Leserbrief

Empört über Forderung

Zur Kurzmeldung „Strafe für Patienten gefordert“ vom 9. September:

Mit Empörung habe ich gelesen, dass der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung, Andreas Gassen, Sanktionen gegen gesetzlich versicherte Krankenkassenmitglieder fordert, weil diese ihre Gesundheitskarte „gnadenlos ausnutzen“. Er unterstellt damit, dass Versicherte grundlos Fachärzte aufsuchen und „oft noch zwei oder drei derselben Fachrichtung“.

Falls das überhaupt stimmt: Hat Herr Gassen sich auch gefragt, warum dies so ist? Ich habe erleben müssen, dass meine 95 Jahre alte Mutter von einem Arzt regelrecht angeschnauzt wurde, weil sie im selben Quartal ein zweites Mal in die Praxis kam, um einen zuvor auffälligen Befund überprüfen zu lassen. Diese zweite Untersuchung bekäme er nicht bezahlt.

Kein Vertrauensverhältnis

Dass Kassenpatienten monatelang auf einen Facharzttermin warten müssen, ist hinreichend bekannt. Dass sie dann im Minutentakt abgefertigt werden, trägt nicht zu einem Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient bei.

Wen wundert es, wenn sie dann bei einem anderen Mediziner ihr Glück versuchen. Die Mär vom Rentner, der aus Langweile durch Arztpraxen tingelt, sollte wohl ins Reich der Fabeln verwiesen werden. Ich empfehle Herrn Gassen, sich eine Zeit lang als Kassenpatient behandeln zu lassen. Vielleicht geht ihm dann auf, wie unser Gesundheitssystem, das eines der teuersten der Welt sein soll, funktioniert.

Karita Gebert, Mannheim