Leserbrief

Erdogans Geiselhaft

Zum Kommentar „Erpresser Erdogan“ vom 2. März:

Es ist nicht mehr auszuhalten, wie unsere – und nicht nur unsere – Politiker sich in der Syrien-Frage von Erdogan am Nasenring herumführen lassen. Die Vorgeschichte dürfte bekannt sein, sei aber der Vollständigkeit halber kurz wiederholt:

Mit Einsetzen der syrischen Rebellion sah die Türkei die Chance, durch Unterstützung der Rebellen und mit Hilfe der USA ein anderes – muslimisch geprägtes (was vielleicht nicht im Sinne der USA gewesen wäre) – Regime in Syrien etablieren zu können und dabei auch eine konkurrierende Lokalmacht zu schwächen.

Allianz mit Terroristen

Was sagt unser mit Worten forscher Außenminister? Er meint, Assad müsste die Rebellentruppe Erdogan zuliebe in Ruhe lassen und die nächsten Jahr(zehnt)e mit einer Terroristenenklave im Norden seines Landes leben. Kein Wort fällt zur türkischen Annexion, wo man doch aus solchem Anlass immer ganz energisch Sanktionen verlangen kann. Auch die USA – erwartbar unter Trump – verlieren kein Wort über die Allianz ihres Nato-Partners mit Terroristen, womit dann auch die Meinung der Nato beschrieben ist.

Was meines Erachtens zu tun wäre, wollen wir uns nicht auf Dauer in Erdogans Geiselhaft begeben wollen:

Erstens eine dringende Reisewarnung für die Türkei, um keine Deutschen/Europäer als Druckmittel verfügbar zu machen. Zweitens eine Visapflicht für Reisende aus der Türkei – man weiß ja nicht, wer da unter Umständen reisen darf/soll/muss. Drittens die sofortige Rückführung aller Flüchtlinge aus der Türkei nach Syrien, falls es wie zu erwarten nicht gelingt, Gefährder sicher und vollständig zu identifizieren. Dazu wird man wohl nicht umhinkommen, auch mit Assad zu sprechen; selbst wenn Trump die Nase kräuseln sollte. Und viertens ein sofortiges Ende des Bundeswehreinsatzes in diesem Gebiet.

Hans-Lescow Banse, Mannheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/39qUCP9