Leserbrief

Ein Sieg für die IT

Zum Artikel „Über Grenzen smarter Geräte“ vom 4. Januar:

Der Siegeszug der IT und der damit einhergehende Wandel sind (wieder einmal) typisch für die menschliche (Weiter)Entwicklung. Über die eindeutigen positiven Aspekte will ich nicht schreiben. Dem „Segen“ auf der einen Seite steht meines Erachtens ein Desaster auf der anderen entgegen.

Was kluge und kreative Köpfe schaffen, wird erst durch die „Freiheit“ des Menschen zu einem zweischneidigen Schwert; man könnte auch sagen, das Problem beginnt im Kopf – und zwar mit gravierender Wirkung. Und diese negativen Effekte verstärken mehrheitlich ausgerechnet die Schwächen des Menschen (des Anwenders). Es geht um Vernunft. Die aber ist (laut Schiller) „wenigen nur gegeben“.

Dazu gesellt sich selbstredend das wirtschaftliche Interesse, mit „jedem Scheiß“ viel Geld verdienen zu wollen. Der Effekt ist offensichtlich. Alle starren nur noch auf ihr Smartphone, die Großstädte der Welt schaffen Schutzvorrichtungen, damit die „Idioten“ nicht in ein fahrendes Auto laufen können oder in ein Gleisbett fallen. „Follower“ in sechsstelliger Zahl nehmen Teil an jedem … eines anderen, posten das Foto von ihrem Frühstücksmüsli durch die Welt.

Ist das normal? Ja! Das ist inzwischen Normalität. Wer heute ein neues Auto kauft, muss zu seiner Bedienung ein Handbuch „studieren“, das im Umfang dem für einen Privat-Jet nahe kommt. Ein Sieg der IT. Für die Digital Natives ist das alles ganz normal, aber ist auch alles sinnvoll? Und ist es auch Fortschritt, wenn man den Weg zu seiner Oma nur noch mit einem Navi findet?

Geräte dirigieren Lemminge

Was wird von den heutigen „Gepflogenheiten“ überleben, was wird als Unsinn wieder verschwinden? Von den alten Römern blieb uns die WC-Spülung, der Gladiatorenkampf nur im Kinofilm. Wissenschaftlich erwiesen ist, dass die Nutzung eines Computers insbesondere für Kinder (in ihrer geistigen und sozialen Entwicklung) mehr Nachteile als Vorteile hat. Die Auswirkungen werden bei den jungen Erwachsenen inzwischen immer deutlicher erkennbar. Ob Azubi oder Student, das „Eingangsniveau“ sinkt; ganz schlaue Politiker wollen deshalb die Abschlussprüfungen in den Schulen leichter machen. Das wird noch spannend: Die Probleme unserer Welt werden immer komplizierter und die, die sie lösen müssen, werden immer dümmer. „Smart“ heißt „schlau“; die Angst, dass die Lemminge irgendwann völlig von smarten Geräten dirigiert werden könnten, scheint mir nicht unbegründet.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2QAyf2E