Leserbrief

Die Corona-Krise beschäftigt weiter die Leser dieser Zeitung

Zum Thema Corona:

Es ist höchste Zeit, sich auch einmal bei unseren regierenden Politikern zu bedanken. Ihre verantwortungsvollen Entscheidungen in der Corona-Krise verdienen höchsten Respekt. Die ewigen Nörgler und Besserwisser sollten sich etwas zurücknehmen. Im Nachhinein wird sich sicher die ein oder andere Entscheidung als falsch herausstellen. Unter diesem großen Druck ist das aber normal. In anderen Ländern wird Deutschland als vorbildlich im Umgang mit der Pandemie angesehen. (Helmut Moser, Mannheim)

Ich bin es langsam leid, immer wieder zu hören, dass wir Älteren zur Risikogruppe gehören. Wann ist man denn alt? Ein 60-Jähriger kann fitter sein als jemand mit 50. Man kann doch nicht alles am Alter festlegen. Ich habe 48 Jahre als Krankenschwester gearbeitet und viele Patienten mit Infektionen gepflegt. Da hat niemand nach dem Alter gefragt. Jeder musste mit anpacken – ob alt oder jung.

Angeblich zu alt

Das wäre ja auch nicht möglich gewesen bei den vielen Infektionskrankheiten, die es gab. Ich hätte gerne in der heutigen Situation geholfen, aber leider bin ich mit 68 Jahren ja angeblich zu alt und unsere Erfahrung ist wohl auch nicht mehr von Interesse. Traurig, aber wahr. Leider! (Christa Weigand, Mannheim)

In der gegenwärtigen Situation müssen unsere politisch Verantwortlichen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens unter bisher ungekannten Rahmenbedingungen ergreifen. Das fordert Improvisation und Entscheidungen bei unsicherer Faktenlage. In dieser von Unsicherheit geprägten Zeit ist deshalb die Diskussion über das Für und Wider bestimmter Regelungen umso wichtiger.

Ein großer Themenkreis betrifft die Wiederaufnahme des Schulunterrichts und wie wir diesen verantwortlich gestalten. Es wird sicherlich noch eine ganze Weile dauern, bis dort eine gewisse Normalität eingekehrt ist und dabei nähert sich das reguläre Schuljahresende in Riesenschritten. In diesem Zusammenhang hat Herr Schäuble die Idee ins Spiel gebracht, die kommenden Sommerferien zu verkürzen. Ohne überhaupt den Vorschlag ernsthaft zu diskutieren, kam quasi reflexartig eine Absage aus allen Richtungen.

Dabei lassen sich viele gute Gründe für eine solche Maßnahme anführen: Für die meisten Schüler wird dieses Schuljahr ein verringertes Pensum mit sich bringen; bis der nun beschlossene Wiederbeginn des Unterrichts richtig Fahrt aufnehmen kann, wird das Schuljahr zu Ende sein. Für weiter geführte Klassen bedeutet das, dass Stoff im neuen Jahr nachgeholt werden muss, aber auch für Abschluss- oder Übertrittsklassen sind Defizite abzusehen. Eine Verlängerung des Schuljahres um zwei Wochen könnte hier noch Etliches ausbügeln, zumal ja auch die Sommerferien ganz gewiss anders verlaufen werden als gewohnt.

Urlaubsreisen sind storniert oder werden erst gar nicht geplant, angesichts des sicher weiterhin bestehenden Abstandsgebotes kann man sich massenhafte Aufenthalte in Schwimmbädern, Badeseen oder Stränden auch nur schwer vorstellen. Vielen fällt schon jetzt die Decke auf den Kopf, weil das Leben in häuslicher Umgebung anödet. Da könnte verlängerter Schulunterricht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Bleibt noch zu prüfen, ob es auch den Lehrkräften zuzumuten ist, auf einen Teil ihrer Ferien zu verzichten. Diese hatten in den vergangenen Wochen sicher keine leichte Aufgabe, Unterrichtsstoff so gut wie möglich über soziale Medien zu vermitteln, und es musste zu mancher zeitintensiven Improvisation gegriffen werden. Andererseits muss sich auch kein Lehrer mit Kurzarbeitsgeld oder dem drohenden Verlust seines Arbeitsplatzes auseinandersetzen.

Ich denke daher, Herr Schäubles Vorschlag ist eine sachliche Auseinandersetzung wert, die Zeit dafür ist noch nicht zu knapp, zumal sich erst herauskristallisieren muss, ob und wie der nun anlaufende Unterricht mit den Schutzmaßnahmen in Einklang zu bringen ist. (Werner Bertleff, Viernheim)

Unbestritten haben alle in den Medien genannten Berufe unseren allerhöchsten Respekt verdient. Allerdings fällt mir auf, dass hier eine wichtige Menschengruppe einfach vergessen wird: Nämlich die körperlich schwerstarbeitenden Bauarbeiter in Deutschland (rund 850 000), die als Zahnrädchen ebenfalls den Motor am Laufen halten. Bauarbeiter halten nicht nur in Krisenzeiten, sondern alltäglich die Infrastruktur in Deutschland am Leben.

Man stelle sich mal vor, es kommt kein Wasser mehr aus den Leitungen, kein Strom mehr aus der Steckdose, keine Heizung würde mehr Wärme ausstrahlen und der Super-GAU wäre, wohin mit den Fäkalien ohne Kanalisation. Noch schlimmer: Ohne Bauarbeiter gäbe es keine Häuser und Wohnungen, wir müssten immer noch in Höhlen leben, es gäbe keine Straßen und so weiter. Ein unvorstellbares Horrorszenario! Damit wäre die Infrastruktur in Deutschland am Boden. Deshalb mein Appell: Ein wenig Wertschätzung auch für die deutschen Bauarbeiter! (Hans-Jürgen Leidal, Mannheim)

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