Leserbrief

Energiewende: Was Leser zum Kemfert-Text meinen

Zum Debattenbeitrag "Warum müssen wir die Energiewende jetzt verteidigen, Frau Kemfert?" vom 19. August:

Frau Kemfert, die fleißige Verfechterin der zum Scheitern verurteilten Energiewende, verteidigt tapfer eine Klimapolitik, die ganz schlicht an physikalischen Tatsachen scheitert. Um Deutschland energetisch zu versorgen, benötigen wir eine Energiequelle zur zuverlässigen Grundlastversorgung.

Wir wissen, die Sonne scheint nicht durchgängig, Dauerwind gibt es nicht, Wasserkraft nur an wenigen Stellen und Monokulturen zur Biogasproduktion sind ein ökologisches Desaster. Speicher nicht vorhanden. Elektroautos, vegane Ernährung, Abschaffung der Tierhaltung, Drosselung der Industrie sind Wunsch und Ziele rot-grüner Transformationspolitik und haben zur Zukunft und Realität keinen Bezug.

Naiv und sehr unüberlegt

"Energiewende schafft Wohlstand." Ihre Worte. Wohlstand haben wir schon länger und dieser wird durch die Energiewende bedroht. Die Energiewirtschaft liegt am Boden und jetzt nehmen Sie sich die Autoindustrie vor. Lügen bezüglich des Dieselmotors werden skandalisiert. "Wahrheiten" über E-Autos und ihre angebliche Reichweite oder die Umweltverschmutzung bei der Herstellung von Speichermedien verschwiegen. Alternative Energieformen sind willkommen und sinnvoll. Solar bei viel Sonne, Windindustrie bei hohen Windaufkommen, aber nie ausreichend, um die Grundlast einer Industrienation zu befriedigen. Den Weltfrieden davon abhängig zu machen, dass sich Ihre eigenen Wünsche erfüllen, ist fahrlässig, naiv und sehr unüberlegt.

So viel Unsinn auf einer Seite habe ich selten gelesen! Da wird Kapitalismus und Populismus mit der Energiewende vermischt. Sie schreibt von Wohlstand durch die Energiewende, die ja eigentlich nur eine Stromwende ist, die das Klima und die Demokratie schützen soll und nicht von den explodierenden Strompreisen und weiter steigendem CO2. Sie schwafelt von Dezentralisierung der Energieversorgung und sollte als ökonomische Wissenschaftlerin eigentlich wissen, dass Arbeitsteilung und nicht eine dezentrale Wirtschaft (Energieversorgung) Antrieb unseres Wohlstands ist.

Was ihr vorschwebt, scheint stattdessen ein neuer Staat zu sein, der einer DDR2 oder gar einem Nordkorea entspricht. So kann man ihrer Meinung nach Kern- und Kohlekraftwerke abstellen, obwohl bis jetzt nur etwa zehn Prozent (!) unseres Energiebedarfs durch sogenannte "Erneuerbare" geliefert werden. Diese Frau nennt sich Wissenschaftlerin und ist doch nur eine armselige Vertreterin einer menschenverachtenden Politik.

Die Vermischung von Wissenschaft und Politik mit Ideologie ist das eigentliche Problem unserer Zeit. Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich eine große Anzahl Wissenschaftler für das Thema "Klima" prostituieren, um an Geldmittel für ihre Forschungen zu kommen. Liebe Zeitung, verschone mich von solchen ideologischen Wirrköpfen!

Eine Anhäufung von Leerformeln, diffusen Vorwürfen, Gemeinplätzen und Politikerphrasen. Wir beschränken den Versuch einer inhaltlichen Analyse auf ein Thema, bei dem Frau Kemfert ökonomische und elektrizitätswirtschaftliche Sachverhalte geradezu pervertiert. Sie behauptet, die Wende verbessere unsere wirtschaftliche Stärke und die "Erneuerbaren" seien eine wertvolle Antriebskraft.

Im Zentrum der Wende-Anstrengungen steht der Windradbau. Über die Ökostromumlage, die uns Bürger in 2016 rund 6,4 Milliarden Euro gekostet hat, wird diese Industrie mit den zugehörigen Arbeitsplätzen indirekt subventioniert. Das Geld, das uns über die zurzeit 6,88 Cent/kWh aus der Tasche gezogen wird, steht zum Erwerb anderer, nichtsubventionierter Produkte nicht zur Verfügung. Das ist dirigistische Wettbewerbsverzerrung mit stromverteuernder Wirkung, also eine Schwächung unserer Marktwirtschaft.

Wenn die Windradsubventionierung den von der Mehrzahl der Bürger wohl angenommenen Sinn hätte, eine atom- und kohlefreie, zuverlässige und klimaschonende Öko-Stromversorgung aufzubauen, so könnte man sie quasi als Sonderabgabe für einen lebenswichtigen Zweck akzeptieren. Doch weit gefehlt! Wegen der zwischen Orkan und Flaute schwankenden Windverhältnisse sind unsere 28 000 Windräder nicht in der Lage, den entscheidenden Beitrag zu einer gewohnt bedarfsgerechten zuverlässigen Stromversorgung zu leisten.

