf den Plan ruft. Herr Reis ist der Meinung, Regierungen würden mit den angeordneten Ausgangsbeschränkungen nur testen, wie weit man Bürger kontrollieren könne. Nur ein verwirrter Geist kann sich aber ein Szenario ausdenken, in dem quasi täglich, weltweit und dennoch klammheimlich-unentdeckt rund 200 bis 300 nationale Regierungen, gleich welcher politischen Ausrichtung, darüber Absprachen treffen, wie man seine Bürger am besten mit Einschränkungen quälen kann.

Herr Reis sorgt sich weiter um die Stabilität des Euro, wenn nun europaweit Kredit- und Subventionsprogramme aufgelegt werden. Aber was nutzt dem Arbeitnehmer und dem Kleinunternehmer ein stabiler Euro, wenn er sieht, wie ihm und seiner Familie gerade der letzte Cent ausgeht? Frau Weimer vertraut auf Bibel- und Dichtersprüche. Das schadet ja auch nicht. Sie setzt aber allem die Krone auf, wenn sie meint, Professoren wollten, indem sie „einseitig Dinge aufzeigen“ (sie meint wohl: Tatsachen erklären?) nur „entsprechende Kassen mit Geld füllen“. Zu Ende gedacht, beleidigt sie mit dieser Unterstellung die Menschen, die aktuell im In- und Ausland in Instituten, Gesundheits- und Pflegeberufen bis an den Rand der Erschöpfung bewundernswerte Arbeit leisten.

Klaus Löffler, Mannheim

Von allen Seiten hören und lesen wir nur Negatives über das Virus Corona. Ich kann in dem Ganzen auch Positives erkennen. Meine Kinder durften nicht fliegen. Ich musste mir folglich keine Sorgen mehr über ihren weiten Flug ins Ausland (mit eventueller Quarantäne dort) und Rückflug machen, sie sind heil und gesund zu Hause. Mein Sohn wird durch das Daheimbleiben nach und nach viele aufgestaute und wichtige Reparaturen am und im Haus erledigen. Alle leben zwar zurückgezogen, aber stressfreier. Gespräche und Hilfen mit den Nachbarn über Distanz funktionieren. Chatten mit Freunden geht auch. Ich wünsche uns allen ein gutes und gesundes Überstehen dieser Zeit.

Sylvia Steimer, Mannheim

Haben hier die für uns Verantwortlichen in der Politik vielleicht zu spät reagiert statt vorausschauend agiert zum Wohle aller, besonders der Schwächeren? Man stelle sich den Aufschrei der Bevölkerung vor bei einem frühzeitigen Reiseverbot – insbesondere in die Skiferien –, Absage von Faschingsveranstaltungen, Matthaisemarkt mit Mallorca-Party und so weiter! Viele hätten sich wohl nicht infiziert, die Kosten und der Schaden für die Allgemeinheit wären wesentlich niedriger ausgefallen – aber die Verantwortlichen hätten sich im Nachhinein einiges anhören müssen. Auch der Massentourismus hat sicher zum großen Teil zu dieser Situation beigetragen. Österreich hat seine Hotels und Lifte erst geschlossen, als die Feriensaison fast zu Ende war und das Virus mit den Urlaubsrückkehrern bereits in andere Länder verbreitet wurde!

Die Unvernunft und Rücksichtslosigkeit von Langeweile geplagter, feierwütiger Jugendlicher (die einmal unsere Zukunft sein sollen!), lässt Schlimmstes befürchten. Hätten sie nicht ihre Sozialkompetenz unter Beweis stellen können, indem sie zum Beispiel für ältere Mitmenschen Einkäufe erledigen, statt Corona-Parties zu veranstalten? Liegt die Verantwortung für die Hamsterkäufe nicht auch bei den Medien mit den Effekt heischenden Bildern leerer Regale? Da kann noch so sehr versichert werden, dass es keine Versorgungsengpässe gibt: Bei leeren Regalen glaubt das niemand! Wir sind nun mal gewöhnt, dass alles überall und in grenzenloser Auswahl zu bekommen ist.

Das Szenario einer wirklichen Krise, wenn die Versorgung zusammenbricht, möchte ich mir nicht ausmalen. Vielleicht nutzen wir die Chance zu überdenken, was wirklich wichtig im Leben ist. Wir Menschen müssen wieder lernen, dass Bäume nicht in den Himmel wachsen!

