Leserbrief

Der spröde Charme einer Flughafen-Halle

Zum Thema „Finanzierung des Kunsthallen-Neubaus und Rettung des Filmarchivs“:

Die Berichterstattung im „Mannheimer Morgen“ behandelt – so meine Wahrnehmung – den neuen Kunsthallen-Anbau und die Rettung des Filmarchivs mit seinen einmaligen Zeugnissen zur Geschichte Mannheims als strikt getrennte Themen. Ich sehe hingegen einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen den Finanzierungen beider Projekte.

Wenn sich eine Stadt die für die Filmkonservierung anfallenden Kosten bei ihren Bürgern zusammenbetteln zu müssen glaubt, dann aber für einen etwa 700-fachen Betrag einen Musentempel hinstellt, lässt dies bei einem zur Spende aufgerufenen Bürger durchaus Fragen aufkommen. Auch wenn ein großer Teil der Kosten für den Kunsthallenbau einer großzügigen Spende zu verdanken ist, was ja der Stadt eigentlich finanzielle Spielräume zur Finanzierung der Filmarchivierung eröffnen müsste, so bleibt es dennoch prinzipiell bei dem angesprochenen finanz-arithmetischen Missverhältnis.

Kuriose Einweihung

Und das bei einem Bauprojekt, das in der Bürgerschaft, wie ich meine zu Recht, ein gespaltenes Echo findet. Das Gebäude selbst ist im Gegensatz zur Meinung mancher Bürger in meinen Augen ein Missgriff und verströmt eher den spröden Charme einer Flughafen-Abfertigungshalle. Ein häuslebauwilliger Privatmann hätte mit einem solchen Glas-Betonklotz inmitten des Jugendstil-Ensembles im „Nabel“ Mannheims sicher größte Schwierigkeiten mit dem Amt für Denkmalschutz bekommen.

Und dass eine Uhr und ein Felsklotz, die motorgetrieben um das Haupt des viel zu früh eingeladenen Bundespräsidenten herumschwingen, ein Höhepunkt abendländischer Kunst sein soll, mag sich mir partout auch nicht erschließen. Kurioserweise erfolgte neulich die Einweihung eines fast leeren Museums.

Eintrittsgelder gehen verloren

Die um ein halbes Jahr verschobene eigentliche Öffnung für das zahlende Publikum dürfte – laut einer Weisheit aus dem Internet – einen Ausfall von etwa 100 000 Euro an Eintrittsgeldern zur Folge haben, justament der Betrag, der für die Rettung des Mannheimer Filmarchivs notwendig wäre: Ein Schelm, der Böses dabei denkt!? Ich ertappe mich dabei, dass ich der Grünfläche, die einst den Baugrund der neuen Kunsthalle bedeckte und einen Teil der grünen Lunge Mannheims darstellte, nostalgisch nachtrauere. (Gottfried Wolf, Philippsburg)