Leserbrief

Fahrverbote außer Kontrolle

Zum Artikel „Viele Autofahrer hadern mit Fahrverbot“ vom 3. Januar:

Zu den deutschen Städten mit Diesel-Fahrverbot hat sich nun auch Stuttgart hinzugesellt, und hier wird es großflächig ausgelegt. Begründung: Der von Brüssel – unter Mitwirkung unserer Regierung – europaweit beschlossene Grenzwert von 40 Einheiten pro Kubikmeter Stickoxide würde in Stuttgart öfters überschritten. Und da Dieselautos als Hauptemittent für Stickoxide ausgemacht seien, setzen unsere Gerichte diese Festlegung um und verhängen für Dieselautos bis einschließlich Euronorm 4 fleißig Fahrverbote.

Von den Politikern sicherlich gut gemeint, scheint ihnen die Sache mit den Fahrverboten nun aber außer Kontrolle zu geraten. Zum einen ist der Grenzwert von 40 Einheiten keineswegs sachlich-medizinisch begründet, sondern bürokratisch-willkürlich festgelegt. Die Behauptung, auf Stickoxide würden 30 000 Todesfälle im Jahr zurückgehen, beruht auf bloßen groben Schätzungen und ist durch keine Studie belegt, es sieht eher nach einer Luftnummer aus.

Im Narrenkabinett gewähnt

Im streng umweltbewussten Kalifornien gilt ein Grenzwert von 100 Einheiten – als Durchschnitt für das ganze Jahr. Dieser Grenzwert dürfte in Stuttgart deutlich verfehlt werden. Im Übrigen hat der Ausstoß von Stickoxiden bei Dieselautos in den letzten 15 Jahren durch den technischen Fortschritt um etwa 40 Prozent abgenommen. In 15 Jahren hätte sich das Problem erledigt.

Als Kollateralschaden der Fahrverbote wird von den Politikern hingenommen, dass der Wiederverkaufswert der betroffenen Autos stark sinkt, bisher durchschnittlich um rund 30 Prozent. Man wähnt sich in einem Narrenkabinett, und das nicht zum ersten Mal in den letzten Jahren. Den Politikern ist hier in der Tat etwas außer Kontrolle geraten. In Frankreich wären in einer solchen Situation schon längst die Gelbhemden auf den Barrikaden.

Hartfried Golf, Lampertheim

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