Leserbrief

Ergebnis als "Fehlermeldung vom Wahlvolk"

Zum Artikel "Das Ergebnis zeigt, woran zu arbeiten ist" vom 18. März:

Dr. Kurz weiß jetzt, "woran zu arbeiten ist". Nach pannenintensiver Dezernenten- und erster OB Amtsperiode (zuletzt Klinikum, Strandbad, Bundesgartenschau usw.) wurde Herr Dr. Kurz im vergangenen Jahr mit den Stimmen von nur rund 16 Prozent der Wahlberechtigten mit tatkräftiger Unterstützung seiner nicht gerade neutralen Verwaltung und der gefälligen Lokalpresse für weitere lange acht Jahre im Amt bestätigt.

Ich finde es jedoch besonders unerträglich, dass Herr Dr. Kurz das Landtagswahl-Ergebnis in Mannheim Nord - vorwurfsvoll wertend und erkennbar neidisch - erläutert sowie quasi als Fehlermeldung vom Wahlvolk relativiert, zumal der AfD-Kandidat immerhin rund 14 Prozent der Wahlberechtigten - also kaum weniger als Kurz in 2015 - hinter sich bringen konnte.

Nota bene: Der Wahlberechtigten, nicht der Wähler, denn die Mobilisierung muss man beim Thema Akzeptanz der Gesamtergebnisse schon berücksichtigen.

Wo also ist denn nun der große Unterschied zwischen Kurz und Klos? Eine unvollständige Antwort: Mannheims OB geriert sich auch dank Ihrer dankbaren Fragen als jemand, der mit zweierlei Maß misst und nach wie vor mit beiden Beinen auf der Wolke steht. Auch ich hoffe, dass derartige Protestparteien - wie bisher immer in der Nachkriegsgeschichte mit Ausnahme der Grünen - sich wieder von selbst erledigen. Aber mit derartigen Betrachtungen von unterproportional professionellen Mandatsträgern macht man die Radikalen nur noch stärker, was in der derzeit (zu) oft bemühten deutschen Geschichte immer auch einherging mit weiterer Diskriminierung und Unterschätzung des rechten Gegners, vor allem aber der Vernachlässigung der Mittelschichten.

Jetzt wo Sie es wissen, fangen Sie endlich an, in die richtige Richtung zu arbeiten, Herr Dr. Kurz, dann löst sich auch in unserem schönen Mannheim das AfD-Problem und die SPD gewinnt wie in Ludwigshafen beide Wahlkreise. Das ist besser als Arroganz, vor allem für unser "Mannem". (Dr. Alfred Schneider, Mannheim)