Im Januar waren wir kurz vor einem gefürchteten Blackout. Für die gewohnte Versorgungssicherheit muss eine ganze Reihe von ständig in Betriebsbereitschaft befindlichen Kohle- und Gaskraftwerken sorgen, welche die zeitliche und quantitative Unregelmäßigkeit des Windstroms kompensieren. Wir leisten uns also zwei Kraftwerkparks, einen regenerativen, sowie einen fossilen, der sofort einspringen muss, wenn Wind und Sonne nichts oder zu wenig liefern . Das bedeutet eine enorme zusätzliche volkswirtschaftliche Kostenbelastung, die in dem Maße anwächst, wie der Anteil des Wind- und Sonnenstroms gemäß den Plänen der Wendepolitiker steigt. Eine eklatante Schwachstelle unserer Volkswirtschaft.

Angesichts der skizzierten Unverzichtbarkeit der fossilen Kraftwerke, insbesondere der modernen Steinkohlekraftwerke wie das Großkraftwerk, wirken Frau Kemferts versteckte Vorwürfe und Unterstellungen an die Adresse des "fossilen Imperiums", verkörpert durch die "Kohleindustrie", wie Beiträge zum falschen Film. Ihre Begeisterung für die Energiewende hat sie anscheinend der Fähigkeit beraubt, unliebsame Sachverhalte und Zusammenhänge wahrzunehmen.

Wenn eine Energiewende nicht nur das Weltklima, sondern auch noch den Weltfrieden retten soll, wie Claudia Kemfert in ihrem Gastbeitrag etwas pathetisch orakelt, dann kann man nur wünschen, dass der Erfolg eintreten möge. Die Wahrheit jedoch sieht ziemlich dramatisch aus. Die Weltbevölkerung wird bis 2050 exponentiell um etwa 20 Prozent anwachsen, und die Regierungen stehen in der Pflicht, Wohlstand für möglichst viele ihrer Bürger bereitzustellen. Dies bedeutet vermehrten Energiekonsum.

Solange sich Strom aus Wind und Sonne nicht speichern lässt - und somit wegen der Netzstabilität nur zu 30 Prozent im Strommix einspeisbar ist -, nützen alle Wunschvorstellungen nach weitgehender Abschaltung der Fossilkraftwerke gar nichts. Sie müssten als Reserve in Bereitschaft bleiben, für den Fall, dass Windflaute herrscht und die Sonne nicht scheint. Auch in 2050 - nur noch 33 Jährchen - werden die wenigsten Automobile elektrisch angetrieben.

Alle Elektrozüge werden weiterhin mit Strom aus dem Kraftwerk bedient, alle Schiffe werden mit Schwerstöl kreuzen, alle Flugzeuge werden mit Jetbenzin betankt. In dem Artikel von Claudia Kemfert wird der "fossile Kapitalismus" beklagt. Jedoch verkennt die Autorin, dass es rein technische und physikalische Gesetzmäßigkeiten sind, dass sich die Erneuerbaren nicht in jedem Falle als Ersatz für die Fossilien eignen. Mit Strom aus Windmühlen und Solarmodulen kann man eben kein Gebäude klimatisieren, noch einen Zement-Drehofen oder eine Stahlverhüttung befeuern.

Ohne den wissenschaftlichen Hintergrund von Frau Kemfert zu kennen, stelle ich als erstes fest, dass ihr Gastbeitrag an Oberflächlichkeit kaum zu überbieten ist. Da werden Behauptungen aufgestellt, ohne auch nur andeutungsweise konkrete Beispiele zu nennen. Und das fängt gleich zu Beginn des Beitrages an: "Die Energiewende schützt beziehungsweise stärkt die Demokratie." Nein, Frau Kemfert, die Energiewende gefährdet und attackiert die Demokratie, einfach deshalb, weil ideologisch irregeleitete Politiker gegen den Willen der meisten Bürger gerade die Windkraftindustrie ohne Rücksicht auf Verluste weiter ausbauen wollen, weil sie sich inzwischen demütig der Windkraftlobby ergeben haben.

Entwicklung von Speichern

Anstatt die jährlichen Milliarden-Subventionen an die Betreiber von Solar- und Windrädern auszuzahlen, sollte das Geld besser in Forschung und Entwicklung von Speichermöglichkeiten investiert werden, ohne die die Energiewende keinen Sinn macht. Unter den aktuellen Bedingungen erreichen wir nie und nimmer die für uns alle notwendige Grundlastversorgung. Warum? Es scheint nicht immer die Sonne und es weht nicht immer der erforderliche Wind - den Gau hatten wir Mitte Januar als es weder/noch gab und uns nur die konventionellen Kraftwerke über die Dunkelflaute hinweghalfen.

Die Autorin schreibt von "fatalen Fehlinvestitionen", ohne auch nur ein einziges Beispiel zu nennen. Richtig wäre, wenn sie damit die Investitionen in die aktuell 29 000 Windräder in Deutschland gemeint hätte, die dem Stromverbraucher aktuell 6,88 Cent/kWh kosten (inklusive EEG-Umlage). Ihre Verteufelung der "fossilen Energiewelt" geht in den Bereich der Verschwörungstheorie, bei der ihr "fossiles Universum zurückschlägt". Was für ein Unsinn, zumal auch die erwähnten "Ablenkungsmanöver" nicht im Ansatz erklärt werden.