Leserbrief

Ein neuer Freund für Linus

Von Justus Hüttner (8 Jahre)

Eines Tages vor langer, langer Zeit lebten noch die Ritter. Es gab viele Sagen und Geschichten über sie und eine werde ich euch jetzt erzählen.

Es war einmal ein großer und mächtiger Burgherr. Er hauste auf einer Festung. Er hatte ein riesig großes Heer und viele Pferde. Sie wehrten jeden Feind ab. Nur der große Drache war für sie ein Problem und auch die Schreckensteins bereiteten ihnen große Sorgen. Diese hatten erst gestern angegriffen, und sie bauten gerade alles wieder auf. Schon standen die Schreckensteins erneut vor dem Burgtor. Mit hochrotem Kopf rief der Burgherr: „Feuer frei! Bogenschützen schießt! Ritter auf zum Gefecht!“

Linus war ein sehr junger Page, der wie immer in der Burg bleiben musste, denn er war noch kein richtiger Ritter. Noch nicht einmal kämpfen konnte er. Auch ein Schwert hatte er nicht. Da heute alle abgelenkt waren, nutzte er die Gelegenheit. Heimlich schlich Linus sich aus der Burg heraus, stahl ein Pferd und ritt weg. Während das Heer die Angreifer in die Flucht schlug, sah Linus bei seinem Ritt durch den Wald den gefährlichen Drachen.

Er erschrak fürchterlich und wollte abhauen. Doch der Drache stellte sich ihm in den Weg und hielt ihn zurück. Er plusterte sich vor ihm auf und sagte mit lauter Stimme: „Halt, geh’ bitte nicht weg, ich will dir nichts Böses tun.“ Verwundert, aber auch vorwurfsvoll entgegnete der kleine Page: „Und warum greifst du uns dann immer an?“ „Wieso sollte ich?“, fragte der Drache. „Ich will mich doch nur feiern lassen, weil ich euch helfe die Schreckensteins zurückzuschlagen“, fügte der Drache hinzu.

„Ach so“, rief Linus und klatschte sich erleichtert an die Stirn. Doch nun fragte der Drache etwas, was Linus nie gedacht hatte: „Wollen wir Freunde sein?“ „Ja, wir wollen Freunde sein“, sagte Linus. Der Drache murmelte schüchtern: „Ich heiße Kasimir.“ Linus antwortete: „Und ich heiße Linus und nun muss ich schnell zurück zur Burg, sonst machen sich alle Sorgen um mich.“ „Tschüss, bis Morgen“, rief der Drache Linus noch hinterher. Linus würde ganz sicher wieder kommen.

Am nächsten Morgen rannte Linus zu seinem neuen Freund. Doch plötzlich hörte er ein Rascheln im Gebüsch und dann bekam er eine Keule auf die Birne. Aber bevor er ohnmächtig wurde, konnte er noch einen Brief schreiben, auf dem stand: „Hilfe!!!“ Mit drei fetten Ausrufezeichen. Er wurde zur Burg der Schreckensteins geschleppt.

Als Kasimir fröhlich durch den Wald lief, sah er den Brief und las ihn. Schlagartig wurde er wieder ernst und gleichzeitig auch wütend. Er kannte die Schreckensteins gut und wusste daher auch, dass sie sehr hinterlistig waren. Er vermutete deshalb, dass sein Freund in die Hände der Schreckensteins geraten war.

Sofort flog er besorgt zur Burg der Entführer, die nichts ahnend mit ihrem Gefangenen im Burghof standen. Leise flog Kasimir hinauf zur Burg und spie wütend Feuer. Die Schreckensteins waren für einen Moment wie versteinert. Kasimir nutzte die Verwirrung, schnappte sich Linus und flog mit ihm zurück zur Festung.

Da Linus herausgefunden hatte, dass der Drache eigentlich schon immer ihr Verbündeter war, wurden sie dort gefeiert wie Helden. Ab sofort war Kasimir als feuerspeiender Drache auf dem Wappen der Burg zu sehen. Die Schreckensteins trauten sich seither nie mehr, sie zu attackieren.