Doris Kendel, Heddesheim

Wer jetzt allen Ernstes die Lockerung der Maßnahmen fordert, die tief in das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben der Menschen eingreifen, aber nicht im Entferntesten vergleichbar sind mit all den humanitären Katastrophen zum Teil vor unserer Haustür, hat nicht im Fokus, dass wir immer noch am Anfang einer exponentiellen Ausbreitung einer Viruserkrankung stehen, wogegen keinerlei Grundimmunität besteht.

Wir können dankbar sein, wenn nach weiteren 14 Tagen die Zahl der Neuinfektionen von einem Tag auf den nächsten in Deutschland unter einem Wert bleibt, den unser Gesundheitssystem bewältigen kann – und da ist noch nicht mal mit einbezogen, dass jeder Ausfall eines Mitarbeiters durch Überlastung oder sogar selbst durch Infektion an wichtiger Stelle verheerende Wirkung hat.

Auch muss jetzt erstmal die allmählich in Erscheinung tretende Dunkelziffer der Erkrankungen seit Beginn der Einschränkungen registriert werden. Da helfen nervöse Reaktionen und Äußerungen gar nichts, und ich bin beruhigt, dass im Gegensatz zu vielen Ländern die zunehmend von Populisten regiert werden, unsere Regierung von einer promovierten Physikerin und damit nüchternen Analystin angeführt wird. Bitte bleiben Sie standhaft und treffen Sie ihre Entscheidungen weiterhin mit Bedacht, Frau Merkel!

Oliver Roßmüller, Lauda-Königshofen

Ich kann es einfach nicht nachvollziehen, dass man, wo nur möglich und so viel wie möglich, Toilettenpapier kaufen muss. Das ist schon verrückt, aber was ich total unverschämt finde, ist, dass gerade diejenigen, nämlich unsere Pflegekräfte, Krankenschwestern, ältere Leute, die arbeitende Bevölkerung keine Chance haben, nach Feierabend sich nur ein Päckchen Toilettenpapier zu kaufen.

Gerade die Pflegekräfte, Krankenschwestern und so weiter, die aktuell einen Wahnsinns Einsatz bringen, denen muss man es ermöglichen, abends ihre Waren (auch Toilettenpapier) kaufen zu können. Hier müssen die Geschäfte einfach reagieren und einige Waren bis Abends zurückzuhalten. Von den Bürgern kann man das leider nicht erwarten, hier ist der größte Teil zu egoistisch.

Jürgen Heckmann, Mannheim

Toilettenpapierhamsterkäufe sind unsozial, egoistisch, Hauptsache ich habe, die Anderen sollen die Zeitung nehmen wie vor 100 Jahren. Durch ihren Hamstertrieb ist ihnen im Gehirn scheinbar ein Stuhlgangchromoson geplatzt, wodurch alle logischen und sozialen Denkweisen beim Stuhlgang ausgeschieden wurden. Nachgedacht, wie viel Toilettenpapier man eventuell bei einer Sitzung verbraucht, haben sie scheinbar nicht.

Kauft zum Beispiel ein Mensch, der Angst hat, dass ihm das Toilettenpapier ausgeht, vier Packungen, dann sind das 40 Rollen. Eine Rolle hat 160 Blatt, das sind bei 40 Rollen 6400 Blatt. Verbraucht eine Person am Tag zehn Blatt, dann reichen vier Packungen 640 Tage. Werden 20 Blatt am Tag verbraucht, reichen die 40 Rollen 320 Tage, also zehn bis elf Monate. Nimmt man einen Vier-Personen-Haushalt, bei dem jede Person 20 Blatt durch die Toilette jagt, sind das pro Tag 80 Blatt, und die vier Personen können sich mit 6400 Blatt zweieinhalb Monate den Allerwertesten abwischen. Wenn jemand also auf die Idee kommt, Toilettenpapier zu hamstern, dem hat ein Spatz ins Gehirn geschissen.

Ottokar Charly Braun, Mannheim

Die Corona-Pandemie sollten wir als Denkhilfe und Handlungsanleitung verstehen: Es ist Zeit zum Wachwerden! Irgendwann ist hoffentlich auch diese Pandemie vorbei und die Menschen sollten daraus lernen – und zwar im Grundsätzlichen. Brauchen wir tatsächlich Militärhaushalte in den bisherigen Höhen? Russland, Kuba und gar China helfen dem ach so militärisch bedrohten Westen. Die Bedrohungen liegen ersichtlich wo anders. Einige Länder der EU zeigen übrigens auch hier, dass das Nationalstaaten-Denken kaum überwunden ist. Was bringen kilometerlange Staus für Lkw an den Grenzen bei der Bekämpfung des Coronavirus? Nichts Halbes, nichts Ganzes, sondern einfach nur dämlichen Aktionismus.

