Leserbrief

Einzelhändler als potenzielle Steuerhinterzieher

Zum Artikel „Altmaier will Bon-Flut eindämmen“ vom 16. Dezember:

Die Politik nennt mich jetzt einen potenziellen Steuerhinterzieher. Einziger Beweis: Ich bin Einzelhändler. Einmal abgesehen von der Unverschämtheit dieser Anschuldigung, bin ich künftig verpflichtet, bei jedem Einkauf eines Kunden einen Bon auszudrucken, egal, ob der Kunde den überhaupt haben möchte, ja sogar dann, wenn der Kunde gar nichts bezahlen muss – was in meinem Beruf ziemlich häufig vorkommt. „Transparenz erhöhen“ nennt die Politik das. Demokratie bedeutet „Herrschaft des Volkes“, wie ich gelernt habe. Somit nehme ich gleiches Recht in Anspruch und erkläre, als einer der Millionen Herrscher, hiermit jeden Politiker zum potenziellen Lügner. Einziger Beweis: Sie sind Politiker. Analog zum Finanzamt verlange ich die Einrichtung einer Behörde, die jede öffentliche Aussage eines Politikers auf ihren Wahrheitsgehalt, und jedwede Handlungsankündigung eines Politikers – besonders zu Wahlkampfzeiten – auf ihre Ausführung hin überprüft.

Im Falle von Verstößen gegen das Wahrheits- und Handlungsgebot geht das Strafmaß von Geldstrafen bei kleinen oder Notlügen bis hin zu zehn Jahren Freiheitsstrafe bei schweren Verstößen.

Aussagen schriftlich festhalten

Um die Transparenz zu erhöhen, werden Politiker verpflichtet, alle Redemanuskripte und Interview-Aussagen schriftlich festzuhalten und auf eigene Kosten für jeden Zuhörer auszudrucken, egal, ob der einzelne Zuhörer eigentlich ein Exemplar haben möchte, und auch, wenn der Text überhaupt keine konkrete Aussage enthält, was in diesem Beruf ziemlich häufig vorkommt. Zurück zum Vorwurf der potenziellen Steuerhinterziehung. Wenn ich an die vergangenen Jahre und Jahrzehnte denke, gab es die gravierendsten Hinterziehungstatbestände in Millionen- und Milliardenhöhe bei Parteispendenskandalen, Bankenskandalen, Finanzskandalen und Skandalen in irgendwelchen Großunternehmen. In den Vorständen und Aufsichtsräten dieser Institutionen saßen und sitzen oft auch Angehörige welchen Berufsstandes? Richtig – der Politiker. (Stefan Schöfer, Schwetzingen)

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2F8g1z4 

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