Leserbrief

Das schreiben Leser zur Verkehrslage in der Region

Zum Thema Verkehrsproblematik in der Metropolregion:

Mit Interesse habe ich zur Kenntnis genommen, dass der „MM“ sich jetzt intensiv des Themas der Verkehrssituation in der Region angenommen hat. Die Berichterstattung bietet alle Facetten: verkehrstechnische Gründe, politische Faktoren, wirtschaftliche Auswirkungen und viel Hintergrund. Die Kommentare sind, richtigerweise, kritischer geworden und entsprechen wohl auch der Meinung der meisten Leser.

Meine Hoffnung als Leser besteht darin, dass durch eine dauerhafte Berichterstattung auch der öffentliche Druck auf die Verantwortlichen steigt und vielleicht doch irgendwann zu greifbaren Ergebnissen führt. Allerdings scheinen viele Politiker aller Parteien immer noch nicht den Ernst der Lage erkannt zu haben, sonst würden zur Zeit keine Vorhaben, wie eine Verkehrsberuhigung der Innenstadt, diskutiert werden. Sicherlich ist das ein erstrebenswertes Ziel, aber zuerst muss doch ein Konzept her, wie der Verkehrsfluss über den Rhein gewährleistet werden kann und dann kann der nächste Schritt erfolgen.

Überraschend auch die neuen Bestrebungen im Hinblick auf die negativen Erkenntnisse aus der probeweisen Sperrung zwischen den Quadraten N 1/O 1 vor einigen Jahren. Zur Zeit verbieten sich meiner Meinung nach solche Gedankenspiele, solange nicht schlüssig geklärt ist, wie man den Verkehr ohne Stau über den Ring auf die Brücken bringen und auch abfließen lassen kann.

Neben der Vermeidung ist fließender Verkehr auch praktizierter Umweltschutz. Das kann jeder an der Verbrauchsanzeige in neueren Wagen direkt ablesen. Der Verbrauch im Stau steigt um bis zu 50 Prozent. Auch der Föderalismus der Bundesländer macht hier keine gute Figur. Außer Streitigkeiten, wem welche Straße/Brücke gehört und wer bezahlt, fehlt der gemeinschaftliche Ansatz einer länderübergreifenden Lösung. Hier werden Eigeninteressen über den Nutzen für die Allgemeinheit gestellt. Die im Augenblick geführte Diskussion, in der einige Bundesländer mehr Kompetenzen verlangen, lässt wenig Besserung erwarten. Europa wächst zusammen und die Bundesländer wollen rückwärts schreiten.

Selbst die sonst so einflussreiche Wirtschaft ist hier mit ihrem Latein am Ende und droht mit Abwanderung. Wirtschaft wandert ab, Bürger wechseln mit ihrem Wohnsitz die Rheinseite, Handwerker arbeiten nur noch auf der Rheinseite, auf der sie zu Hause sind (selbst erlebt). Eigentlich verbinden Brücken, in der Metropolregion führen sie zu neuen Grenzen. Hoffentlich wachen unsere Verantwortlichen in Politik und Verwaltung irgendwann auf, denn das nächste vernachlässigte Thema steht schon vor der Tür: bezahlbarer Wohnraum. (von Michael Lange, Mannheim)

Hier in der Kurpfalz kann man gerade erleben, wie Verwaltung und Politik einen Wirtschaftsstandort vernichten! Die Verkehrswege zwischen Mannheim und Ludwigshafen werden immer mehr reduziert. Eine Rheinbrücke bei Altrip sehen unsere Politiker wie Herr Baldauf, Landräte beider Seiten und die Verwaltung Ludwigshafen als nicht notwendig an! Sie träumen scheinbar alle von Roller und Straßenbahn.

