Leserbrief

Zum Thema Kunsthalle

Drohende Bausünde

Über Ihre abfällige Unterstellung, Frau Dr. Köbernick in Ihrem Leserbrief vom 14. Mai, (Zitat: "Die Diskussion um den Neubau...scheint mir doch auf der Seite der Gegner arg von frustrierten, saturierten Rentnern und allen, zu kurz gekommenen Architekten dominiert zu sein..."), kann man sich - in Mannheim speziell unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz - auch öffentlich besonders empören!

Hier geht es aber nicht um das Alter, den Beruf und den Status der Initiatoren der aktuellen, aktiven Bürgerinitiative, sondern um ein Verfahren, bei dem noch einiges nachzuholen ist.

Während der Planer und die Stiftung krampfhaft nach einer Lösung für die Hülle suchen, denken die Bürger, die Sie sich erlauben, "arg" zu unterschätzen, über mögliche Alternativen zu einer drohenden Bausünde am Jugendstil-Ensemble nach. Sie unterschätzen aber auch die Bürger Nürnbergs, wenn Sie schreiben: "Hätte man die Nürnberger Bürger vorher befragt, hätten sie bestimmt das Projekt abgelehnt. Jetzt sind sie stolz darauf". Während der Wettbewerbs- und Auswahlphase für eine neue Kunsthalle haben die Mannheimer gehofft, sich auf die vielen Experten verlassen zu können.

Unfertiges Projekt

Wir würden auch gerne stolz darauf sein können, das Ergebnis ist jedoch frustrierend, eben eine "Missgeburt" für den Friedrichsplatz, um bei Ihren Worten zu bleiben. Zudem akzeptieren wir überhaupt nicht die Hast und die Art, wie ein unfertiges unpassendes Projekt als Sieger und Vorzeigeobjekt dargestellt wird. Die Bürgerinitiative erwartet Maß- und Facharbeit aus einem Guss, für einen Standort, der vor über 100 Jahren als einheitlicher Platz, nicht als Stückwerk entworfen wurde. Ihr Vergleich mit Nürnberg ist insofern hilfreich, als man bei der Betrachtung der wichtigsten Gesichtspunkte bemängeln muss, dass der Charakter der Mannheimer Sammlung und die besondere Umgebung mit dem gmp-Entwurf fast nichts gemeinsam haben. So systematisch und ausführlich im Mannheimer Morgen über die Entwürfe berichtet wurde, so undurchschaubar ist das Resultat und die Begründung aus Sicht der Bürger, trotz der vielen Info-Veranstaltungen und der Mattglanz-Prospekte, oder gerade wegen der vielen einseitigen Foren.

Da "niemand beabsichtigt", einen Neubau nur für die nächsten 20 Jahre zu erstellen, würde es sich bestimmt lohnen, zumindest die fünf Anerkennungs-Preise erneut und offen unter die Lupe zu nehmen. Es gibt genug zu tun, nicht nur für Rentner und für Architekten (siehe Internetseite der "Bürgerinitiative Kunsthalle Mannheim").

Fragen drängen sich immer wieder auf, zum Beispiel: Wie könnte derjenige Entwurf überarbeitet werden, der sich von allen 29 eingereichten Plänen am besten in den Jugendstilplatz am Wasserturm einfügt? Sollte kaum einer gefunden werden, könnte daraus geschlossen werden, dass es auch am Wettbewerbs-Ausschreibungstext liegt.

Da Ihre Kinder Museumsfans sind, hoffe ich, dass nicht nur Sie beim geplanten Sommerferien-Projekt für Kinder die angebotenen Themen mit der nötigen Sorgfalt, kritisch und pädagogisch auf neuestem Stand betrachten. Beispiele: "Kann man aus Nutella ein Kunstwerk herstellen?" (wenn es Thomas Rentmeister kann, wohl ja...), "Und was macht der zerbrochene Rasenmäher-Roboter in der Ecke?" (Roman Signer und das neue größere Loch in einer Betondecke des Mitzlaff-Baus)."