Leserbrief

Die Tat von Kandel erschüttert die Leser

Zum Kommentar „Unendliches Leid“ vom 29. Dezember:

Selbst Vater von zwei Kindern gilt den Eltern, Angehörigen und Freunden des nur 15 Jahre alt gewordenen Mädchens in Kandel mein tiefstes Mitgefühl. Bewahren Sie die schönen Erinnerungen, darin lebt sie weiter. Der Kommentar von Simone Jakob zu dem brutalen Mord in einem Drogeriemarkt in Kandel wird dem Andenken an das getötete Mädchen und der Trauer ihrer Angehörigen und Freunde nicht gerecht und zeugt von unglaublicher Gefühllosigkeit der Autorin.

Die Überschrift „Unendliches Leid“ sowie die einleitenden, vermeintlich mitfühlenden Worte wirken nach vollständiger Lektüre des Kommentars aufgesetzt. Es hat den Anschein, als ob Frau Jakob die Trauer über den Mord pro forma vorangestellt hat, weil es sich halt so gehört. Schnell – zu schnell – geht der Kommentar über das unendliche Leid der Betroffenen und die Sorgen und Ängste der Bürgerinnen und Bürger in diesem Land hinweg.

Die Kommentatorin möchte offenbar jegliche Diskussion über eine politische Aufarbeitung im Keim ersticken. Sie echauffiert sich über die vorpreschende AfD (nein ich bin kein AfD-Wähler) und ignoriert völlig die schweigende Mehrheit, die von der Politik zurecht erwartet, dass solche Fälle bis ins letzte Detail aufgeklärt werden und öffentlich gemacht wird, sollte ein Versagen von Behörden oder Politikern vorliegen.

Das Mindeste, was die Bevölkerung erwartet, sind Erkenntnisse, die zu Maßnahmen führen, mit denen künftig im Vorfeld Gefahren erkannt und weitgehend abgewendet werden können. Frau Jakob richtet ihr Augenmerk sodann auf ihr weiteres Ansinnen, nämlich eine Generalamnestie für alle Männer, die vom islamischen Kulturkreis geprägt sind, insbesondere aus Afghanistan. Als hinkendes Beispiel führt sie den besonderen Respekt an, den afghanische Jugendliche und Männer angeblich der Mutter als Familienoberhaupt entgegenbringen. Damit outet Frau Jakob sich selbst als immanent frauenfeindlich, denn im Umkehrschluss könnte der geneigte Leser ableiten: Alle Frauen, die keine (verschleierte) Mutterfigur abgeben müssten damit leben, von Männern nicht respektiert zu werden.

Weiter führt Frau Jakob aus, das Ende einer Liebesbeziehung sei für junge Männer – ganz gleich welcher Herkunft – derart traumatisch, dass bei einigen sozusagen zwangsläufig mit Aggression (in diesem Fall Mord) zu rechnen sei. Diese Aussage könnte so ausgelegt werden: „Mädchen und Frauen überall im Land, seht euch vor, wenn ihr Schluss macht, denn sonst seid ihr selbst schuld, wenn euch ein derart abgewiesener Junge/Mann (egal welcher Herkunft) ermordet!“

Im weiteren Text bemüht sich Frau Jakob, jegliches Versagen von Behördenseite im Vorfeld – keine 48 Stunden nach den tödlichen Stichen – bereits auszuschließen. Es drängt sich der Eindruck auf, Frau Jakob befürchtet eine Verschärfung der Strafverfolgung beziehungsweise der Gesetzesauslegung. Es klingt wie eine Verhöhnung der trauernden Eltern, die den späteren Täter vor dem Mord mehrfach angezeigt hatten, wenn Frau Jakob auf die Gefährderansprache hinweist, die ja in den meisten Fällen als Warnung gegen weitere kriminelle Handlungen von Straftätern ausreiche und niemand könne sagen, wie sich ein Mensch verhalten würde.

