Leserbrief

Erheblich im Ton vergriffen

Zum Leserbrief von Alice Fischer zur Corona-Krise vom 18. April:

Ihr Schreiben ist eine Zumutung für alle Menschen jeden Alters. Sie sehen es als Ihr persönliches Recht an, Geschäfte am Wochenende nach Belieben aufzusuchen, möchten da aber allein und bevorrechtet schauen und einkaufen. Alte Menschen sind Ihnen offenbar ein Gräuel, denn sie haben nach Ihrer Meinung in häuslicher Quarantäne zu bleiben, wenn Sie einkaufen wollen. Dass Sie sich dabei auch noch erheblich im Ton vergreifen, zeigt, wie Sie sich und Ihre Mitmenschen einschätzen. Wahrscheinlich werden Sie immer jung und dynamisch bleiben – Ihre soziale Einstellung, Ihr Verhältnis zu Ihrer Umwelt und Ihre Eigeneinschätzung werden sich dann wohl auch nicht mehr verändern! (von Wolfgang Grudda, Mannheim)

Der Leserbrief von Frau Fischer ist in seiner Tendenz nicht zu akzeptieren. Immerhin hat sie ihre Meinung nicht anonym im Netz geäußert, sondern mit vollem Namen in der größten Tageszeitung der Region. Das ist aller Ehren wert. Nun weiß ich ja nicht, welche „Dinge zum Lebensnotwendigen“ sie in diesem Gartencenter kaufen musste. Und dass nun „betagte und hochbetagte Paare mit Stofflappen vor dem Gesicht durch die Auslagen schlendern“ und „ausgerechnet auch noch samstags die Läden fluten“ ärgert sie. Allerdings: Dieses Verhalten der Menschen, die nicht mehr im aktiven Arbeitsleben stehen, bemerkt man auch ohne Corona-Krise, wenn sie zum Beispiel im Berufsverkehr mit ihrem Opel Kadett zum Brötchenkaufen fahren. Aber im Ernst: Daraus den Schluss zu ziehen, an Ausgangssperren für Risikogruppen (und es ist ja klar, wen sie hiermit meint) zu denken, ist ungeheuerlich. Vielleicht sollte die Leserin mal zum Arzt gehen: Intoleranzen, Allergien, Blutwerte ... da ist man auch unter 65 schnell ein Mitglied der Risikogruppe mit Ausgangssperre. Wie heißt es so schön: Ein gesunder Patient ist jemand, der nur nicht richtig untersucht wurde. Darüber hinaus empfehle ich die Lektüre des Interviews mit Hans-Werner Wahl im „MM“ am Montag, 20. April. Da ist alles gesagt. (von Dieter Dietrich, Mannheim)

Wünsche von Herzen Frau Alice Fischer aus Birkenau, dass sie das Hochrisikogruppenalter erreicht, um sich dann vorschreiben zu lassen, wann sie einkaufen gehen kann. Diese Einstellung ist für mich nicht nachvollziehbar, auch zu Corona-Zeiten nicht. Warum waren Sie, Frau Fischer, dann im Gartencenter unterwegs für nicht lebensnotwendige Dinge? Über Ausgangssperren für Risikogruppen sollte man wirklich nachdenken, vielleicht auch über die Gruppe, unabhängig des Alters, die arrogant und privilegiert denkt. Ich gehöre zur Höchstrisikogruppe, halte mich an die Vorgaben, werde mir aber nicht vorschreiben lassen, wann ich meine Besorgungen erledigen darf. Wir brauchen nicht das ganze Land lahmlegen, wenn sich auch die Nichtrisikogruppen an die Vorgaben halten. (von Elvira Menke, Mannheim)

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2xEfTHs