Leserbrief

Der lange, schwere Weg mit Rollator und einem Elefant

Demütigendes Einkaufserlebnis

Ich bin 50 Jahre alt, zu 60 Prozent schwerbehindert und derzeit von neuen Gesundheitsstörungen geplagt. Deshalb kann ich auch nur mühsam am Rollator gehen. In einem Prospekt eines Möbeldiscounters in Viernheim habe ich mich unsterblich in einen kleinen Sitzelefanten mit Geheimfach verliebt. Leider musste ich den Elefant aus der Warenausgabe abholen.

So ging ich hin und legte meinen Zettel vor. Kurz darauf wurde mir ein unhandliches, sehr schweres Paket auf einem Transportkarren von einem der Lagermitarbeiter gebracht. Erstaunt und sprachlos schaute ich auf meinen Rollator und den Transportwagen. Mit den Worten, alles klar, verabschiedete sich der Mitarbeiter und war verschwunden. Etwas baff und ratlos sagte ich so vor mich hin, dass das jetzt wohl ein schlechter Witz ist. Doch weit gefehlt. Denn es kam noch schlimmer!

In meiner unmittelbaren Nähe standen vier junge kräftige Männer. Der blonde Mann sah mir mit unbewegter Miene zu. Die anderen Männer grinsten und schlugen sich feixend in die Seiten. Ich tat, was ich halt nur tun konnte, wuchtete meinen Rolli auf das Paket auf den Transportwagen. Woraufhin die Herren laut lachten und sich prächtigst amüsierten. Normalerweise bin ich sehr impulsiv und nie um einen Spruch verlegen. Doch ich dachte an meine drei Kinder, die mich noch brauchen und pinkelte mir vor Angst in die Windel. Es kam mir blitzartig der Gedanke, dass Mitbürgern, die ein solch unangebrachtes Verhalten an den Tag legen, noch viel, viel Schlimmeres zuzutrauen ist.

Also schlich ich nur leise schimpfend zum zehn Meter entfernten Auto. Irgendwie bekam ich das Paket und mit letzter Kraft noch den Rolli in den Kofferraum. Lag es daran, dass ich einen besonders schönen Mantel trug und ein Auto besitze?

Oder lag es an dem zugegebenermaßen ziemlich großen Kreuz auf meiner Brust, das das Abbild von Jesus und der Mutter Gottes trägt? Ich will niemanden religiös provozieren! Ich trage das vor allem als Glücksbringer, weil ich gesundheitlich noch ein paar harte Kämpfe ausfechten muss. Als ich wieder im Auto an diesen Menschen vorbeifuhr, zeigte ich mit freundlichem Lächeln den Victoria-Gruß (Sieg). Dann bin ich weitergefahren und als ich mich sicher fühlte, schrie ich aus tiefster Seele drei verderbte Wörter. Danach ging es mir besser, ich wusste, in Wahrheit habe ich gesiegt!

Ich appelliere inständig an alle Mitmenschen, denen, die Hilfe brauchen, zu helfen. Zeigen Sie Herzensgüte, jederzeit könnte es Sie, Ihre Eltern und Kinder treffen und unverschuldet selbst Hilfe benötigen! Demütigen Sie niemanden in Not, das offenbart nur Ihren unterirdisch schlechten Charakter.

Christine Stemmler, Heddesheim