Leserbrief

Dieseldebatte erregt die Gemüter

Zum Debattenbeitrag "Ist der Diesel noch zu retten, Herr Dudenhöffer?" vom 29. Juli:

Vor vielen Jahren hat VW den Diesel quasi neu erfunden. Diese Tatsache steigerte enorm den Absatz, nicht nur bei VW. Kritisch gesehen wurden dabei vor allem die bei der Verbrennung entstehenden Rußpartikel. Nach meinem Kenntnisstand hat man dieses Problem bei neueren Dieselmotoren im Griff. Leider ist nun dieser Motortyp durch geschönte Abgaswerte, übrigens auch bei Benzinern, in Ungnade gefallen.

Ich kann mich nicht entsinnen, dass der Experte Dudenhöffer in früheren Jahren vor Diesel-Pkw gewarnt und vom Kauf dringend abgeraten hätte. Jetzt wo alle schlauer sind, verteufelt ein Experte einseitig die Politik, beschimpft die Dieselfahrer und lässt Lkw und Busse außen vor. Ich bin überzeugt, dass technische Lösungen den Diesel retten können und er noch viele Jahre umweltfreundlich seinen Dienst tut. Ob Herr Dudenhöffer noch zu retten ist, da habe ich meine Zweifel!

Der Artikel von Dudenhöffer ist für einen Lehrstuhlinhaber, der Drittmittel einwerben muss, sehr mutig. Er kann nur hoffen, dass es nach der Wahl nicht zu einer schwarz-gelben Koalition kommt. Lob für Ihre Zeitung, dass sie dazu eine Plattform bietet. Andere "Aufklärer" wie "Der Spiegel" lenken wie bei der Finanzkrise, dem Atomausstieg oder dem Flüchtlingsdeal geschickt von der Hauptakteurin ab. Ist halt Wahlkampf und sie wollen auch leben.

Beim Lesen dieses Artikels wurde mir wieder bewusst, dass es in unserer Gesellschaft Gruppen, Organisationen und auch Personen gibt, denen es um das Erringen und Bestehen auf einer wie auch immer gearteten Deutungshoheit geht. In diesem "Glaubenskrieg" Diesel gegen Benziner beziehungsweise Diesel gegen Gesundheit akzeptiert man dann auch quasipäpstliche Aussagen, denen meines Erachtens der perspektivische Tiefgang fehlt. Was mich wundert, ist die Tatsache, dass nahezu ausnahmsweise Dieselgegner zu Wort kommen. Expertenrat wird ignoriert und wenn man Pressekommentare verfolgt, stellt man fest, dass das immer wieder Gleiche multipliziert wird.

Wenn der Diesel "sturmreif" geschossen sein wird, wird man sich mittels der "falschen" Messmethoden (Dudenhöffer) den Benziner vornehmen und feststellen, dass auch er nicht zu den "Guten" zu rechnen ist. Ich hätte mir gewünscht, dass der Herr Professor näher auf den Stickoxidgrenzwert eingegangen wäre, um die Thematik etwas zu versachlichen und auch zu relativieren. Davon abgesehen, dass keine Erwähnung fand, wie und unter welchen Umständen der Grenzwert von 40 Mikrogramm Nox/m³ (im Freien) zustande kam, wäre es interessant gewesen, wenn Dudenhöffer auf die MAK-Liste verwiesen hätte. Diese Liste gibt vor, wie hoch die maximale Arbeitsplatzkonzentration von Stäuben, Gasen in geschlossenen Räumen, acht Stunden am Tage und fünf Tage in der Woche, also 40 Stunden, sein darf (per Gesetz oder Verordnung vorgeschrieben für Arbeitsstätten jeglicher Art). Und siehe da, aus dieser Liste geht hervor, dass eine Zulässigkeit bis 950 Mikrogramm Nox/m³ zulässig ist (nachzulesen in der MAK+BAT-Werteliste der Deutschen Forschungsgemeinschaft)!

Vielleicht kommt der Eine oder Andere durch diesen Wert zu einer anderen Bewertung der gegenwärtigen Dieselhysterie, die ja ausgelöst wurde durch den VW-Skandal in den USA und der angedrohten Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Stuttgart, wo am Neckartor der oben genannte Grenzwert permanent überschritten wird.

Keine Frage, die Trickserei, Betrügerei und das Vertuschen war und ist ein Eigentor der Autoindustrie, aber eigentlich nichts Besonderes, weil symptomatisch für unsere Gesellschaft (Hoeneß, Ronaldo...). Sie hatten halt Pech, dass sie sich haben erwischen lassen. Wenn Dudenhöffer Mut und Ehrlichkeit anmahnt, dann sollte er auch den "Hype" demaskieren, der um die sogenannte Elektromobilität gemacht wird. Glauben zu machen, als sei dies das "Ei des Kolumbus" fällt in das gerade oben Gesagte.

Der Strom kommt eben nicht nur aus der Steckdose, sondern auch er hat einen Vorlauf und in diesem Zusammenhang ausgerechnet auf China zu verweisen, das ist schon ein starkes Stück. Ein Land als Vorbild zu bezeichnen, das durch das Verfeuern fossiler Energieträger zu den größten Umweltsündern zählt, ist geradezu grotesk. Von der Ökobilanz bezüglich der Batterieherstellung zu sprechen erübrigt sich, geschweige denn über den Aufbau einer komplett neuen E-Infrastruktur.