Fakt ist: Das Verkehrsaufkommen wird sich in den nächsten zehn Jahren nicht verringern! Warum wird die Hochstraße nicht abgerissen? „Ingenieure und Planer arbeiten an Lösungen.“ Hier werden Steuergelder für sinnlose Berechnungen und Gutachter ausgegeben. Das Baudezernat sollte sich in Italien umsehen, dort werden mit Betonfertigteilen ganze Brücken in einem Jahr erbaut. Das Problem ist seit Jahren bekannt, aber es passiert nichts! (von Hartmut Rupp, Mannheim)

Was ich auf der Titelseite des „Mannheimer Morgen“ lesen durfte, schlägt dem Verkehrsfass „Metropolregion“ doch endgültig den Boden aus, gepaart mit unglaublicher Arroganz der zuständigen Minister, so war zu lesen: Eine dritte Rheinquerung sei im Bundesverkehrsplan 2030 nicht enthalten… Vielleicht findet sich endlich jemand, der die dritte Rheinquerung vor der nächsten Jahrtausendwende in diesen Plan hineinschreibt. Der Bund erkläre sich nicht zuständig für Bundesstraßen, ein Schelm, der Bund und Bundesstraße in einem Zusammenhang sieht. Im Bedarfsplan von 2016 (!) sei die Rheinquerung nicht vorgesehen. Möglicherweise gibt es jemanden in dem großen Ministerium, der diesen Plan an den tatsächlichen Bedarf anpasst?

Die Landes- und Bundesminister führten ein vertrauliches Gespräch. Wahrscheinlich wurde bilateral ausgelotet, wie lange man die steuerzahlenden Pendler noch ohne Wahlschlappe bei der nächsten Wahl veräppeln kann. Wer es sich leisten kann, wird von Ludwigshafen wegziehen; die ortsansässige Großindustrie hat bereits für sich Entsprechendes in die Wege geleitet. Dann klemmt’s aber endgültig mit den Steuereinnahmen! In diesem Fall kann Ludwigshafen die Brücken endgültig schließen; ein paar gezielte Luftmessungen im Stau dürften doch dafür genügen. Falls nicht, lassen sich alle Ampeln auf Rot schalten, ein paar weitere nicht genutzte Radwege tun ein übriges.

Ich wünsche allen Zuständigen weiterhin einen gesunden erholsamen Büroschlaf; falls sie selber pendeln müssen, können sie dann wenigstens abends ausgeruht im Stau stehen und ihre Lebenszeit verplempern. Ein Satz noch zu den Auto-Alternativen zum Beispiel von Friesenheim nach beispielsweise Firma Essity, ehemals SCA, in Mannheim: zu Fuß zum Busersatzverkehr bis zum Friedrich-Ebert-Park in Ludwigshafen, umsteigen in Straßenbahn bis Rathaus Ludwigshafen, noch mal umsteigen bis Paradeplatz, noch mal Umsteigen bis Sandhofen. Noch Fragen? (von Gerhard Hoffmann, Ludwigshafen)

Da wird von nahezu allen Beteiligten der ersten Gesprächsrunde des Mobilitätspakts ein attraktiverer Nahverkehr gefordert, um den derzeitigen Straßenverkehrskollaps abzumildern. Verkehrsverbund Rhein-Neckar-Chef Malik kündigt dazu ein verbessertes Job-Ticket an. Gleichzeitig lässt er verlauten, dass die VRN-Fahrpreise durchschnittlich um 2,5 Prozent zum Jahreswechsel steigen werden. Betroffen sind hauptsächlich Wochen-, Monats- und Jahreskartenbesitzer (einschließlich die des Jobtickets).

Mit diesem falschen Signal stößt Malik diejenigen Pendler vor den Kopf, die jetzt darüber nachdenken, vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen. Zur Begründung nennt Malik gestiegene Lohn- und Betriebskosten. Deren Steigerung liegt zwar in der Größenordnung der geplanten Preiserhöhung. Verschwiegen wird jedoch, dass seit Jahresbeginn die Fahrgastzahlen um rund sechs Prozent angestiegen sind und dementsprechend mehr eingenommen wurde.

Ein sinnvoller VRN-Beitrag wäre, zusätzliche Straßenbahnen aus den Depots anderer Städte auszuleihen und die Verbindungen zwischen Mannheim und Ludwigshafen mit Expresszügen kürzer zu takten. Und die Linie 2 sollte wieder über den Mannheimer Hauptbahnhof fahren. Statt Fahrpreise zu erhöhen, sollten sie weiter gesenkt werden. Eine Jahreskarte für 365 Euro (wie in Wien) würde nicht nur die Mobilität verbessern, sondern auch die Mannheimer Luft (von Joachim Schubert, Mannheim)

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