Leserbrief

Den Instinkten untergeben

Zum Artikel „Hund beißt 28-Jährige“ vom 12. Oktober:

Die Mär vom angeblich besten Freund des Menschen wird immer wieder aufgefrischt in TV-Sendungen mit schmusenden, kinderlieben oder heroisch für sein Herrchen eintretende Tiere, oder auch, wie im „MM“ geschehen, durch großformatige Artikel, welche jede Gefahr ausblenden.

Dies gibt ein falsches, mindestens geschöntes Bild der Wirklichkeit ab. Natürlich gibt es auch die schmusenden, kinderlieben und heroischen Hunde. Es gibt Blindenhunde, Lawinenhunde, Schlittenhunde, Polizeihunde. Alles wunderbar. Aber es bleiben Tiere und die sind ihren Instinkten untergeben. Wie oft hört man den Satz „Der will nur spielen, der macht nichts“ und wie kleinlaut danach auch den Satz „Das hat der noch nie gemacht“.

Nehmt Eure Hunde an die Leine! Ich will nicht, dass Hunde an mir hochspringen. Auch nicht die überfallartigen Bellattacken. Dazu gehören auch die schmierigen Hinterlassenschaften überall, oder durch gefüllte rote Plastiktütchen übervolle Abfalleimer. Dann entsorgt die Tüte doch bei euch zu Hause, wenn der Abfalleimer voll ist und legt sie nicht an den Straßenrand oder in Grünanlagen!

In meiner mehr als 20-jährigen Zeit als Marathonläufer sind mir während des Trainings einige, auch schmerzhafte Begegnungen mit Hunden in Erinnerung. Bei fast allen dieser Vorfälle war das Tier nicht angeleint. Und es gab Fälle, bei welchen der Hund schwerer war als die Person, die auf ihn aufpassen sollte. Es gab in der Vergangenheit zig Versuche, gesetzliche Regelungen für den Umgang mit Hunden in der Öffentlichkeit zu kreieren. Problem dabei waren immer die Ausnahmen. Die praxisfremde Einstufung nach Schulterhöhe zum Beispiel. In der StVO gibt es den § 28 (Tiere). Warum fügt man darin nicht noch einen Absatz hinzu: ALLE Hunde müssen an der Leine geführt werden.

Für den Bereich Feld, Wald und Wiese lässt sich bestimmt auch ein entsprechendes Gesetz finden und so ergänzen. Dieser Bereich scheint sowieso ein gesetzesfreier Raum zu sein. Fragen sie mal Bauern oder Förster, was die zu freilaufenden Hunden sagen. Man wird solche, wie im Artikel genannte Ignoranten und Verbrecher wie im Fall Leimen, oder Meinhunddarfdas-Menschen nicht von ihrem egoistischen und gefährlichen Tun mit Paragrafen abhalten, aber man kann Regeln schaffen, mit denen für jeden klar und deutlich festgelegt wird, was falsch gemacht wurde und wie das zu bestrafen ist. Beim Ladendiebstahl weiß das auch jeder.

„Hund an der Leine ist Tierquälerei“ oder „der Hund kann ja nichts dafür“ greift nicht, oder will man tatsächlich einem verletzten Opfer einen solchen Satz ins entstellte Gesicht sagen. Es wird wieder solche oder ähnliche Artikel geben. Für einen Tag oder eine Woche wird mahnend, anteilnehmend berichtet und dann … nix. In dieser Sache bin ich Pessimist.

Walter Brecht, Mannheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2MkHlP3 

Zum Thema