Leserbrief

Erinnerung und viele Gefühle

Zu den Zeitzeugen-Berichten „Hält der Bunker – oder hält er nicht?“ vom 13. September:

Von Gerdi Faber, Mannheim

Den Tag habe ich in Mauer erlebt. Dort standen die Menschen auf der Hauptstraße, sahen den roten Feuerschein am Himmel hinter dem Krähberg und sagten: “Mannheim brennt“. Ich finde es wichtig, dass es noch Menschen gibt, die über diese Nacht und über danach erzählten. Die meisten Älteren reden nicht darüber, da sie zu sehr mit ihren Gefühlen in der Erinnerung zu kämpfen haben.

Jugend zeigt Interesse

Ich gehe seit rund vier Jahren in Schulen zu Neunt- und Zehntklässlern und erzähle von meinen Kindheitserlebnissen im Krieg. Ich bin Jahrgang 1939 und habe auch die Evakuierung aufs Land erlebt. Als ich mit den Schulbesuchen anfing, glaubten viele in meinem Umfeld nicht daran, dass sich die Jugend von heute dafür interessiert. Doch es kommt sogar oft vor, dass die Lehrer vorher sagen, dass es eine unruhige Klasse sei, und danach sagen sie, dass sie ihre Klasse nicht wiedererkennen. Die jungen Menschen hören mir zu, fragen, überlegen und sehen auch die Gefahr in der heutigen Zeit. Ich habe von der Stadt einige Fotos von dem zerstörten Mannheim bekommen, die ich zeige.

Die jungen Menschen können sich gar nicht vorstellen, dass Mannheim einmal eine einzige Trümmerstadt war. Vielen Dank, dass Sie diese Serie gemacht haben, es hat sicher vielen Menschen aus der Seele gesprochen. Ich bin auch sicher, dass auch junge Menschen mit Interesse die Seiten angesehen und gelesen haben, vielleicht auch einige aus den von mir besuchten Klassen.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2N0Tm9o