Leserbrief

Zum Thema Bundesgartenschau

Die Au ist eine Wüste

Eine Stadt, die nur auf ihre Defizite schaut, wird depressiv. Wenn wir jenen folgen, die auf die Schlaglöcher in den Straßen und die Zustände an den Schulen verweisen, könnte keine Stadt die Bundesgartenschau oder andere Großprojekte ausrichten; denn fast alle sind verschuldet. Das war schon immer so.

Es gibt aus verschiedenen Blickwinkeln immer etwas Besseres, was man mit dem Geld machen könnte. Die Buga-Investitionen werden eine Fülle weiterer Investitionen anregen. Die Buga-Arbeitsplätze werden weitere Arbeitsplätze schaffen. Von dieser Dynamik muss besonders der Mittelstand in der Kurpfalz profitieren. Davon wird die langfristige Legitimation der Buga abhängen. Die Bundesgartenschau von 1975 war das Projekt, das Mannheim am nachhaltigsten positiv verändert hat. Der Gewinn an Lebensqualität für viele Menschen lässt sich in Zahlen gar nicht ausdrücken.

Ich fahre seit Jahren regelmäßig mit dem Fahrrad durch die Au: konventionelle, monokulturelle Landwirtschaft. Keine ökologische Achtsamkeit, keine spielenden Kinder, keine Spaziergänger, keine Vögel und andere Tiere, keine Hummeln, Bienen und Schmetterlinge, keine Rede von einer lebendigen Flora und Fauna. Am Ostrand: Hunde, die Gassi, bzw. Feldi geführt werden. In meinem kleinen Garten in Wallstadt findet sich eine x-fach größere Artenvielfalt als in der Au.

Die Au ist eine Wüste zwischen dem Aubuckel und den wunderschönen Schrebergärten, die die Buga bereichern werden. Ich bin Steuerzahler in Mannheim. Das ist bei Professoren und Künstlern keine Selbstverständlichkeit. Und ich wünsche mir, dass von den Geldern, die nach Stuttgart, Berlin und Brüssel fließen, auch wieder etwas nach Mannheim und die Kurpfalz zurückfließt. Statistiken zeigen, dass ein Drittel der von Brüssel bereitgestellten Gelder nicht abgerufen wird.