Leserbrief

Leserbrief: Zum Bau der Unterführung in Lauda

Die finanzielle Situation hat sich geändert

Noch ein Szenario für Lauda-Königshofen im Jahre 2012 - ein Blick voraus:

Nach vielen Protesten und einer Zwangsenteignung ist die neue Bahnunterführung Lauda-Nord (im Volksmund: "Laudemer Loch") fertig gestellt. Kosten: 9,5 Millionen Euro. Kosten für die Stadt: 3,5 Millionen Euro (statt, wie 2009 geplant: 2,5 Millionen Euro). Vorläufige Bilanz: Eine starke Zunahme des Durchgangsverkehrs in Lauda. - Unfälle im Bereich Kugelgraben - Becksteiner Straße. - Anwohner beklagen eine zunehmende Lärmbelästigung. - Zur Verkehrsentlastung ist die Bahnhofstraße trotz heftiger Proteste der Anwohner und Geschäftsleute im Gespräch. - Bei stärkeren Regenfällen steht die neue Unterführung gelegentlich unter Wasser, weil die Pumpen die Wassermengen nicht schaffen und das Grundwasserniveau nur wenig tiefer liegt. - Leichte Verkehrsentlastung für die Bundestrasse 290 in Königshofen, daher wird der geplante Bau der dortigen Umgehungsstraße trotz Protesten aus Königshofen weiter zurückgestellt. - Schuldenstand der Stadt: 27 Millionen Euro; bei zurückgehenden Einnahmen aus Steuern und Umlagen zahlen die Bürger der Stadt für Zinsen und Tilgung jährlich 2,5 Millionen Euro. - Aufgrund der hohen Verschuldung ist kaum noch Geld für Investitionen in Schulen, Kindergärten, dringende Renovierung von Straßen und Gehwegen in den Ortsteilen vorhanden. - Der Gemeinderat beschließt eine drastische Erhöhung von Grund- und Gewerbesteuer (wie Ende 2008 bei der Haushaltsverabschiedung von der Stadtverwaltung bereits angekündigt).

Möglicherweise ist dieses Szenario etwas zu pessimistisch. Aber auch wer kein ausgesprochener Gegner des Tunnelprojekts ist, sollte sich überlegen, warum wir mit unseren Steuergeldern den Durchgangs- und Schwerlastverkehr in den Stadtteil Lauda hineinziehen sollen, während die meisten Städte mittlerweile froh sind, wenn sie ihn wieder los werden.

Ich selbst hatte zu diesem Projekt noch vor einigen Jahren keine grundsätzlich ablehnende Haltung. Damals war der Gemeinderat überwiegend der Meinung, dass nach nunmehr 30 Jahren Vorplanung die Unterführung endlich durchgezogen werden müsse. Heute muss festgestellt werden, dass sich die finanzielle Situation der Stadt grundlegend geändert hat und den Bürgern aller Stadtteile klar sein muss, dass ein weiterer Bahntunnel in Lauda nicht ohne zusätzliche finanzielle Belastung der Bürger aller Stadtteile zu haben ist und in den kommenden Jahren durch Steuererhöhungen (zum Beispiel bei der Grund- und Gewerbesteuer) finanziert werden muss. Es bleibt zu wünschen, dass alle Verantwortlichen sich noch einmal eingehend überlegen, ob wir die Steuern unserer Mitbürger nicht besser für wichtigere Projekte ausgeben. Dies wäre auch nicht die erste Planung, die der Stadtrat gestoppt hätte!