Leserbrief

E-Autos sind ein Teil des Problems

Zu den Artikeln „Die deutsche Autoindustrie hat sehr gut verhandelt“ vom 6. November und „Kurz: Nahverkehr und Rad wichtiger“ vom 5. November:

6000 Euro Prämie für Leute, die sich ein E-Auto für 40 000 Euro beziehungsweise 5000 Euro für ein E-Auto für 65 000 Euro leisten können – das ist wie eine Ohrfeige für Menschen, die mit dem ÖPNV oder mit dem Fahrrad in die Stadt fahren und diesen Unsinn mit ihren Steuern mitfinanzieren. Aber unsere Nobelmarken freuen sich und bieten E-SUVs mit 500 PS an. Im Übrigen ist es ein Hohn, wenn es heißt, die Hälfte der Subventionen würden die Autofirmen tragen: Natürlich nehmen sie die „Subvention“ über den Kaufpreis wieder ein. Verkehrsexperte Kesternich vom ZEW trifft den entscheidenden Punkt: Elektroautos verhindern weder Staus noch den Flächenverbrauch (Parkmöglichkeiten). Und da ihre Reichweite so begrenzt und das Laden zeitaufwendig ist, geht es beim Thema E-Autos vor allem um den Nahverkehr, um den Verkehr in der Stadt.

Ob sie stehen oder fahren – sie sind Teil des Problems und nicht die Lösung. Warum erfahre ich beziehungsweise jeder, der mit dem Fahrrad einen sinnvollen Beitrag zur Lösung der Verkehrsproblematik leistet, keine Förderung? Scheinlösungen werden mit Milliarden Euro gefördert, während die Preise im ÖPNV weiter steigen, jedenfalls für die, die mit Jahreskarten am meisten zur Entlastung beitragen.

Tickets günstiger abgeben

Green-City-Tickets gut und schön – aber statt Punktlösungen an wenigen Orten anzubieten, müssten bundesweit und kontinuierlich die Preise für Bus und Bahn sinken. Statt eine Person, einen Pkw staatlich zu fördern, könnte man damit 10 000 Tickets für Teilnehmer am ÖPNV um 30 Cent verbilligen und so nach und nach die Menschen zum Umstieg auf das sinnvollere Verkehrsmittel motivieren.

Deshalb finde ich es sehr gut, dass unser Oberbürgermeister nicht hereinfällt auf den Trend, viel Geld in den Ausbau der Ladepunkte zu stecken, sondern die Förderung des ÖPNV und des Radverkehrs an die erste Stelle setzt. Im „MM“ vom 5. November heißt es zu E-Mobilität: „Kurz: Nahverkehr und Rad wichtiger“. Und wenn schon E-Autos fördern, dann bitte nur für Car-Sharing, wo ein Auto von mehreren genutzt wird und auf diese Weise der Flächenverbrauch und die Verkehrsdichte reduziert werden.

Wolfgang Buchholz, Mannheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2Qsi0ov http://bit.ly/2QtEyW0

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