Leserbrief

Ehe für alle: Werteverfall oder Gewinn

Zum Artikel ""Danke für nichts, Frau Merkel" vom 30. Juni:

Vielen Dank für Ihren Beitrag und natürlich Ihrer Zeitung, die höre und staune, eine ganze Seite dafür zur Verfügung gestellt hat. Sie sprechen mir aus der Seele, Herr Stauss. Seit 30 Jahren gehe ich Jahr für Jahr zum Demonstrieren auf den Christopher-Street-Day, genau um auf dieses Recht "Ehe für alle" zu pochen.

Ärgerlich ist, dass sich unter den Demonstrationszügen immer auch Wagen der CDU befinden mit großem Banner "Wir haben schon viel erreicht!" Da wurde mir regelrecht schlecht! Warum, schreiben Sie ja auch. Alles, aber auch alles, was es bisher an Verbesserungen für die Eingetragene Partnerschaft gab, wurde der Bundesregierung vom Bundesverfassungsgericht vorgeschrieben.

Gebühren bewusst erhöht

Eine gängige Aussage vieler CDU und CSU Politiker war ja auch: "Da warten wir erst einmal auf eine Richtungsentscheidung des Bundesverfassungsgerichts. Da wollen wir nicht vorgreifen!" Was für eine Verlogenheit! Ich habe Ihrem Artikel eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, bis auf eine Sache, die Sie vergessen haben. Die Gebühren für die "Eingetragene Partnerschaft" wurde von einigen Städten und Gemeinden, wohl bewusst oder mit besonderem Kalkül noch höher angesetzt als die Gebühren für eine normale Heirat unter Heterosexuellen. Und dafür durfte man dann auf der Kfz-Zulassungsstelle, oder wie in Bayern, ausschließlich bei einem Notar, aber nicht auf dem Standesamt sich verpartnern lassen. Was für eine verlogene Gesellschaft. Und die Ämter haben alle im Auftrag des Staates mitgemacht, um Schwulen und Lesben noch mal so richtig eins auszuwischen, um sie erneut zu diskriminieren.

Baden-Württemberg hat mit "Grün-Rot" die Standesämter für Schwule und Lesben freigegeben und auch die Gebühren wieder gesenkt beziehungsweise den der Eheschließung gleichgestellt. Mit den versteckten Schikanen ist hoffentlich Schluss, obwohl Herr Kauder von der CDU bereits eine Verfassungsklage angekündigt hat. Und für einen Großteil dieser Partei wird mit diesem heutigen Tag der "Untergang des Abendlandes" heraufbeschworen. Die ewig Gestrigen geben wohl nie auf!

Ihr Zeitung möchte wissen, was seine Leser von dem Beitrag des Herrn Frank Stauss halten. Es ist schon merkwürdig, dass die subjektive Sicht dieses Mannes, die er natürlich für sich haben kann, der gesamten Leserschaft präsentiert wird. Dennoch steht er mit seiner Auffassung nicht alleine. Es sind gewiss alle Medien daran beteiligt, dass heute - laut ZDF Politbarometer - eine Mehrheit von 73 Prozent der Bürger Deutschlands der "Ehe für alle" zustimmen.

Das ist eine katastrophale Entwicklung, die nun zu einer verheerenden Entscheidung des Bundestages führte (man möchte angesichts der anstehenden Wahlen die Wählerstimmen gewinnen), ein weiterer Schritt der zwangsläufig zum Zerfall, zur Bedeutungslosigkeit unseres Volkes und Landes führen muss.

Ehe und Familie, bestehend aus Vater, Mutter und Kindern, ist seit Jahrtausenden eine selbstverständliche, schöpfungsgemäße Lebensordnung, die nicht ungestraft, ohne verheerende Folgen, aufgelöst beziehungsweise umgedeutet werden darf. Es ist ungeheuerlich anmaßend, es heute besser wissen, besser machen zu wollen. Dieser traditionelle gesellschaftliche Konsens ist nachgewiesenermaßen die Basis für die zivilisatorische Entwicklung unseres Landes, ja der gesamten westlichen Welt. Es war die Voraussetzung für die Entstehung unserer weltweit führenden Wissenschaft, Technik, Wirtschaft und Kultur, die sonst nirgendwo auf der Welt möglich war.

