Leserbrief

Ermahnung, die eigene Sprache zu nutzen

Zum Thema Anglizismen:

Schon länger ist auffallend, wie in der Werbung, aber auch von offizieller Seite und der Presse Begriffe oder Redewendungen aus dem englischen Sprachraum, völlig unnötig und mitunter blamabel, benutzt werden, um Produkte zu bewerben, Verkäufe anzukurbeln oder gar Stadtteile zu benennen.

Fremdsprachen zu beherrschen ist hoch zu loben, aber Anglizismen statt der deutschen Sprache zu nutzen, um sich dabei besonders „cool“ (auch so ein Begriff), weltgewandt oder zeitgemäß zu geben, ist meines Erachtens verwerflich. Da wirbt ein bekanntes Mannheimer Mode-und Sporthaus mit „Sport up your life“ „Nikolaus Run“ und Flanellhemden mit einer „woolish wonder“ Eigenschaft. Brauchen das die Käufer?

Vom Zeitgeist verfremdet

Der „MM“ spricht von einer „Einkaufsmall“ wenn er Q6/Q7 beschreibt. Wäre Galerie, Zentrum oder Passage nicht verständlicher? Ein im Bau- und Pflegebereich tätiges Mannheimer Unternehmen, hat eine „Feelgood Managerin“ für die Pflegekräfte eingestellt, was auch immer man sich darunter vorzustellen hat.

Ja, und unsere Stadtoberen haben sich schon länger dafür entschieden, ein Gewerbegebiet bei Neuostheim „Eastside“ zu nennen. Gerade wird dort wieder ein Richtfest für einen „Office block“ gefeiert. Und das wäre jetzt ein „Fake“ oder besser eine Falschmeldung, denn noch spricht man hier von einem Bürohaus.

Nach der Konversion einer Kaserne, benannt nach einem amerikanischen Soldaten namens Benjamin Franklin, haben wir jetzt tatsächlich einen Stadtteil „Franklin“. Dort baut man unter anderem „Townhouses“, wie auf einer Internetseite beschrieben. Eine weltoffene Stadt wie Mannheim braucht das offensichtlich. Fast vergessen der „Black Friday“: Kaum eine Branche, die nicht auf den Zug aufspringt. Mercedes Benz spricht von „Black Sale und Low Price“ was jedermann klar ist. Die Rheingalerie in Ludwigshafen hat „beste Deals am Black Price day“ (den Begriff hat eventuell Mr. Donald T. getwittert) und ein Fahrradhändler, wie könnte es anders sein, rühmt seine „Black bike days“.

Offensichtlich brauchen wir wirklich eine Abmahnung oder Ermahnung, unsere eigene Sprache zu nutzen, wo immer es möglich ist und diese nicht vom Zeitgeist oder gar ideologischen Bestrebungen verfremden zu lassen.

Peter Krebs, Mannheim