Leserbrief

Leser-Brief

Die Meisten sind ratlos und verwirrt

Zum Artikel „Ändern sich Werte, ändert sich Sprache“ und zum Kommentar „Es ist auch Männersache“ vom 27. November:

Ihre Zeitung bringt am 27. November gleich drei Beiträge zum Thema „Deutsche Sprache“. Sie sind alle interessant. Ich will hier eine Anmerkung zu dem mit Frau Professor Müller-Spitzer geführten Interview machen. Sie argumentiert sachlich und wiederholt nicht, was – in unzutreffender Weise – oft gesagt wird, nämlich, dass jeder, der die sogenannte gendergerechte Sprache nicht verwendet, Frauen diskriminiert.

Diskriminierungen muss man mit anderen Mitteln begegnen, und die Frauenbewegung und die Politiker haben mit diesen schon sehr viel Gutes erreicht. Meine Anmerkung geht dahin, dass ja eine Sprache erlernt werden muss. Und wenn es um die Muttersprache geht, dann müssen Eltern und Lehrer erklären, was richtig ist. Man kann wohl im Kindergarten und in der Grundschule nicht mit „Gendern“ anfangen. Die Kinder werden die deutsche Grammatik nicht erlernen, wenn man ihnen von Anfang an beibringen will, dass es auch ein biologisches Geschlecht gibt.

Es gibt nur eine Sprache

Männlich weiblich, sachlich und biologisch, wäre die nahe liegende Frage. Wollen die Genderer den gesamten Sprachunterricht vom Kindergarten und der ersten Schulstufe an durcheinanderbringen? Das würde die Eltern, Erzieher und die Kinder/Schüler überfordern. Will man ihnen denn allen Ernstes zumuten, dass sie alle die Unterschiede zwischen einer ordentlichen Grammatik mit richtiger Deklination und den Genderformen begreifen? Ein paar Intellektuelle unter den Eltern und Erziehern werden ihnen vielleicht erklären können, dass sie das für nötig halten, um Geschlechtergerechtigkeit zu erzielen. Aber die meisten werden ratlos und verwirrt sein. Und sie sind die große Mehrheit.

Ist Gendern also nur etwas für Erwachsene? Jugendliche gehören aber auch zu den Lesern von Texten mit Binnen-I und Binnen-*. Sie stellen dann auch Fragen. Und wer kann die richtig beantworten? Muss es nicht, neben einer gendergerechten Sprache, auch eine kindergerechte geben, eine altengerechte, eine migrantengerechte, eine dem Autismus und der Dyslexie gerecht werdende? Es gibt nur eine Sprache. (von Roland Bardy, Mannheim)

Dann wird wenigstens Ihre Zeitung wieder etwas dicker, wenn all die Redakteure und Redakteurinnen, an die Leser und Leserinnen, über die Politik der Politiker und Politikerinnen, oder die Darbietungen der Künstler und Künstlerinnen schreiben. Nicht zu vergessen, die Berichte über Sportlerinnen und Sportler, oder den Verbrechen von Mörderinnen und Mördern.

Straßenbauarbeiterinnen und Straßenbauarbeiter pflegen im Auftrag der Bürger und Bürgerinnen-Meister*in unsere Straßen, und wenn wir dann keine weiteren Probleme mehr haben, können wir darüber diskutieren, warum die Sonne weiblich ist und der Mond männlich – oder welches Geschlecht der oder das Coronavirus hat.

Lothar Hässler, Weinheim

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/36qMxe9 https://bit.ly/3fX8uo0