Leserbrief

Fahrverbote unverhältnismäßig

Zum Artikel „Es besteht Handlungsbedarf“ vom 15. Januar:

Die sogenannte „Deutsche Umwelthilfe“ (DUH) wird von Ihnen zitiert. Warum eigentlich? Weil an einer Messstelle, die gegenüber der von der EU vorgesehenen, üblichen Messanordnung viel zu dicht am Fahrbahnrand steht, im letzten Jahr 47 statt 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid gemessen wurden?

Der unabhängige Wissenschaftler Alexander Kekulé, Professor für Medizinische Mikrobiologie und Virologie an der Universität Halle-Wittenberg, hat kürzlich in einem „ZEIT“-Artikel („Hysterie ums Falsche“) den Hintergrund dieses „Grenzwertes“ beleuchtet.

Bis 1000 Mikrogramm hat ein Gesunder keine Wirkungen aus Stickoxiden zu befürchten und selbst ein Asthmatiker spürt erst ab 200 Mikrogramm eine negative Auswirkung, die aber reversibel ist, das heißt mit dem Ende der Einwirkung des erhöhten Stickoxidwertes verschwinden die Krankheitssymptome folgenlos. Wollen wir wirklich weiterhin derart hysterisch handeln und den Weltuntergang beschwören, nur weil ein Grenzwert überschritten wird, der mit einem Sicherheitsabstand von 96 Prozent zu einem möglicherweise krankmachenden Wert festgelegt wurde.

Die Überschreitung verringert diesen Sicherheitsabstand um unbedeutende 0,7 Prozent. Abgesehen davon, hält sich kein Mensch tagelang an der Messstelle auf. Kanzlerin Angela Merkel hat schon recht, wenn sie von der Unverhältnismäßigkeit von Fahrverboten spricht. Anti-Diesel-Hysterie zu verbreiten bedeutet auch, mehr Fahrten mit benzingetriebenen Autos in Kauf zu nehmen, was nachweislich den schädlichen CO2- und Feinstaub-Ausstoß erhöht.

Zieht die DUH diese Wirkung bewusst ins Kalkül? Bleiben wir daher lieber besonnen und konzentrieren unsere begrenzten Ressourcen auf das, was wirklich notwendig ist und auch der Umwelt nachhaltig hilft.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2HniYzF