Leserbrief

Ein zutiefst verstörter Mensch

Zum Artikel „Von Ladenburg in die SAP Arena – der Ärger zieht mit“ vom 14. Mai:

Xavier Naidoo ist ein zutiefst verstörter Mensch, der in seinen Videos absoluten Blödsinn verzapft. Rechtfertigt dies in irgendeiner Weise den Eingriff in die Grundrechte der Kunstfreiheit und der allgemeinen Handlungsfreiheit? Die Frage zu stellen, heißt, sie negativ zu beantworten. Das Schlimme ist aber, dass ein Großteil der linksgrünen Szene und Politikprominenz dies am liebsten tun würde.

In einer Form von krankhafter Überkompensation der Nazivergangenheit wird alles verboten, was einem nicht in den ideologischen Kram passt. Die hysterische Moralkeule haut alles platt, was man selbst für nicht-demokratisch hält. Das ist reine Selbstjustiz und in einer freien, liberalen Demokratie zutiefst unlauter. Wem die Aussagen Naidoos nicht passen – dafür gibt es sehr gute Gründe! – kann gerne den juristischen Rechtsweg beschreiten und versuchen, eine Unterlassung zu erwirken. Maulkorbwiderstand ist nicht in Ordnung.

Wie würde man in den Niederlanden, in Dänemark oder Frankreich im Jahr 2020 mit dem „Fall Naidoo“ umgehen? Das muss das vernünftige Vergleichskriterium sein und nicht die Reichskulturkammer von 1933. Man würde ihn einfach singen lassen. Unsere gewachsene, liberale, stabile und bunte Demokratie hält das locker aus. Lasst ihn singen und esst in der Zeit ein Erdbeereis. Ralf Kissel, Ludwigshafen

Wo leben wir eigentlich? Was ist da eigentlich los in Mannheim, diese Kampagne gegen einen Popkünstler, der, wie ich finde, gar nicht so schlechte Musik macht, mit Texten, die ich nicht kenne und die offensichtlich seine Einstellung zu Politik und Leben in unserem Land beschreibt. Ist das verboten, haben wir nicht ein Grundgesetz, das die Veröffentlichung der eigenen Meinung ausdrücklich erlaubt, ohne Zensur?

Da gibt es eine Rockband „feine Sahne Fischfilet“ die unser Bundespräsident und unser Außenminister empfehlen. Ihre Texte möchte ich hier nicht beschreiben, sie sind grausam, sexistisch und fordern zum Angriff auf unsere Polizei (Bullenschweine) auf, aber sie sind links und deshalb selbstverständlich „gut“. Schämen Sie sich, Politiker in Mannheim und Ladenburg, lesen Sie das Grundgesetz und buchen sie seine Texte einfach als freie Meinungsäußerung. Naidoo wird die SAP Arena füllen, Sie können es nicht verhindern, keiner zwingt Sie, hinzugehen. Auch ich werde nicht dort sein, es ist nicht meine Musik, aber ich schreibe hier für ihn, weil ich unsere Demokratie verteidige. Gerhard Bleckmann, Lampertheim

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3gd568i