Leserbrief

Das schreiben Leser zur Debatte um große Unternehmen

Zum Debattenbeitrag „Haben große Organisationen noch eine Zukunft, Frau Scheub und Herr Küttner?“ vom 26. September:

Was mir nicht gefällt, ist das erneute Amerika-Bashing. Hier werden wieder einmal die Diktaturen in Russland und China und die USA in einen Topf geworfen und quasi systemisch gleichgestellt; aber letztlich sind nur die USA und auch wirklich nur die USA die einzige demokratische Großmacht, auf die auch wir uns in einem potenziellen, gegebenenfalls auch militärischen Konflikt mit einem autoritären System verlassen können und sollten.

Leider klingt in dem Artikel auch eine gewisse Schadenfreude an den durchaus existenten Problemen der USA durch, ein Abstieg der Vereinigten Staaten wird quasi herbeigeredet; vor dieser Haltung kann man nur warnen. Zu leicht wird auch vergessen, welche Opfer die USA in zwei Weltkriegen gebracht haben, um Deutschland und Europa von autoritären Systemen zu befreien.

Was die Zerschlagung großer Staaten oder Konzernstrukturen angeht, hat dies sicher nicht nur Vorteile; man erinnere an die deutsche Kleinstaaterei im 19. Jahrhundert. Die Kriegsgefahr kann dadurch gegebenenfalls noch steigen. Auch Konzerne müssen durch „Zerschlagung“ nicht per se besser werden. Auf einen meines Erachtens entscheidenden Aspekt wird von den Autoren nicht eingegangen: Es ist der Faktor Mensch. Umbauprogramme und -pläne sind löblich, nur müssen die betroffenen Menschen auch mitspielen: Trotz der Bilder vom Klimawandel kaufen die Deutschen mehr SUVs und PS-Karossen als vorher, geduldet von einer Politik der alten ökonomischen Wachstumsdoktrin. Auf Urlaube und Flugreisen wollen viele auf keinen Fall verzichten.

Wir bräuchten mehr Bescheidenheit und die Bereitschaft zum Konsumverzicht aller, damit man hier weiterkommt. Immer nur die bösen Konzerne anzuklagen, ist zu einfach gedacht. Auf jeden Einzelnen kommt es an. (von Jörg Friedrich, Hirschberg)

Der Artikel gefällt mir sehr. Ich bin 86 Jahre alt, gebürtiger Sachse, im armen Erzgebirge aufgewachsen und lebe seit 1956 in Mannheim. Nach meinem Studium zum Ingenieur in Dresden machte ich eine Ausbildung zum höhren Dienst bei der Reichsbahn und war beruflich bei BBC mit diversen Folgeorganisationen in der Projektierung und Entwicklung von modernen Antriebstechniken in Lokomotiven (Diesel- und E-Lok) erfolgreich eingebunden. Privat bin ich sehr für Selbsthilfe, habe drei erfolgreiche Kinder und bin im Sportbereich sowie täglichen Leben gern bereit für ehrenamtliche Tätigkeiten.

Das dürftige Leben nach dem Zweiten Weltkrieg, das Studium in der DDR und das Erleben der Staatsformen in der DDR und in der BRD hat mich auch zu der Erkenntnis gebracht, dass unsere Demokratie in der BRD (mit unserem Grundgesetz) unbedingt gepflegt werden muss. Alle Großorganisationen, zu denen ich auch die verschiedenen Religionen zähle und die verschiedenen autoritären Staatsformen, waren und sind keine guten Regelungen für die Menschen. Leben und leben lassen, sich gegenseitig stützen und nicht immer nur im Luxus leben, würde allen Menschen guttun. Dazu gehört aber auch, dass die Menschen auf der Erde eine gesunde Geburtenregelung finden müssen. (von Walter Thomas, Mannheim)

Die Autoren sollten wissen, dass kein anderes Land in so kurzer Zeit den Wohlstand im Land vermehrt hat. Dass das Regieren in China nicht den Vorstellungen der Autoren entspricht, versteht sich von selbst. Die These aufzustellen, Ökologie contra Ökonomie, zeigt die einseitige Herangehensweise an das Thema. Ohne ein Zusammenwirken von Ökologie UND Ökonomie wird die Gesellschaft große Probleme bekommen. Auch der Hinweis auf „Bürgerräte“ ist vollkommen deplatziert. Die Autoren sollten sich diese Organisationsform im 18. Jahrhundert anschauen, ich möchte jedenfalls nicht in einem solchen System leben.

Unser „egozentrisches Weltbild“ durch ein „geozentrisches“ zu ersetzen, ist nicht nachvollziehbar. Geozentrisch bedeutet, dass die Erde und damit der Mensch im Universum eine zentrale Position einnehmen. Wo liegt der Unterschied? Die Behauptung, dass transnationale Konzerne drohen auseinanderzufallen, ist abwegig. Das Problem ist nicht die Organisationsform, sondern das Management dieser Organisationen. Die beispielhaft aufgeführten Firmen beweisen meine Feststellung.

Zusammenfassend möchte ich bemerken, dass die Autoren sicher Recht haben in der Annahme, dass die Gesellschaft sich verändern wird, das tut sie aber auch durch Corona, ohne ideologischen Anspruch. (von Günther Arnold, Ladenburg)

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3n8rsLY