Leserbrief

Leserbrief Zu „Ausbeutung inbegriffen“ (FN, 3. Mai)

„Eine Folge der Globalisierung“

In seinem Kommentar zu den Problemen im Textilbündnis mit der Überschrift „Ausbeutung inbegriffen“ (FN, 3. Mai) sieht Frank Schumann uns Verbraucher in der Pflicht. Grundsätzlich mag es wohl sein, dass ein „T-Shirt für 3,99 Euro“ wahrscheinlich unter ausbeuterischen Bedingungen hergestellt wurde. Nur wird teure Markenware in denselben Fabriken unter den gleichen Bedingungen hergestellt. Das wissen wir spätestens seit dem Fabrikeinsturz 2013 in Bangladesch und dem entsprechenden Eingeständnis von Benetton. Was kann da der Verbraucher tun?

Das Ganze ist eine Folge der Globalisierung, welche es multinationalen Unternehmen erlaubt, verschiedene Produktionsstandorte gegeneinander auszuspielen und somit auf Kosten der Sozial- und Umweltstandards „günstig“ zu produzieren. In unserer einst sozialen Marktwirtschaft haben wir inzwischen den größten Niedriglohnsektor Europas. Das betrifft über 20 Prozent der Beschäftigten. Und diesen Menschen, die ja auch Verbraucher sind, dann vorzuwerfen, dass sie mit ihrem Konsumverhalten die Menschen in den ärmsten Ländern ausbeuten, finde ich ziemlich schräg.

Wer anders als die Politik soll denn die Spielregeln definieren, unter denen Wettbewerb stattfinden kann?