Leserbrief

Das schreiben Leser zur Tempolimit-Debatte

Zum Debattenbeitrag „Brauchen wir in Deutschland ein generelles Tempolimit, Herr Meyer-Pyritz?“ vom 23.11.:

Was Herr Meyer-Pyritz schreibt, wissen wir alle schon lange. Nur unsere Politiker wissen‘s offenbar noch nicht. Warum hinken wir den benachbarten Nationen so hinterher? Unsere Autohersteller-Vorstände wissen doch längst, dass die Umwelt durch den geringeren Spritverbrauch erheblich entlastet und die Reichweite ihrer Elektroautos verlängert würde.

Und nebenbei: Das generelle Tempolimit, für das sich nach neueren Umfragen eine Mehrheit unserer Mitbürger ausgesprochen hat, könnte auch zum Abbau der vielen Verkehrsschilder an den Autobahnen führen, die dem Autofahrer inzwischen so viel Aufmerksamkeit abverlangen, dass er sich umso weniger auf die Verkehrssituation einstellen kann. Das würde natürlich der Schilderlobby nicht gefallen.

Wolfgang Fabian, Mannheim

Der Sichtweise eines Profis, wie es Herr Meyer-Pyritz als ehemaliger Feuerwehr-Rettungsleiter ist, stimme ich uneingeschränkt zu. Ich besitze selbst ein hubraumstarkes Fahrzeug mit einem hohen Leistungspotenzial. Was ich als Rentner und daher häufiger Benutzer auf der Fahrt in meine 800 Kilometer entfernte Ferienwohnung auf den deutschen Fernstraßen jedoch schon erlebt habe, spottet jeder Beschreibung. Die Kraft eines Fahrzeuges ist eine Seite, sie provozierend zu nutzen eine andere.

Es gibt ein gutes Gefühl zu wissen, Lkw-Kolonnen zügig hinter sich lassen zu können. 130 Stundenkilometer als Höchstgeschwindigkeit reichen jedoch völlig aus, um auch ein etwas entfernteres Ziel entspannt und trotzdem mit Freude am Fahren erreichen zu können. Ich sage das als ansonsten in Opposition zu grüner Politik Stehender. Machokulturelle Gesinnungen werden hemmungslos auf den Autobahnen ausgelebt und selbst in den Innenstädten illegale Rennen veranstaltet. Mit konsequent hohen Strafen für Raser wären auch in unserem Land stärkere Akzente gesetzt.

Uwe Merkel, Mannheim

Die Antwort ist ja! Allerdings macht das nur Sinn, wenn die Einhaltung auch kontrolliert wird und die Übertretung auch wirklich spürbar bestraft wird. Ich fahre seit über 40 Jahren Motorrad. Ich fahre gerne schnell. Trotzdem halte ich mich an Geschwindigkeitsbegrenzungen. Und wenn ich dann auf der Autobahn mit 120 fahre, wo nur 120 erlaubt ist, dann komme ich mir vor wie einer der wenigen Deppen, die das tun. Kontrollen? Wo denn?

Seit Einführung der Autobahnmaut begreife ich nicht, weshalb die Mautbrücken nicht für Geschwindigkeitskontrollen genutzt werden. Ebenso begreife ich nicht, warum der Halter eines Kfz nicht für die Geschwindigkeitsübertretungen des Fahrers haften soll, dem er sein Fahrzeug überlassen hat. Nicht abschaltbare Assistenzsysteme, die Geschwindigkeitsbegrenzungen erkennen und einhalten, wären auch ein überlegenswerter Ansatz.

Überall wo Geschwindigkeitsübertretungen verknüpft sind mit wirklich spürbaren Strafen und vielen Kontrollen, die man nicht frühzeitig erkennen kann, ist das Fahren entspannt und „gefühlt“ sicherer. Selbstverständlich müssten dann entgegen den Meinungen der üblichen Bedenkenträger einige gesetzliche Grundsätze verändert werden. Aber wo ein politischer Wille wäre, wäre auch ein Weg. Und dieser politische Wille fehlt. Das skizziert der Debattenbeitrag schon ganz am Anfang.

