Leserbrief

Es geht auch ohne Handy

Zum Pro & Kontra „Sollten Handys an Schulen verboten werden?“ vom 4.8.:

Die von Ihnen genannte Kommunikation über Facebook, Twitter, WhatsApp, Google und Instagram ist von den Konzernen genau so gewollt. Warum? Um die Nutzer in eine Art Abhängigkeit zu bringen, die Nutzer zu beeinflussen und ein Tracking über alle Aktivitäten vorzunehmen.

Wenn ein Handyverbot an Schulen ausgesprochen wird, sind die Datenkraken zumindest für einen Vormittag außen vor und die Welt der schulpflichtigen Kinder spielt sich auch mal außerhalb des Displays ab. Es ist nun mal leichter, einen Mitschüler anonym übers Handy zu denunzieren als es persönlich zu übermitteln. Ich empfehle Ihnen dringend die Lektüre von Jaron Lanier (Silikon Valley Guru der ersten Stunde und weltweit geachteter Informatiker) zu lesen, vielleicht erfolgt dann auch bei Ihnen ein schnelles Umdenken. Niemand im schulpflichtigen Alter ist so wichtig, dass er jede Minute mitteilen muss, warum er sich wo befindet und noch schnell ein Selfie beifügt – das ist Abhängigkeit in höchstem Maße und gefährlich dazu.

Mittlerweile sind die Großkonzerne wie Google und so weiter in einer Machtstellung, die es schafft, die Anwender nach ihrem Gusto gezielt derart zu manipulieren, dass es sogar zu Selbstmorden kommt, wenn es nicht genügend Likes für einen Beitrag gibt und somit das Gefühl entsteht, nicht gemocht zu werden…

Obwohl ich den Herrn Trump überhaupt nicht mag, hat er in diesem Punkt mit „Fake News“ einfach recht. Likes werden von Bots zum Großteil vergeben, und zwar aufgrund der maschinellen Analyse der Verhaltensmuster der User, die so selbst zum „Fake Account“ werden. Das ist keine Kommunikation, das ist Beeinflussung der negativsten Sorte. Wie das in der Praxis funktioniert und umgesetzt wird, können Sie bei Herrn Lanier nachlesen.

Als langjähriger Mitarbeiter beim derzeit teuersten notierten Börsenunternehmen (zwar im Musikbereich, aber deshalb nicht weniger aussagekräftig) kenne ich natürlich die gängige Praxis. Was „social media“ imstande ist zu leisten, sieht man derzeit in den USA – ein Präsident bringt dank Twitter die ganze Welt in Unruhe. Finden Sie das gut und unterstützungswürdig?

Neuer Trend aus den USA

Der arme Präsident wäre vollkommen verloren, würde man ihm den Twitter Account dichtmachen. Für mein Empfinden wäre es nur richtig und konsequent, Handys an und in der Schule zu verbieten – es geht nichts verloren und die jungen Menschen werden auch nicht zu Aussätzigen, wenn es ein paar Stunden ohne zwanghaftem, von Datenkraken gesteuertem Herdentrieb vorangeht. Positive Beispiele: Mein Neffe war eine Woche lang mit der Schule auf einem Kurs – ein Handy durfte erst gar nicht mitgenommen werden. Ging ohne Probleme vonstatten. In den USA zeichnet sich ebenfalls ein neuer Trend ab. In manchen Restaurants liegen bereits am Eingang Schatullen mit Nummern, da müssen die Gäste beim Betreten des Lokals ihre Handys abgeben. Man wünscht sich seitens der Restaurantleiter wieder Essen ohne Störgeräusche und Kommunikation unter den Gästen.

Das geht in die richtige Richtung. Auch in manchen Großkonzernen setzt sich die Einsicht durch, dass man Handys in Besprechungen nicht mitführen darf, prima!

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2vHKkr6