Frau Jakob – in welcher Welt leben Sie denn? Als ob ein krimineller Jugendlicher (egal welcher Herkunft) durch ein einziges Gespräch auf den rechten Pfad gebracht werden könnte. Es sei in diesem Zusammenhang auf die um sich greifende Respektlosigkeit gegenüber Polizisten und anderen Staatsdienern verwiesen. Frau Jakob geniert sich nicht, zum Abschluss ihres Kommentars noch einen haarsträubend naiven Klassiker draufzusetzen: „Doch Vorverurteilungen lindern das Leid der Familie nicht. Sie säen nur Hass.“

Sehr geehrte Frau Jakob, Vorentschuldigungen lindern das Leid der Familie ebenfalls nicht! So ein multikulturell weichgespülter, politisch korrekter Kommentar verursacht inzwischen bei mir und auch der Mehrheit in diesem Land (egal welcher Herkunft) ebenfalls Hass! Werden Sie sich Ihrer Verantwortung als Journalistin bewusst und überlegen Sie, was Ihre Worte bei den Lesern auslösen können. Vermutlich haben Sie keine Kinder, aber vielleicht stellen Sie sich zunächst einfach mal vor, ihre 15-jährige Tochter, die noch ein ganzes Leben vor sich hatte und vielleicht eine gute Journalistin und Mutter geworden wäre, wäre am helllichten Tag in aller Öffentlichkeit ermordet worden. Vielleicht ersparen Sie uns dann künftig solche unseligen Kommentare. (Dirk Eiermann, Mannheim)

Die sich stetig wiederholenden Beschwichtigungsappelle nach solchen Taten kann ich nicht mehr hören. Es ist vielmehr schockierend, dass es keinerlei Hemmschwelle und eine hohe Gewaltbereitschaft gibt (sei es beim Mord in Freiburg, in Kandel oder sonst wo). Wir sprechen hier von einem 15-Jährigen, der mehrfach auf ein Mädchen eingestochen hat – unglaublich.

Wer glaubt denn ernsthaft, dass sich so jemand von Gefährderansprachen beeindrucken lässt. Lächerlich! Hier besteht doch grundsätzlich kein Respekt gegenüber der Polizei und unserem Staat. Und: Ja es war (wieder) ein Flüchtling. Und nein: Ich bin nicht rechtsradikal. Aber es kann nicht sein, dass man zwischenzeitlich Angst haben muss, wenn man sich im öffentlichen Raum bewegt oder die Tochter in der Stadt unterwegs ist.

Da solche Taten zunehmen und den Menschen leider nicht auf der Stirn geschrieben steht, hat man eben „pauschal“ Angst und zunächst auch Vorurteile. Und so geht es vielen Bürgerinnen und Bürgern. Aber es ist ja ein Leichtes, dann mit der „rechten Ecke“ zu winken. Nein, ich erwarte von unserem Staat, dass er seine Bürgerinnen und Bürger schützt, sich nicht von Personen – egal aus welchem Teil der Welt – die den Namen Asylanten oder Flüchtling nicht verdient haben, auf der Nase herumtanzen lässt. Es reicht! (Gudrun Diefenbach, Mannheim)

Beim Lesen dieses Kommentars kann man nur noch sprachlos den Kopf schütteln. In Afghanistan werden die Frauen von den Männern hoch geschätzt, aber doch nur dann, wenn sie auch gehorchen. Ansonsten drohen ihnen Gewalt und nicht selten, wie in dem Fall des Mädchens in Kandel, der Tod. Das kann man doch nicht einfach mal so nonchalant wegdiskutieren.

Hass und Verallgemeinerung sind der absolut falsche Weg, um das Übel dieser gewaltbereiten jungen Männer zu bekämpfen, aber solche Kommentare machen nur wütend und helfen nicht weiter. (Jürgen Schmitt, Mannheim)

Wissen Sie, liebe Frau Jakob, was unendliches Leid bedeutet? Wissen Sie, wie man sich als Eltern fühlen muss, wenn man ein Kind durch einen brutalen Eingriff verliert? Mit Sicherheit nicht, denn sonst hätten Sie diesen unsensiblen Kommentar nicht abgegeben. Sich auf theoretische Aussagen zu berufen, dass junge Afghanen Frauen große Wertschätzungen entgegenbringen, kann ich in der Praxis nicht bestätigen. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass Frauen absolut keinen Status haben, wenn sie noch nicht verheiratet sind.

Mädchen werden in den Familien misshandelt und missbraucht. Sie dürfen dies nicht öffentlich machen, sonst werden sie in der afghanischen Gesellschaft verachtet, als Lügnerinnen dargestellt oder umgebracht. Und jetzt kommen Sie! Dieser junge Mann wusste genau, was er tat, er wurde im Vorfeld, laut Presseberichten und Ihres Kommentars, von den Eltern des Mädchens wegen Bedrohungen angezeigt. Würden die Behörden in diesen Fällen konsequenter durchgreifen, Straftäter, die nicht aus Deutschland sind, in die entsprechende Länder zurückschicken, könnten diese Taten vielleicht verhindert werden. Dieses Ereignis hat mich zutiefst bewegt und mein Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden des Opfers. (Katharina Waha, Lorsch)

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2CtCV40 

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