Leserbrief

Leserbrief: Zu diversen Themen

Es muss mehr Gerechtigkeit geben

Ein Richter, der nicht strafen kann gesellt sich unter die Verbrecher", sagte einst Goethe. Unschön, aber wahr. Und Schiller meinte: "Hört auf mit der Vergötterung der Justiz, sie tötet"" Wahr ... oder?

Was unsere wichtigsten Dichter und Denker anprangerten, anmahnten, ist aktueller denn je, denn Gerichte/Richter sind per Gesetz "unfehlbar", "unantastbar", "unanfechtbar" - und sie fühlen sich auch so! Doch wer kennt das: Bürgerschutzrecht 20/4? Widerstand zu leisten gegen jeden, der die staatliche Ordnung stört? Wo die staatliche Ordnung "zum Wohl des Volkes" bedeutet GG = (Grundgesetz).

Zur Sache: Das Berliner Landesarbeitsgericht hat die Entlassung einer Supermarkt-Kassiererin bestätigt, wegen des Verdachts der Unterschlagung von 1,30 Euro Pfand. Dies in einer Zeit, wo Bankmanager Milliarden verbrennen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen (außer dass sie neue Milliarden dazubekommen). Soweit, so gut! Das Urteil hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse sprach von einem "barbarischen Urteil" von "asozialer Qualität" und eckte mit dieser Richterschelte an. Die Präsidentin des Landesarbeitsgerichts antwortete in einer Erklärung: "Diffamierungen der Gerichte, zumal von einem der höchsten Repräsentanten unseres Landes, sind in keiner Weise hinnehmbar." Doch: Ist nicht die Tatsache unzumutbar, dass Bankmanager weiterhin Boni erhalten, nachdem sie Milliarden verbrannten? Dass Steueroasen weiterbestehen und keiner der Verantwortlichen vor Gericht gestellt wurde? Unzumutbar, in keiner Weise hinnehmbar - für den kleinen Mann, den Steuerzahler! Es kommt also immer auf die Sichtweise an.

Szenenwechsel: Wieder einmal hat Bischof Mixa (Augsburg) von sich Reden gemacht. Nachdem er früher die Krippen für Kinder als "Umerziehungslager" bezeichnete, sprach er jetzt in unverblümter Offenheit davon, dass die Zahl der Abtreibungen in den vergangenen Jahren mit dem Holocaust vergleichbar sei. Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz kritisierte Mixa dafür. Erzbischof Zollitsch: "Der Holocaust ist etwas Furchtbares. Und es gibt gar keine Möglichkeit, den Holocaust einfach mit anderen Elementen zu vergleichen". Wer in unserem Land die Meinung sagt - unverblümt (ich denke da an Norbert Blüm) offen, der eckt an! Meisner sprach einst von "entarteter Kunst" und er hatte recht (im Kern) mit seiner Kulturschelte. "Wahre Worte sind nicht schön - schöne Worte sind nicht war", der Autor dieses Zitats ist mir nicht bekannt, aber es trifft zu.

Zum Schluss komme ich wieder auf das "barbarische Urteil", das Thierse anprangerte, zu sprechen. Der Präsident des deutschen Anwaltsvereins rügte dies mit folgenden Worten: "Das Urteil als barbarisch zu bezeichnen, ist nicht gerechtfertigt und nicht sachgerecht. Sicherlich könne jeder Urteile auch kritisch kommentieren. Personen des öffentlichen Lebens, sollten sich allerdings um eine sachgerechte Bewertung bemühen".

Will unser Deutschland besser werden (politisch, wirtschaftlich, ökologisch, spirituell), muss Unrecht verhindert/vermindert und mehr Gerechtigkeit gegeben sein. Ohne Aufschreie und Zwischenrufe wäre unser Land ärmer, öder, uniformer.

Nicht mit einem mehr an Sachlichkeit, sondern mit mehr Offenheit kommen wir weiter. Oder: "Gerechtigkeit erhöht das Volk".