Leserbrief

Der Mensch wird sich auf die Maschine verlassen

Zum Debattenbeitrag „Werden wir in Zukunft alle arbeitslos sein, Herr Walsh?“ vom 20. April:

Die Vorstellung, dass durch Künstliche Intelligenz die Welt und die sozialen Verhältnisse besser werden, teile ich nicht. Wenn wir eine bessere Welt und die Bekämpfung von Hunger und Armut als oberstes Ziel tatsächlich wollten, dann könnten wir sie heute schon haben, ohne Krieg, ohne Hunger.

Der Rüstungsetat der führenden Nationen liegt zwischen zwei bis drei Billionen Dollar (USA, China, Russland und so weiter). Deutschland hat 100 Millionen Euro im Etat, um Drittländern „Verschmutzungsrechte“ abzukaufen, weil wir diese – auch von uns selbst mit festgesetzten Klimazielen – nicht erreichen. Weil auch unsere eigenen Autobauer die Welt in den letzten zehn Jahren mit Dieselschleudern betrogen haben. Wir geben also Drittländern, die die Klimakatastrophe mit Menschenleben bezahlen, Geld dafür, dass wir so weiter machen können. Damit diese Länder als Folge von unserem Dreck auch wirklich „absaufen“, während wir in unseren klimatisierten „Bunkern“ hocken und das Ganze in den Nachrichten mit großem Bedauern verfolgen.

Der Mensch wird nicht mehr in der Lage sein, diese Computerentscheidungen nachzuvollziehen oder gar kontrollieren oder prüfen zu können. Er wird sich einfach auf die Maschine verlassen, wie heute auf das Handy.

Die Unsicherheit des Menschen und die Abhängigkeit von der Maschine wird sehr stark zunehmen. Der Mensch wird nicht mehr selbstständig denken und entscheiden. Diese Abhängigkeit führt zu einer Vereinheitlichung der noch übrig bleibenden eigenen Denkweise, da man ja erst die Maschine fragt und diese entscheidet immer auf der Basis ihres aktuellen Algorithmus. Dadurch nimmt auch die Manipulierbarkeit extrem zu.

Was kann alles passieren, wenn heute schon Kaufentscheidungen manipuliert werden, wenn noch vor Vorstellungsgesprächen Informationen über Bewerber aus dem Netz abgefragt werden. Wenn Software, also Computerprogramme, anhand von dem verwendeten Wortschatz einer Person in seinen Chats ein Persönlichkeitsprofil erstellen und beurteilen, ob er für eine Stelle tauglich sein könnte?

Es tun sich weitere Fragen auf: Sind Wahlen und Entscheidungen dann noch frei? Kann ich meinen Computer dann noch ausschalten, denn ich brauche ihn ja zum Denken? Das ist kein Panikdenken, sondern wird die Realität sein. Wollen wir da hin? Die in dem Artikel aufgeführten erforderlichen sozialen Veränderungen werden unzureichend umgesetzt werden. Eine Krankenschwester wird nicht plötzlich mehr Geld verdienen, weil das erste Ziel eines Unternehmens immer noch der eigene Profit ist.

Die Arbeitslosigkeit, Armut und die sozialen Konflikte werden zunehmen. Bei der industriellen Revolution war es genauso. Die sozialen und politischen Folgen durfte die Gesellschaft tragen.

Wir sind noch nicht soweit. Das Problem ist: Wir haben damit angefangen. Wir geben dafür mehr Geld aus, als gegen Hungersnöte, bei denen Millionen von Menschen sterben. Welche Skrupel sollten uns also davon abhalten, wenn es technisch einmal machbar sein wird?

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2Pz0blc

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