Leserbrief

Ein arges Armutszeugnis

Zum Artikel „Weniger Glückwünsche vom Rathaus“ vom 24. April:

Im ersten Moment dachte ich, ich sei im falschen Film. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man es als Lachplatte bezeichnen. Diese „riesige“ Einsparung ist eigentlich kennzeichnend für meine Heimatstadt Mannheim. Auf der einen Seite werden riesige Beträge, siehe zum Beispiel Bundesgartenschau 2023, ausgegeben und für andere Dinge hat man plötzlich kein Geld. Außerdem bezeichne ich den CDU-Antrag als falsch. Die Begründung, dass die Kommunikation häufig über die Angehörigen läuft, liegt doch vorwiegend daran, dass eben die älteren Menschen so bescheiden sind, dass sie kein großes Aufhebens um ihre Person haben möchten. Erwin Ziehm, Mannheim

Es kann doch wohl nicht angehen, dass die Stadt Mannheim auf Kosten seiner ältesten Mitbürger Einsparungen plant. Es ist einfach nicht zu fassen! Wenn die Stadt auf solche „Peanuts“ angewiesen ist, wie soll es da noch weitergehen? Schämt euch für eine solche Maßnahme. Peter Achtstätter, Heddesheim

Eine weit bessere Einsparung kann man erreichen, wenn man die Leitung des 5. Dezernats einspart. Diese Stelle ist meiner Ansicht nach total falsch besetzt und unnötig. Diese Art Einsparung bringt deutlich mehr. Manfred Zewe, Mannheim

Jetzt hat die Stadt Mannheim wieder eine Personengruppe gefunden, bei der sie Fehlplanungen an allen Ecken und Enden zu kompensieren versucht. Ausgerechnet bei den ältesten Bürgern in unserer Wohlstandsgesellschaft wird wieder mal gespart. Herr Oberbürgermeister, können Sie sich überhaupt vorstellen wie sich ein Mensch jenseits der 100 über ein Geschenk der Stadt Mannheim freut? Offensichtlich nicht, sonst hätten Sie solch einen absurden Beschluss nie zur Diskussion gestellt, geschweige denn in die Tat umgesetzt. Ulrich Makeprange, Heddesheim

Welch nette und originelle Geste der Nachbarstadt Ludwigshafen, ihre betagten Mitbürger zum 100. Geburtstag mit 100 Ein-Euro-Stücken zu ehren und dies auch in jedem weiteren Lebensjahr mit einem weiteren Euro fortzuführen! Auch Heidelberg würdigt das hohe Alter seiner Mitbürgerinnen und Mitbürger jährlich ab dem 100. Geburtstag mit Blumen und Wein.

In Mannheim dagegen soll es in Zukunft leider etwas anders aussehen. Ein hundertjähriger Mensch erhält künftig zum Geburtstag einen Gutschein über 30 Euro. Dafür wird der bisherige Präsentkorb im Wert von 55 Euro gestrichen. Der hundertjährige Mensch darf danach weitere fünf Jahre warten, um wieder etwas von den Stadtoberen zu hören. Begründet wurden diese Sparmaßnahmen (immerhin sind es 6000 Euro im Jahr…) mit der geringen Resonanz, die es von Seiten der der Jubilare gab. Diese angedachte Maßnahme der Stadt Mannheim finde ich peinlich und gering schätzend! Die Beschenkten gehören immerhin zu einer Generation, deren Lebensleistung auch darin beruht, unsere Stadt nach dem Krieg wieder aufgebaut zu haben. Viele Menschen in diesem Alter haben keine Angehörigen mehr oder sind schlicht nicht in der Lage, sich bei der Stadt zurückzumelden. Als regelmäßige Besucherin einer Senioreneinrichtung kann ich Ihnen noch folgendes versichern: Nicht nur die Jubilare freuen sich über jeden Besuch und jede Aufmerksamkeit. Die Briefe und Präsente anlässlich besonderer Geburtstage werden mit Freude und Stolz empfangen, gewürdigt und präsentiert.

Ein alter, bettlägeriger Mensch kann sich an einem Blumenstrauß oder einem mit Leckereien gefülltem Geschenkkorb erfreuen. Der praktische Nutzen eines künftig angedachten Gutscheins erscheint mir fraglich, zumal die wenigsten Menschen in diesem Alter in der Lage sind, diesen einzulösen. Im Sinne eines generationsverbindenden und wertschätzenden Zusammenlebens in unserer Stadt hoffe ich, dass unsere ältesten Mitbürgerinnen und Mitbürger in jedem weiteren Lebensjahr jenseits ihres 100. Geburtstags weiterhin von Vertretern ihrer Stadt besucht und gebührend gewürdigt werden! Annette Knapp-Wallenwein, Mannheim

Gerade dieser Personenkreis war es doch, der nach dem fürchterlichen Krieg den Wiederaufbau in Deutschland und auch in Mannheim mitgestaltet hat. Es ist sehr traurig wenn man diese Geringschätzung unserer alten Mitbürger betrachtet. Armes Mannheim. Albert Fiederlein, Mannheim

Erst zum Hundertsten gratuliert die Stadt. Soll das ein Witz sein? Ganze 6000 Euro will die Stadt einsparen durch die Reduzierung der Glückwünsche für betagte Bürger zum Geburtstag. Das ist nun wirklich ein gar arges Armutszeugnis. Zu dieser Stadtspitze kann uns ja nun wirklich niemand beglückwünschen. Erst beteiligt man sich nicht mehr an den Neujahrsempfängen, dann noch so etwas mit einer Einsparung von lächerlichen 6000 Euro. Wirklich überaus blamabel für die Stadt Mannheim. Mathias Wagener, Mannheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2I2B5aS