Leserbrief

Ein weiterer Schritt

Zum Thema „Christen in der Türkei“:

Am 3. August wurde durch Präsident Erdogan in Istanbul der Grundstein für die neue Kirche der syrisch-orthodoxen Gemeinde gelegt. Es ist der erste neue Kirchenbau seit Gründung der Republik Türkei durch Atatürk im Jahr 1923 und damit ein weiterer Schritt in der Normalisierung der Beziehung zu den christlichen Minderheiten. Für Erdogan war das natürlich eine willkommene Gelegenheit, sein stark ramponiertes Image in der westlichen Welt aufzupolieren.

Allerdings hatte er selbst, noch als Ministerpräsident, den Bau bereits 2009 genehmigt. Dass es zehn Jahre dauerte, bis damit begonnen werden kann, sollte nicht wundern. Muslimische Gemeinden in Deutschland, die eine Moschee bauen möchten, müssen ähnliche „Bearbeitungszeiten“ hinnehmen. Die neue Kirche steht im Zusammenhang mit anderen Kirchenbauten, die in den letzten Jahren mit staatlicher Billigung durch den Umbau bestehender Gebäude oder Restaurierungen geschaffen wurden.

Kirche für Urlauber

In Antalya entstand so eine Kirche für ausländische Urlauber. In Izmir und Diyarbakir wurden die stark beschädigten Kathedralen der Katholiken und Armenier restauriert. In Belek baute man unter dem Dach eines einzigen Gebäudes eine Kirche und eine Moschee. In den letzten zehn Jahren hat der türkische Staat Immobilien an die Kirchen zurückgegeben, die er zuvor konfisziert hatte. Nach einer Gebietsreform im Jahr 2012 waren im Südosten der Türkei zahlreiche Ländereien der Kirchen an den Staat gefallen. Die meisten von ihnen sind inzwischen zurückgeben worden.

Bei der Feier zur Grundsteinlegung bezeichnete Erdogan die syrisch-orthodoxen Christen als „Söhne der Region“. Es sei Aufgabe des Staates, dafür zu sorgen, dass die Christen genügend Kirchen hätten. Die neue Kirche nannte er eine Bereicherung für die Türkei. Schon seit Jahrzehnten können die Christen ihre Religion in der Regel unbehelligt ausüben. In vielen Kirchen läuten zum Gottesdienst wie selbstverständlich die Glocken.