Leserbrief

Emotionale und historische Seite

Zum Artikel „Letzte Tage im Bonhoefferhaus“ vom 24. Juli:

In Ihrem Artikel über den Abriss des Bonhoefferhauses kommt ganz klar zum Ausdruck, dass die evangelische Kirche Mannheim ihre Linie „ansprechende und funktionale, ästhetische und nachhaltige Gebäude zu bauen“ umsetzt, auch wenn dabei die Belange der Mitglieder nicht berücksichtigt werden.

Dass die Gemeinden ihre vorhandenen Gebäude aus emotionalen und historischen Gründen behalten möchten und mit den neuen Gebäuden die Bindung der Gemeindemitglieder an ihre Gemeinden und die Kirche verloren geht, blendet Dekan Hartmann dabei aus. Keiner käme auf die Idee, die Christuskirche durch ein neues „ansprechendes und funktionales, ästhetisches und nachhaltiges“ Gebäude zu ersetzen, egal was eine Instandhaltung kostet.

Katholische Kirche kann es besser

Die Investition in die Vesperkirche Konkordien ist eine Investition in eine Vorzeigegemeinde, während in anderen Gemeinden solche Initiativen vor dem Aus stehen. Auf der Rheinau zum Beispiel wird das zentrale Gemeindezentrum abgerissen, um auch hier die kirchliche Linie umzusetzen. Allerdings gibt es hier nur einen neuen Kindergartenbau, wie es mit einem neuen Gemeindezentrum aussieht, weiß niemand. Damit entfällt hier der angebotene Mittagstisch, genauso wie die angebotene Kaffeerunde.

Dass in Feudenheim ausgerechnet in den Prinz Max ausgewichen werden kann, entbehrt nicht einer gewissen Tragik. Stand dieser doch ebenfalls vor dem Abriss, aber scheinbar kann die katholische Kirche besser mit den Vorstellungen und Wünschen ihrer Mitglieder umgehen und hat eingelenkt. Der Prinz Max bleibt erhalten. So muss sich die evangelische Kirche nicht wundern, wenn sich viele enttäuschte Ehrenamtliche und entwurzelte Gemeindemitglieder von der Kirche abwenden. Kirche und Glaube haben nicht nur eine finanzielle, sondern eben auch eine emotionale und historische Seite. Das ist die Basis, die leider mit einem solchen Vorgehen verloren geht.

Michael Lange, Mannheim

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