Diese segensreiche Entwicklung kam nur deshalb zustande, weil unser Volk von den ethischen Werten der Bibel geprägt wurde, insbesondere seitdem die Bibel der breiten Bevölkerung zugänglich gemacht wurde. Zielsetzung der dekadenten Kräfte, die hinter der heutigen Entwicklung stehen, ist es gerade, diese bewährten Werte zu zerstören. Es geht jenen, welche die irrige Gender-Ideologie vertreten, letztlich nicht darum, die sogenannte Gleichstellung mit dem heterosexuellen Ehebegriff zu erreichen beziehungsweise nicht diskriminiert zu werden, sondern der Begriff der Institution Ehe, wie er in unserem Grundgesetz verankert ist, soll umgedeutet mit anderem Inhalt gefüllt werden.

De facto wird mit Ehe für alle der Begriff Ehe neu definiert. Darum muss jetzt eine Normenkontrollklage beim Bundesverfassungsgericht unbedingt diese Bundestagsentscheidung wieder aufheben. Hoffentlich gibt es die dazu nötige Anzahl unter unserer Bundestags-Abgeordneten, oder etwa die Landesregierung Bayerns, die den Mut haben, diese Klage anzustrengen.

Unsere Gesellschaft bewegt sich leider immer mehr von einem guten moralischen Kompass weg. Wir tun uns und unseren Kindern langfristig nichts wirklich Gutes, wenn wir alle bisherigen Werte aus den Angeln heben. Kinder brauchen für Ihre gesunde Entwicklung die Polarität der Geschlechter, sie brauchen Vater und Mutter. Die Natur - Gott hat es so angelegt, dass zur natürlichen Zeugung eines Kindes Mann und Frau notwendig sind.

Die Ehe ist die kleinste Keimzelle unserer Gesellschaft. Gleichgeschlechtliche Paare können ausschließlich durch Umwege zu Kindersegen kommen: Adoption, künstliche Befruchtung, Leihmutterschaft, Klonen und so weiter. Ich sehe da viel Konfliktpotenzial, ethisch schwierige Situationen und viele Seelennöte am Horizont aufziehen. Seelennöte, die wir jetzt noch gar nicht wirklich abschätzen können. Die klassische Ehe und Familie ist und bleibt für mich eine gute christliche Schöpfungsordnung und ist unbedingt weiter zu schützen und zu bewahren.

An dem Beitrag stört mich eigentlich nur, dass Schwule und Lesben scheinbar keine andere Meinung dulden. Wenn in der Bundesrepublik Deutschland rund 30 Prozent gegen eine Ehe für alle sind, dann ist das zu akzeptieren. Und wenn Politiker dagegen sind, ist das auch zu akzeptieren. In dem Kürzel CDU steckt ja immerhin auch das Wort christlich. Und dass die Kirche immer gegen eine Ehe für alle ist, ist ja hinreichend bekannt.

Das Gesetz muss perfekt ausgearbeitet werden, dass es nicht vom Bundesverfassungsgericht gleich wieder kassiert wird. Eine Grundgesetzänderung halte ich nicht für erforderlich. Denn im Artikel sechs steht nur das Wort Ehe und Familie. Von Mann und Frau steht dort nichts. Wenn zwei Lesben ein Kind adoptieren, fällt das mehr oder weniger in der Gesellschaft kaum auf. Wenn zwei Schwule ein Kind adoptieren wird das immer zu gesellschaftlichen Problemen führen. Gerade in der Schule, wenn ein Kind seinen Mitschülern klar macht, dass seine Eltern zwei Männer sind. Und wir wissen Alle: Kinder sagen die Wahrheit und können brutal gehässig sein.

Ich habe den Gastbeitrag gelesen und muss Ihnen einfach sagen: Er spricht mir aus dem Herzen. Danke!

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