Wie wäre es deshalb, wenn jedes Land seinen eigenen Militärhaushalt schlichtweg um die Hälfte reduzieren würde? Kriegsgeräte schützen nur im Kriegsfall. Doch wo droht dieser tatsächlich? Nur dort, wo er bewusst geschürt wird. Mit weniger Millitärausgaben gäbe es immens mehr Geld für Katastrophenschutz, generelle Vorsorgen, ein umfassenderes Gesundheitswesen und mehr Absicherung für die Ärmsten.

Amerika zeigt uns unfreiwillig und unmissverständlich, wie Kapitalismus funktioniert: nämlich ganz, ganz bescheiden auf Dritte-Welt-Niveau! Krankenversicherung gibt es dort für Millionen Menschen schon mal gar nicht, und außer militärischer Großspurigkeit und Großmannsgehabe hat man dort – und nicht erst seit Trump – ansonsten wenig Hilfreiches außer dem größten Militärhaushalt zu bieten.

Roland Weber, Mannheim

Warum können Kaufhäuser und andere Geschäfte nicht auch mit einer Begrenzung der Kundenanzahl öffnen? Oder was macht der Bürger, wenn der Kühlschrank kaputt geht, der Herd, der Fernseher? Dies kann doch nicht alles auf den Onlinehandel abgewälzt werden. Wir haben ein kleines Fachgeschäft für derartige Artikel in der Nähe. Seinen kleinen Laden/Ausstellung darf er nicht öffnen, aber er darf weiterhin telefonische Bestellungen ausliefern und aufstellen und anschließen oder auch Reparaturen vor Ort ausführen. Der Kontakt ist also nur vom Laden in die Räume des Kunden verlagert und der Personenkreis hat sich dadurch nicht verändert.

Auch das gesamte Handwerk arbeitet weiter. Die Handwerker haben ja untereinander Kontakt oder auch mit der Kundschaft. Das ist unumgänglich. Ist dies in Gänze sinnhaft? Kinos, Theater und so weiter zu schließen, wo zwangsweise eine große persönliche Nähe unausweichlich ist, ist nachvollziehbar. Aber in vielen Bereichen kann diese Nähe durch andere organisatorische Maßnahmen vermieden werden. Wie lange soll dieser Zustand anhalten und wie lange ist er machbar? Ich habe keine Patentlösung. Ich wünsche mir eine offene und sachliche Diskussion über die verschiedenen Möglichkeiten der Kontaktreduzierung, und in Anbetracht der diversen widersprüchlichen Regelungen über die Sinnhaftigkeit der gegenwärtigen Anordnungen nachzudenken.

Rainer Tiede, Biblis

In seinem Kommentar unter der Überschrift „Erste Hilfe“ ist für Herrn Kolhoff jetzt schon klar, dass am Ende die Bürger nach der Krise auf Jahre hinaus kleine Brötchen backen müssen, was Lohn- und Rentenerhöhungen betrifft. Wie schon bei der Wirtschaftskrise 2007/2008 werden schon mal die Ängste der eigentlich betroffenen Menschen zusätzlich befeuert.

Alle diejenigen, die die letzte Krise als Betroffene in den Betrieben mitgemacht haben, können sich vielleicht erinnern, dass die damaligen Prognosen der Panikmacher so nicht eingetroffen sind. In dem Unternehmen, in dem ich über 40 Jahre gearbeitet habe, das während der Wirtschaftskrise bis zu 80 Prozent des Umsatzes verloren hatte und 18 Monate lang kurzgearbeitet wurde, wurde bereits 2010 ein höherer Aktienkurs verzeichnet, wie vor der Krise. Aus dieser Erfahrung heraus ist es aus meiner Sicht in der jetzigen Lage gewagt, jetzt schon wieder Prognosen anzustellen, was alles nach der Krise passieren kann. Ich werde den Verdacht nicht los, dass hier wohl schon jetzt versucht wird, die Verlierer der Krise schon mal auf ihr Schicksal vorzubereiten. Und gerade das, was Herr Kolhoff zum Schluss erwähnt, dass dies ein Versuch ist, wirtschaftliche und soziale Panik zu verhindern, macht er mit einem solchen Kommentar zunichte.

Jürgen Brunauer, Ladenburg