Leserbrief

Leserbrief Zu "Lage in Idomeni ist zum Heulen" (FN, 26. März)

"Die Realität sieht doch anders aus"

Zu Ostern brachten die Fränkischen Nachrichten auf Seite zwei ein ganzseitiges Gespräch des Redaktionsmitglieds Walter Serif mit Landesbischof Professor Dr. Cornelius-Bundschuh. Es ging um die Flüchtlingsproblematik. Der Bischof hatte sich gegen die Vereinbarung mit der Türkei ausgesprochen.

Wie immer, wenn es um die Politik geht und Bischöfe dazu ihre Meinung sagen, erkennen sie die Dimension der Krise, aber sehen nicht die Zwänge der Politik. Von einer Obergrenze bei Flüchtlingen wollte der hochwürdige Herr Bischof nichts wissen. Barmherzigkeit kennt keine Grenzen. Wie so oft in der Zeitung, verglich auch er die Flüchtlingsproblematik mit der Vertreibung der Menschen aus den Ostgebieten. Er meinte, dass auch der Islam eine Bereicherung unserer Gesellschaft sei und alles in zehn oder 15 Jahren geregelt werden könne. Nur einen Tag später verübten die Taliban in Pakistan einen Anschlag auf eine Osterfeier von Christen.

Der Bischof hätte mindestens wissen müssen, dass in vielen islamischen Staaten auf Konversion zum Christentum die Todesstrafe steht und dass etwa in Nigeria seit dem Jahr 2000 tausende Christen ermordet und Kirchen zerstört wurden. Das ist der Unterschied zu der Situation nach der Vertreibung aus den Ostgebieten.

Vielleicht hat Horst Seehofer - für den der Bischof beten will - das Problem doch besser erkannt. Vielleicht haben die AfD-Wähler, mit denen der Bischof sprechen will, mehr Ahnung von praktischer Politik als der Bischof, der wenig an der Basis einer Gemeinde und mehr am Schreibtisch gearbeitet hat.

Nicht alle Bischöfe denken so wie Dr. Cornelius-Bundschuh. Der Erzbischof von Prag, Kardinal Duka, erklärte Ende Dezember: "Mitgefühl ohne vernünftiges Verhalten führt in die Hölle."

Eine Flüchtlingswelle ohne Kontrolle in den dazu verpflichteten Staaten helfe den Flüchtlingen nicht. Hinsichtlich des Zusammenlebens verschiedener Religionen äußerte der Erzbischof Duka Skepsis.

Die Realität sieht meiner Meinung nach doch anders aus als Bischof Cornelius-Bundschuh sich das gedacht hat.