Leserbrief

Durchgangsverkehr in Mannheim polarisiert

Zum Artikel „City ohne Durchgangsverkehr – Parteien tragen Versuch mit“ vom 13. Oktober:

Alles hat seine Zeit! Endlich scheint es einen breiten Konsens für eine verkehrsberuhigte Innenstadt zu geben. Bereits Anfang der 1990er Jahre wurde darüber im Gemeinderat diskutiert. Damals gab es jedoch große Widerstände, insbesondere von IHK und Handel.

Die SPD-Innenstadt hatte bereits 1992 die Unterbrechung der Zufahrt in die Mannheimer Kunststraße gefordert, um den Durchgangsverkehr herauszuhalten. Es wurde ein Verkehrskonzept erarbeitet, welches die Zufahrt in alle Parkhäuser ermöglichte und natürlich auch für alle Anwohner.

Diese aktuelle Entscheidung ist also mehr als überfällig, um die Wohn- und Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu verbessern. Ich hoffe nun, dass der erneute Versuch diesmal positiv abgeschlossen wird. (von Karin Steffan, Mannheim)

Nun ist es also beschlossene Sache: Unsere Quadratestadt wird für den Durchgangsverkehr abgeriegelt. Wir kommen also der Zielvorstellung unserer rot-rot-grünen Stadtverwaltung näher, in Zukunft über Streuobstwiesen durch die City zu bummeln und nach dem Niedergang des lokalen Einzelhandels die vielzitierte „Erlebniswelt“ in der Innenstadt in Form einer Aneinanderreihung von Handyshops, Ein-Euro-Läden und Shishabars zu „genießen“, wobei im Idealfall ganz im Sinne von MM-Redakteur Langscheid das Publikum vorwiegend mit dem Cargobike anreist.

Die Sperrung soll allerdings auf ein Jahr befristet werden. Dann wolle man sehen, inwieweit es beispielsweise am Ring zu „Überlastungen“ kommt, wobei offenbleibt, was für die Herren Fontagnier und Co. als Überlastung zählt: eine Wartezeit von ein oder zwei Stunden vor der Ampel?

Gleichwohl will man sich eine Hintertür offenhalten: Sollte das alles nicht so funktionieren wie ideologisch erträumt – sei es, dass die Wartezeiten vor der Ampel sogar Cargobike-Fahrer nerven oder der Anteil an VW-Bus fahrenden Grünen-Sympathisanten doch größer sein als gedacht, werde man diesen „Versuch“ beenden und zur jetzigen Verkehrsführung zurückkehren – und jetzt kommt’s! – darin eine Bestätigung der jetzigen Situation als ausbalanciertes System der Verkehrsführung in Mannheim erkennen.

Ist das jetzt also die viel beschworene „Verkehrswende“ oder lediglich ein weiterer Versuch einer politischen Gruppierung zur Umerziehung all jener, die durch ihre tägliche Mobilität und ihre Geduld angesichts der jetzt schon chaotischen Verkehrsverhältnisse (fahren Sie heute um 17 Uhr doch einmal nach Ludwigshafen) genau das erwirtschaften, was unsere Republik auch in diesen Zeiten zusammenhält. (von Joachim König, Mannheim)

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3lV4RB7 

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