Leserbrief

Enttäuscht über die Stadt

Zum Artikel „Technisches Rathaus wird erst Ende 2020 fertig“ vom 14. Mai:

Wir wohnen seit 1997 gerne im Collini-Hochhaus. Unsere Wohnungseigentümer-Gemeinschaft (WEG) bemüht sich seit Jahrzehnten darum, das Gebäude zu erhalten und sogar zu verbessern. Es wurden nicht nur die notwendigen Reparaturen durchgeführt, sondern durch vorbeugende Maßnahmen weitere Schäden vermieden. Natürlich geht das nicht zum Nulltarif, sondern kostet die Gemeinschaft Millionenbeträge.

Zweimal im Jahr werden in der Eigentümerversammlung die notwendigen Maßnahmen diskutiert und beschlossen. Die Umsetzung obliegt dann der Hausverwaltung unter Mitwirkung des Beirates, das sind gewählte Eigentümer, die ehrenamtlich die Verwaltung unterstützen. Wichtig sind auch die beiden im Haus wohnenden Haustechniker, welche die ausführenden Betriebe überwachen.

Leerstand, Zerfall, Zerstörung

So kommt es, dass unser Haus gut dasteht und als Wohnadresse sehr beliebt ist. Die Bewohner sind überwiegend zufrieden und es herrscht ein ausgesprochen freundlicher Ton im ganzen Haus. Innerhalb der Bewohnergruppe, nicht nur der Eigentümer, hat sich eine Initiative zur Verbesserung des Wohnumfeldes entwickelt, von außen zu erkennen am gepflegten Blumenschmuck rund um das gesamte Haus.

Im Gegensatz dazu wurde das Technische Rathaus von der Stadt stiefmütterlich behandelt. Es wurde wohl immer nur das Notwendigste daran getan und schließlich wurde das Gebäude vor sechs Jahren, unterstützt durch ein in Auftrag gegebenes Gutachten, als marode erklärt, eingerüstet und schamhaft verhüllt. Laut dem Artikel des „Mannheimer Morgen“ wird das neue Technische Rathaus wohl erst im Jahr 2021 bezugsfertig. Dann wären es schon neun Jahre, die wir Bewohner den trostlosen Anblick des verhängten Gebäudes ertragen müssen. Bei der Phase danach wird es wohl ähnlich zugehen wie beim ehemaligen Prinzhaus: Suche nach einem geeigneten Investor, Leerstand, Zerfall, Zerstörung, Ungeziefer und so weiter.

Selbst wenn ein Investor gefunden würde, würde es größenordnungsmäßig zehn weitere Jahre dauern – für Planung und Genehmigung des problematischen Abrisses unter Absicherung des Wohnhauses sowie für Planung, Genehmigung und Errichtung eines Neubaus. Optimistisch geschätzt müssen die Bewohner des Hochhauses, aber auch die des gesamten Wohngebietes noch bis circa 2031 ausharren und auf annehmbare Verhältnisse warten.

Wahrscheinlich werden wir das gar nicht mehr erleben. Dennoch möchten wir unserem Ärger und der Enttäuschung über das Verhalten der Stadt Mannheim einmal Luft machen.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2J9mj4Q