Leserbrief

Leserbrief Zu "Erstmal angemessene Preise zahlen" (FN 3. Mai)

Ein Mindestlohn ist unerlässlich

Sehr geehrter Herr Brudereck. Ihrer Logik im Leserbrief "Erstmal angemessene Preise zahlen" vom 3. Mai kann ich leider nicht folgen. Wir Bürgerinnen und Bürger zahlen beim Friseur oder an anderer Stelle die Preise, die verlangt werden. Ich gehe davon aus, dass auch Sie im Discounter oder im Supermarkt nicht mehr bezahlen. Beim Friseur gibt man sicherlich gerne ein Trinkgeld obendrauf, da man weiß, dass die Friseure und Friseurinnen zu einem Hungerlohn arbeiten.

Das von Ihnen angesprochene Problem lässt sich aber eben nur durch die Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns lösen. Sie müssen sich die Frage stellen, weshalb Ihr Friseur von Ihnen nur 12, Euro für 15 Minuten Haarbehandlung verlangt. Das liegt daran, dass die (in Gewerkschaftskreisen als "Schmutzkonkurrenz" bezeichneten) Mitbewerber die Preise drücken. Diese können die Preise nur dadurch drücken, dass sie ihren Arbeitnehmern einen noch geringeren Lohn zahlen. Dies zwingt dann die anderen Friseure ebenfalls dazu, die Löhne zu kürzen, um überleben zu können.

Gäbe es einen Mindestlohn, würde der Wettbewerb nicht über die Löhne laufen, sondern über Qualität und Service bei der Erbringung der Dienstleistung.

Diejenigen, die sich, wie in Ihrem Beispiel, vier Urlaubsflüge im Jahr leisten können, werden wegen einer Erhöhung der Preise beim Friseur diesen nicht weniger oft aufsuchen.

Diejenigen, die sich wegen ihres Hungerlohnes gar keinen Friseur mehr leisten können, werden jedoch bei Einführung eines Mindestlohnes in die Lage versetzt, ihre Haare wieder professionell von einem Friseur pflegen zu lassen.

So führt dann die Einführung des Mindestlohns nicht nur zu mehr sozialer Gerechtigkeit, sondern auch zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und Mehreinnahmen bei den Sozialversicherungen.

Menschliche Arbeitskraft ist keine Handelsware, die den Marktgesetzen unterworfen werden kann, denn sonst erreichen wir irgendwann chinesisches Lohnniveau. Menschliche Arbeit hat einen grundsätzlichen Wert. Jeder muss in der Lage sein, bei einer Vollzeitbeschäftigung von seiner Arbeit anständig leben zu können.

Hierfür ist ein Mindestlohn in Höhe von 10 Euro pro Stunde unerlässlich.