Leserbrief

Ein gesamtgesellschaftliches Problem

Zum Artikel „Schlechte Note für Deutschland“ vom 4. Dezember:

Der jüngst veröffentlichte PISA-Test 2018 schlug in der öffentlichen Berichterstattung hohe Wellen, vielstimmig wurde das schlechte Abschneiden der Schüler in den deutschen Schulen beklagt. Negativ fiel auf, dass das Leistungsniveau der 15-Jährigen gegenüber 2015 um acht Punkte gesunken und dass die Gruppe der besonders Leistungsschwachen auf 21 Prozent gestiegen ist.

Das ist ein Alarmsignal, denn es gibt einen engen Zusammenhang zwischen den Schulleistungen und den künftigen Leistungen der Gesellschaft in Wissenschaft, Technik und Wirtschaft; unser heutiges Gesellschaftssystem steht also auf dem Spiel. Und der Schuldige an der PISA-Misere wurde auch gleich gefunden: Das deutsche Schulsystem hätte versagt, es ist gar von einer Katastrophe die Rede.

Doch der pauschale Vorwurf des Versagens unseres Schulsystems wird von den Fakten nicht gestützt. Für ein differenziertes Bild muss man die Details betrachten. So hat sich zum Beispiel die Gruppe der Spitzenschüler im Vergleich zu der PISA-Studie 2015 sogar noch verbessert. Von einem allgemeinen Versagen unseres Schulsystems kann somit wirklich nicht die Rede sein. Unser Problem ist vielmehr das schlechte Abschneiden der Kinder mit Migrationshintergrund.

Wie berichtet wurde, erreichen diese Schüler bei der Lesekompetenz einen durchschnittlichen Wert von 472, deutsche Schüler kommen hingegen auf durchschnittlich 524 Punkte. Letztere nehmen damit in der PISA-Studie weltweit den achten Platz ein und liegen gleichauf mit Finnland und Estland, nur übertroffen von ostasiatischen Ländern.

Schulen nicht eingerichtet

Offensichtlich hat unser Schulsystem Probleme mit den Kindern mit ausländischem Bezug, bei denen die türkischen Kinder die größte Gruppe ausmachen. Eine Ursache des schlechten Abschneidens wird darin gesehen, dass in Familien aus bestimmten Herkunftsländern (Afrika, Vorderer Orient einschließlich Türkei) oft ihre Herkunftssprache gesprochen wird und deren Kinder nur in der Schule mit der deutschen Sprache in Berührung kommen. Für diese Probleme sind unsere Schulen nun einmal nicht eingerichtet.

Über die schlechten Schulergebnisse muss man sich da nicht wundern. Es handelt sich hierbei aber nicht um ein schulisches, sondern um ein gesamtgesellschaftliches Problem. Jedes Schulsystem wäre in einer solchen Situation überfordert. Es ist an der Zeit, dass die hohe Politik sich mit diesem Problem intensiv befasst. Es einfach dem herkömmlichen deutschen Schulsystem aufzuladen, das allen Schülern gerecht werden muss, kann aber nicht die richtige Lösung sein.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2S0pVu7