Bewährt hat ich für mich immer schon die Fragestellung: Wer profitiert finanziell von dem „Problem“? Und von „freier Fahrt für Vollgas“ profitieren viel zu viele. Das „Mehr“ an Freiheit für einige ist immer auch ein „Weniger“ an Freiheit für andere.

Dieter Holch, Mannheim

Der Beitrag von Herrn Meyer-Pyritz hat mich so beeindruckt, dass es Ihrer generellen Aufforderung nicht bedurft hätte, dazu meine Meinung zu äußern. Spätestens seit der Diesel-Affäre dürfte auch den Menschen, die noch ein bisschen an die Unabhängigkeit unserer Volksvertreter geglaubt hatten, klar sein, wer in unserem Land tatsächlich die Fäden in der Hand hält. Aber darf es denn wirklich sein, dass der Einfluss der Industrie-Lobbyisten so groß ist, dass jeder vernunftgetragene Ruf nach einem Tempolimit – wie erst kürzlich wieder – scheitert?

Wie vereinbaren die Politiker, die dagegen stimmen, dies mit ihrem Gewissen? Wie leben sie mit den Gedanken an die Toten, die Verunstalteten, die Folge dieser Entscheidung sein werden? Es mag ja vielleicht stimmen, dass ein Tempolimit auf Autobahnen die deutsche Unfallstatistik nur „unwesentlich“ beeinflussen würde, aber darf man das Wort „unwesentlich“ überhaupt verwenden, wenn es um tote Menschen und grausame Verletzungen geht?

Dieter Martens, Mannheim

Es ist sicher richtig, dass vonseiten des Kraftfahrzeugbundesamtes oder/und der Verkehrsminister noch nicht ernsthaft ein Tempolimit angestrebt wurde. Was würde dies tatsächlich bringen? Diese Frage stelle ich mir seit Jahren und komme immer wieder zum gleichen Ergebnis – nichts. Ich bin Baujahr 1952 – also im ähnlichen Alter wie Herr Pyritz –, habe 1969 meinen Führerschein erhalten und bin bisher unfallfrei geblieben. Beruflich bedingt war ich jahrelang zwischen 50 000 und 60 000 Kilometer jährlich unterwegs und kann mich daher sicher als erfahrenen und umsichtigen Fahrer einstufen. Ich bin gerne schnell gefahren und tue das auch heute noch, sofern es die Verkehrslage, Wetter und allgemeine Situation zuließen beziehungsweise zulassen. Ich gestehe, dass ich unter Termindruck auch bei einem Tempolimit von zum Beispiel 100 den Tempomat auf 118 Stundenkilometer einstelle, wenn es die Situation zulässt.

Ich denke auch, dass die meisten Fahrer von Luxuskarossen und hochpreisigen Sportwagen ihr Fahrzeug beherrschen und mit der Leistungsfähigkeit ihres fahrbaren Untersatzes umgehen können. Was die meistens leider nicht können, sind Rücksichtnahme, umsichtiges und vorausschauendes Fahren, dafür allerdings das Ignorieren der Straßenverkehrsordnung und Obrigkeit.

Ich bin jedoch der Meinung, ein Tempolimit würde den Krieg auf unseren Straßen nicht nachhaltig verändern. Das Tempolimit wäre auch in Bezug auf Kohlendioxidausstoß nicht spürbar – dieser liegt zur Zeit ohnehin nur bei rund 16 der Gesamtmenge. Ich bin weit davon entfernt, mich zum Richter der Nation aufzuspielen, aber ich plädiere für deutlich drastischere Strafen für Verkehrssünder. Unsere europäischen Nachbarn machen uns das vor und wer einmal mehr als 1200 Euro für zu schnelles Fahren bezahlen musste, wird seine Fahrweise überdenken. Dies sollte auch für Nötigen gelten.

Gert Giussani, Ilvesheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/33njnb8

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