Leserbrief

Leserbrief: Zu "Klarstellung zum Thema Unterführung" (FN 3. April)

Es ist nicht zeitgemäß, den Verkehr in den Ort zu leiten

Grundsätzlich müssen die Bürgerinnen und Bürger dankbar sein für den Versuch unseres Stadtoberhauptes, Klarheit zum Thema Unterführung schaffen zu wollen. Aber ist dies auch gelungen ?

Punkt eins: "Nachdem zuletzt nicht zutreffende Zahlen durch die Gegend geisterten, ...". - Hier wäre wohl etwas Selbstkritik angebracht. Die Seriosität der Kostenschätzung von Seiten der Stadtverwaltung lässt sehr zu wünschen übrig. Im Juni 2008 wurden die Kosten auf 6,5 Millionen Euro geschätzt. Am 15. November 2008 wurden in einem FN-Artikel Kosten in Höhe von 7,3 Millionen Euro genannt, und nun sind wir offiziell seit 3. April bei 7,7 Millionen. 1,2 Millionen Kosten-steigerung in zehn Monaten oder 18,5 Prozent. Der geneigte Leser darf also getrost annehmen, dass nicht nur "2,5 Millionen an der Stadt hängen bleiben werden". Vor diesem Hintergrund Zeitdruck aufzubauen, erscheint daher weder seriös noch nachvollziehbar, da die Stadt die Kosten nicht im Griff zu haben scheint.

Punkt zwei: "Wer für die Unterführung ist, spricht sich damit nicht gleichzeitig gegen die Freizeiteinrichtung aus". - Dies hat niemand behauptet und ist auch nicht der Punkt. Selbst wenn für Schulen und unser Hallenbad aus dem Konjunkturpaket Gelder zur Verfügung gestellt werden, müssen weit siebenstellige Beträge durch Steuergelder finanziert werden. Für Schulen und Schwimmbäder ist dies grundsätzlich vertretbar, da die breite Bevölkerung davon profitieren wird, aber bei der Unterführung ? Die notwendige Sanierung des Freibades ist hierbei gar nicht berücksichtigt. Die Wirtschaftskrise ist in vollem Gange. Die Auswirkungen bzw. ihr Ende ist nach einhelliger Expertenmeinung noch nicht absehbar. Wo sollen denn die Steuereinnahmen herkommen? Da unser Stadtoberhaupt entgegen einer Anzahl von Gemeinderäten aller Fraktionen (FN-Artikel vom 17. Dezember 2008) der Unterführung erste Priorität einräumt, würde - Subventionen hin oder her - die Finanzierung der Schulen und Schwimmbäder zwangsläufig nach hinten verschoben werden müssen, wenn der Schuldenstand nicht in astronomische Höhen wachsen soll. Welche Arbeitsplätze werden denn durch die Unterführung konkret geschaffen oder welcher Unternehmer wird denn durch das Nichtvorhandensein einer "zeitgemäßen" Anbindung an die weite Welt daran gehindert, neue Arbeitsplätze zu schaffen?

Punkt drei: "zeitgemäß". - Der viel bemühte Begriff "zeitgemäß" lässt sich genauso umgekehrt verwenden. Es ist eben nicht zeitgemäß, den Verkehr, wie selbst behauptet, für "entsprechend dimensionierte Lastzüge und Busse" und "ohne eine Regelung per Lichtsignal" in den Ort einzuleiten. Die Gegebenheiten in den 70er Jahren bei Beginn der Planung haben sich total verändert, angefangen vom Verkehrsaufkommen bis hin zur damals noch nicht absehbaren Stadtentwicklung Richtung Königshofen! Das Festhalten an diesem Plan, das dahinter stehende Verkehrskonzept für Lauda ist einfach überholt, eben nicht zeitgemäß! Die Stadtverwaltung geht offiziell nicht von einer Zunahme des Verkehrs aus. Heißt das dann, dass wir wohlwollend geschätzte 2,5 Millionen Euro Schulden für zirka "15 bis 20 Lkw" aufnehmen müssen, also für einen Promille-Anteil am Gesamtverkehrsaufkommen?

Die Grundstücksfrage ist noch nicht abschließend geklärt. Sollten die betroffenen Bürger sich weiterhin weigern, ihr Grundstück herzugeben, würde die Stadt dann vor einer notwendig werdenden Zwangsenteignung Halt machen ? Wenn nein, wäre dieses Vorgehen ist in höchstem Grade empörend und unanständig. Vor der nächsten Kommunalwahl sollte in jedem Fall bekannt sein, wer außer unserem Stadtoberhaupt noch für dieses Vorgehen plädieren würde.