Leserbrief

Denken selbstkritisch prüfen

Zum Artikel „Die Quote soll es richten“ vom 18. Februar:

Bei der Betrachtung des Bildes frage ich mich, sollte oder muss ich als Frau, wenn ich Entscheidungen fälle, diese Position einnehmen? Und fälle ich als Frau zu wenige Entscheidungen, weil es ein seltenes Bild ist?

Das Bild zeigt das Stereotyp einer in Verantwortung stehenden Frau, mit dem in keiner Weise die im Artikel angesprochene Problematik gelöst werden kann. Dies gilt aber ebenso mit einer Quote.

Vorlieben spielen Rolle

Wir brauchen in allen Führungsebenen Personen mit sozialen, methodischen, persönlichen und fachlichen Kompetenzen. Wie werden sie gefunden beziehungsweise entdeckt? Wie werden sie gefördert und unterstützt?

Aus meinem Umfeld erfahre ich immer wieder von Fehlbesetzungen von Führungsstellen, deren Zahl durch den Wunsch nach einem höheren Frauenanteil nicht verkleinert wird und die uns wirtschaftlich und gesellschaftlich in die Sackgasse führen werden.

Wie kommt es dazu? Aus ernstzunehmenden Untersuchungen erfahre ich, es sind nicht die von mir oben genannten Qualifikationen, die ausschlaggebend sind, sondern es spielen immer wieder persönliche Vorlieben eine Rolle.

Kommt die Person aus meinem sozialen Umfeld? Ist sie eine Frau in Hosenanzug und Entscheidungsposition? Hat sie ein Äußeres, mit dem ich Erfolg und Karriere verbinde, wie zum Beispiel groß und sportlich? Kann sie sich gut präsentieren? Hat sie keinen Makel? Wie kann man dann einen größeren Anteil von Frauen in den Führungsebenen erreichen?

Sicher nicht sofort, denn eine Führungsperson muss aufgebaut werden. Jedoch sollten wir uns alle fragen, wie wir Menschen beurteilen, wie wir Erkenntnisse über ihre Kompetenzen und ihre Persönlichkeit gewinnen. Entscheiden wir nach Äußerlichkeiten? Gehen wir auf sie zu oder ihnen aus dem Weg? Beachten oder vernachlässigen wir sie?

Diskurs anstoßen

Ich denke, wir sollten einen gesellschaftlichen Diskurs über unseren Umgang miteinander anstoßen und unser Verhalten und Denken selbstkritisch überprüfen. Dann wird es so sein, dass wir in allen Ebenen von der Vielfalt unserer Gesellschaft profitieren werden und der Frauenanteil in Vorständen wird dabei sicher auch größer werden.

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/388zk77