Leserbrief

Zum Thema Badeverbot im Rhein

Einmalige Anlage am Wasser

Ich bin 1923 geboren, damit inzwischen 92 Jahre alt. Und ich bin etwa 80 Jahre meines Lebens im Rhein, vor allem am Strandbad, geschwommen. Für mich waren das Fließen des angeblich so gefährlichen Stromes und der Wellengang der Schiffe niemals feindlich. "Strudel" im Bereich des Strandbades sind mir überhaupt nicht geläufig. Die Strömung eines Flusses ist genauso gefährlich, als ob man in einem modernen ICE bei 220 km/h von seinem Sitzplatz aufsteht und ins Restaurant oder auf die Toilette geht. Ich weiß natürlich von einem "Drehwasser" am unteren Ende des Rhein-Strandbades, das aber ein geübter Schwimmer problemlos meistern kann. Man muss sich in einem strömenden Gewässer immer "der Strömung hingeben" und darf nicht gegen sie anschwimmen wollen, gleichgültig, ob man ein Drehwasser meistern muss oder auf eine Treppe oder einen anderen Ausstieg am Ufer hin schwimmt. Auch das gehört natürlich zu einer guten Schwimmausbildung dazu. Das ist genauso, als wenn man im Meer gegen den Rhythmus der einlaufenden Wellen anschwimmen wollte.

Die Hauptgefahr in einem solchen strömenden, natürlichen Gewässer ist die unterschiedliche Wassertiefe über den Kiesbänken (immer in den Innenkurven). Ein ungeübter Schwimmer planscht bis zum Bauchnabel bei einem Meter Wassertiefe, hüpft lustig mehrfach auf und ab und wird dabei von der Strömung 10 oder 15 oder 20 Meter weiter stromabwärts getrieben, wo dann plötzlich die Wassertiefe 1,50 oder 1,80 Meter oder gar über zwei Meter sein kann. Und wer dann nicht sicher schwimmen kann, wird natürlich ein Problem haben. Aber auch das gehört zu einer guten Ausbildung dazu.

Kurzum: Es tut mir sehr leid, dass nun das Baden streng verboten ist und dieses Verbot auch streng kontrolliert werden soll, so dass niemand mehr in den vollen Genuss dieser Anlage am Wasser kommen wird. Voll Dankbarkeit für über acht Jahrzehnte Baden und Schwimmen im Rhein denke ich an Herrn Reiß (der mit seiner Schenkung der Insel dieses Kleinod erst ermöglicht hat) und an eine frühere Stadtverwaltung, die mit großer Klugheit und viel Mut in wirtschaftlich wirklich schwierigen Zeiten das Mannheimer Strandbad geschaffen hat.