Leserbrief

Dringender Handlungsbedarf

Zum Artikel „Schüler und Senioren zahlen mehr“ vom 13. Dezember:

Mannheim ist ab dem 1. Januar 2019 für zwei Jahre Modellstadt des Bundes im öffentlichen Personennahverkehr mit einem Finanzvolumen von 47 Millionen Euro. Und die RNV haben nichts Besseres zu tun, als den Jahreskarteninhabern (zum Beispiel Jobticket, Seniorenticket, Rhein Neckar Ticket) zu diesem selben Termin die Preise zu erhöhen.

Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die zum Teil seit vielen Jahren für die Sauberkeit der Luft in der Stadt durch die Nutzung des ÖPNV ihren Beitrag leisten. Ist das ein Versehen, oder was treibt die RNV hierbei an? Der Gedanke, dass man diese Kunden ja sowieso schon in der Tasche hat und die geplanten lukrativen Angebote nur an potenzielle Neukunden gerichtet sind? Wenn dem so ist, dann ist das ein gefährlicher Trugschluss: Viele tägliche Nutzer zum Beispiel der S-Bahnen sind, wie ich aus zahlreichen Gesprächen weiß, kurz davor, wieder auf das Auto umzusteigen.

Zahllose Verspätungen aufgrund von vielen Baustellen und Schienenersatzverkehr auf immer mehr Strecken machen die Nutzung für Pendler (und damit Jahres-/Monatskarteninhaber) immer unzumutbarer. Angesichts der Zumutungen, denen die Abonnenten im Jahr 2018 ausgesetzt waren, ist eine Preiserhöhung zum 1. Januar 2019 sowieso schon eine fragwürdige Entscheidung, angesichts der vielen Millionen, die im Rahmen des Modellprojekts fließen, ist sie eine Frechheit. Was unternimmt die Stadt, was sagt die Politik angesichts dieser Vorgehensweise? Ist das Ziel sauberer Luft in der Stadt durch die verstärkte Nutzung des ÖPNV ernst gemeint? Dann besteht dringender Handlungsbedarf; ein erster Schritt wäre die Zurücknahme der Preiserhöhungen für Jahreskartenabonnements. Von Stephanie Wolf, Mannheim

Wieso gerade jetzt die Preiserhöhung? Das Ungleichgewicht zwischen dem geförderten und verbilligten Einzelfahrschein und den jetzt preiserhöhten Zeitkarten ist nicht hinnehmbar. Laut „MM“ kostet ein Schülerticket dann jährlich mehr als 530 Euro. Ist das sozial ausgewogen, wenn Eltern ihre Kinder auf weiterführende Schulen schicken und dann auf den ÖPNV angewiesen sind? Alternativ bleibt dann wieder das Auto mit dem hinlänglich bekannten Verkehrschaos vor den Schulen. Vorbildcharakter für die Kinder hat das nicht.

Haben die Verantwortlichen sich einmal Gedanken gemacht, was es für eine Familie mit mehreren Fahrschülern bedeutet? Schnell kommt dann ein Jahresbetrag zusammen, der das Nettogehalt eines mittleren Monatseinkommens auffrisst. Preiserhöhungen sind nicht angebracht. Schon gar nicht für Schüler und Rentner, Personen mit keinem oder kleinem Einkommen. Im Gegenteil, sie schaden der gewünschten Mobilitätswende. Es ist Zeit über einen verbilligten ÖPNV nachzudenken. Walter Bremm, Mannheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2rJAIug

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