Leserbrief

Ein „Denkmal“ wird abgewickelt

Zum Artikel „Vier Türme ersetzen alten Bürobau“ vom 15. Februar:

Als ein an der Mannheimer Baugeschichte interessierter Bürger war es mir ein Anliegen, die Entwürfe für die geplante Neugestaltung auf dem Areal des Collini-Centers einzusehen. Auch wenn die Kommunikation zu den Öffnungszeiten dieser Ausstellung nicht so ganz transparent war und die Tür mit Hinweisplakat erst einmal gefunden werden musste (es schleicht sich der Gedanke ein, dass großes Interesse verbunden mit möglicherweise kritischen Stimmen nicht gewünscht ist), hatte ich die Möglichkeit mir einen Überblick zu verschaffen.

Fragen drängen sich auf

Schon während man das Gebäude betritt und durch das Foyer schlendert, fragt man sich, weshalb der Bürotrakt marode ist und der Wohnturm eben nicht und das bei wohlgemerkt gleicher Bauzeit und Bauweise. Hier ein Turm, der seit nunmehr sieben Jahren zum Schutz vor herabfallenden Betonteilen eingerüstet ist, dort ein ebenfalls in Teilen mit Gerüst versehener Turm, mit dem entscheidenden Unterschied, dass letzteres dazu genutzt wird erhaltende Sanierungsmaßnahmen durchzuführen – offensichtlich mit Erfolg und gepaart mit perspektivischer Wirtschaftlichkeit, nach Überzeugung anwesender Miteigentümer. Dabei drängt sich immer wieder die Frage auf, ob denn in der Vergangenheit tatsächlich alles unternommen wurde, das Gebäude zu erhalten und im Sinne von Nachhaltigkeit auf gesunde Füße zu stellen? Immerhin wird hier mit enormen Summen an Steuergeldern der Bürger jongliert.

Eine Multihalle wird (zu Recht, wie ich meine) gerettet, obgleich sie von Anfang an einen provisorischen und zeitlich begrenzten Zweck erfüllen sollte. Ein Komplex aus Stahlbeton aus gleicher Zeit wird nun ein Provisorium aus Holz und Plane nicht überdauern – das ist nur schwer vermittelbar. Nun kann man freilich zu dem brachialen Baustil des Brutalismus stehen, wie man will, das Gebäude als Hässlichkeit abtun oder auch als Innovation der Zeit mit kühnen Grundrissen und Schnitten loben. Eines lässt sich nicht negieren: Es ist Bestandteil unserer Baugeschichte.

Dabei geht es nicht um irgendeinen Klotz, sondern um ein städtebauliches Ensemble von Bedeutung. Dieses durchaus schützenswerte Ensemble in seiner Urform mit der visionären Idee (die heute noch in der Architektur unbestritten Bestand hat), Wohnen, Arbeiten, Freizeit, öffentlicher Raum und Begegnungsstätte mit verbindendem Brückenschlag zu benachbarten Stadtteilen zu vereinen, soll nun auf brachiale Weise in seiner Originalität zerstört werden. Ein Komplex, der meiner Auffassung nach in seiner Gesamtheit zweifelsfrei Denkmalcharakter hat.

So hat man sich nun aber in den Gremien dazu entschieden, ein Denkmal zu beschneiden. Was bleibt, ist ein Turm, der aus dem Zusammenhang gerissen, fast als Fremdkörper in der geplanten Neubebauung des direkten Umfeldes wirkt. Dem das Gegengewicht des noch bestehenden Büroturmes mit verbindendem Foyer als Nabelschnur fehlt und optisch droht umzukippen. Sicherlich wird bei dem gezeigten Siegerentwurf versucht, eine gewisse Winkligkeit in der Grundform der Gebäude und der Fassadenstruktur aufzunehmen und neu zu interpretieren, aber eine Harmonie entsteht dabei nicht.

Entwürfe passen nicht zu Bestand

Für sich genommen, sind die Entwürfe durchaus gefällig, aber nicht in Symbiose mit dem dezimierten Bestand. Im Gespräch mit anderen anwesenden Bürgern stelle ich fest, dass ich mit meinem Eindruck nicht alleine dastehe und so verlasse ich ernüchtert die Präsentation. Beim Durchschreiten des inzwischen leblosen Foyers und noch einem wehmütigen Blick von außen zurück auf die Türme wird mir erschreckend die Tragweite und die Konsequenz für das Collini-Center bewusst – ein Denkmal wird abgewickelt.

Michael Müller, Viernheim

Zunächst vielen Dank für den ausführlichen Artikel. Leider sind darin einige Sachverhalte nicht richtig oder missverständlich dargestellt. Die Stadt gestaltet nichts am Neckarufer, sondern sie möchte an einen noch anonymen Privatinvestor verkaufen, dem sie einige Auflagen zum Verkauf gemacht hat.

Gestaltung mit Weitblick

Der Verkauf an sich wird in dem Artikel überhaupt nicht problematisiert. Auch das seit acht Jahren eingerüstete technische Rathaus wird als marode bezeichnet, dabei könnte es – das Gerüst endlich nutzend – auch wie das Collinihochhaus, betonsaniert werden. Die Stadt könnte da zum Beispiel nach der Sanierung Wohnraum für Studierende gestalten. Ich hoffe der Gemeinderat erkennt den Irrweg des Verkaufs und entscheidet am 28. April gegen einen Verkauf und gestaltet dann wirklich das Collini Areal neu in Eigenverantwortung und mit Weitblick.

Barbara Hackenbracht, Mannheim

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/39ikWuA