Andere Denkrichtung

Das Volk will ja auch in Urlaub fahren, vielleicht nach Italien über den Großglockner oder nach Frankreich über die Seealpen. Da ist die Normierung der Ladestecker innerhalb Europas das wohl geringste Problem. Ein Land, in dem der Bau eines Flughafens bisher nahezu ein Jahrzehnt gedauert hat und nach wie vor nicht absehbar ist, wann er in Betrieb gehen wird, ein Land, das bisher keine Internetbreitbandverbindungen zustande brachte, müsste sich auf Jahrzehnte einstellen, wenn das Wirklichkeit werden soll, was jetzt so hochgejubelt wird.

Besser noch wäre, eine andere Denkrichtung einzuschlagen. So wie jetzt angedacht, halte ich die E-Technologie für den Massenverkehr für eine Fiktion. Für regional operierende Unternehmen wie DHL oder kommunal betriebene Fahrzeuge sicher ideal. Diese kehren nach Beendigung ihrer Aufträge wieder zu ihren Dockingstationen zurück und können über Nacht aufgeladen werden. Wer aber den ruhenden Verkehr der Stadt betrachtet, ob bei Tag oder Nacht, wird bezüglich der E-Mobilität auf andere Gedanken kommen.

Übrigens werden viele alte "Hüte" dem Volk als große Neuerungen verkauft. Ich erinnere mich noch an die frühen 1950er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, in der der regionale Paketverkehr der seinerzeitigen Bundespost mit elektrisch betriebenen Lkw abgewickelt wurde. Auch gab es zu dieser Zeit den von Opel hergestellten Klein-Lkw "Blitz". Dieser hatte in einer besonderen Ausführung unten eine am Fahrgestell aufgehängte Gasflasche, wie sie heute von den Hähnchenbrätern verwendet wird. Das Fahrzeug fuhr mit Propangas.

In diesem Zusammenhang ist es auch interessant zu wissen, dass die Stadt Mannheim vor einigen Jahren ihre kommunale Gastankstelle auf dem Lutzenberg geschlossenen hat. Die Gasmotorentechnologie war bisher kein ernstzunehmender Faktor. Sie führte bisher ein Schattendasein, obwohl sie in Bezug auf Umweltverträglichkeit durchaus mit den beiden anderen Verbrennungsverfahren vorteilhaft konkurrieren kann. Auch die Gastankstelleninfrastruktur ist mehr oder weniger vorhanden. Es wird wohl an der Autoindustrie liegen, wieder offensiv zu werden und alternative Antriebstechnologien zu entwickeln oder weiterzuentwickeln - Deutschland soll ja führend in der Brennstoffzellentechnik sein, allerdings bei U-Boot-Antrieben.

Der Automobilexperte Professor Dudenhöffer spricht Klartext in seinem Gastbeitrag. Der Referent beschreibt sachlich und klar, warum Politik und Automobilindustrie mit ihrem Festhalten an den Dieselmotor in eine falsche Richtung steuern. Die politisch Verantwortlichen reden uns gebetsmühlenartig ein, dass der Dieselmotor zum Erreichen der Klimaziele unentbehrlich sei. Zudem würde bei einem Dieselverbot eine große Zahl von Arbeitsplätzen verloren gehen. Dudenhöffer versucht uns die Augen zu öffnen und weist auf die mangelnde Akzeptanz von Diesel-Autos in China und USA hin, nur in einigen Staaten rund um Deutschland seien Pkw mit Dieselmotor noch gefragt.

In China werden im kommenden Jahr acht Prozent aller Neuwagen Elektroantrieb haben. Und in Deutschland, dem Land der Automobilerfinder? Werden wir mit dem Festhalten am Diesel automobiles Schlusslicht werden? Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Wenn Deutschlands Autoindustrie nicht Schlusslicht werden soll, dann müssen diese Wege beschritten werden:

- Einhaltung der Euro-6-Kriterien bei ausgelieferten und künftigen Pkw mit Dieselantrieb.

- Automobile Zukunft mit Elektroantrieb.

Politik und Automobilindustrie müssen klar bekennen, ob zunächst nur die "kleine Lösung" mit Elektro-Pkw angestrebt werden soll. Auch dieser Schritt ist riesengroß. Denn es muss ein totales Umdenken vor allem bei den Verbrauchern stattfinden. Daneben es ist dringend erforderlich, auch eine entsprechende Infrastruktur mit einer ausreichenden Stromversorgung zu schaffen.

Hausaufgaben machen

Auch müssen die Fahrzeugbesitzer wissen, ob im europäischen und außereuropäischen Ausland adäquate Verhältnisse mit genormten Anschlüssen und Stromspannungen (Wechselstrom 230 V, 50 Hz) gegeben sind. Denn auch Pkw-Fahrer müssen sich darauf verlassen können, dass sie genügend "Tankstellen" vorfinden, zumal die Reichweiten ihrer Fahrzeuge begrenzt sind.

Nun aber muss die Politik ihre Hausaufgaben machen, nicht aber parteipolitischen Gesichtspunkten folgen. Dieses notwendige Umsteuern zur Elektromobilität ist wahrlich kein Thema für den Bundestagswahlkampf. Jetzt geht es darum, im Hinblick auf die Gesundheitsgefährdung (Stickoxid, Feinstaub) die Risiken für die Bevölkerung deutlich zu reduzieren. Für mehr Lebensqualität! Für Fahrverbote - sie sind ein untaugliches Instrument, den Ursachen der Luftverschmutzung wirksam zu begegnen - und Wahlversprechen ist jetzt keine Zeit, es muss jetzt gehandelt werden! Aber bitte nicht nach dem Motto: "Wer sich zuerst bewegt, hat verloren" Johann Kose, Ladenburg