Leserbrief

Fernwärme nach Kohleende – wie?

Zum Kommentar „Söder prescht vor“ vom 24. Juni:

Kommentator Stefan Vetter wundert sich über die politische Wendigkeit von Markus Söder, mittlerweile Landesvater Bayern, ausgestattet mit einer stabilen konservativen Mehrheit im bayrischen Landtag, zusammen mit den Freien Wählern. In Bayern gibt es nur fünf Kohlekraftwerke, die rund fünf Prozent zur Stromerzeugung beitragen. Es ist relativ leicht für Söder, einen früheren Kohleausstieg zu fordern, da es sein eigenes Bundesland nicht wirklich betrifft.

In Bayern gab es in den letzten Jahren einen erheblichen Zubau an Photovoltaik-Anlagen und weniger an Windkraftanlagen. Das liegt natürlich auch daran, dass aufgrund der Windverhältnisse in Bayern der Einsatz von Windkraftanlagen nicht rentabel ist beziehungsweise erst bei Anlagen mit Höhen von 200 Meter. Die Regel in Bayern, dass der Abstand eines Windrades zur nächsten Siedlung das zehnfache der Bauhöhe betragen muss, ist vollkommen richtig. Welcher Bürger möchte denn in einer Entfernung von einem Kilometer zu seinem Haus ein 200 Meter hohes Windrad haben?

Im Bremserhäuschen

Es ist nicht ganz klar, was Stefan Vetter eigentlich möchte. Die CSU sitzt bei ihm auf jeden Fall im Bremserhäuschen und soll nun schnellstens einen schnelleren Kohlausstieg über eine kräftige CO2-Besteuerung (Steuererhöhung) durchsetzen. Das Grosskraftwerk in Mannheim, das zum Teil auch der Stadt gehört, versorgt die ganze Rhein-Neckar-Region mit Fernwärme. Block 9, der 2015 in Betrieb ging, erreicht hierbei eine Brennstoffausnutzung im Kombibetrieb von 70 Prozent. Wie die Fernwärmeversorgung nach dem Ende der Kohleverstromung 2038 oder bereits 2030 sichergestellt werden kann, hat sich letzte Woche auch Ihre Zeitung in einem Artikel gefragt. Es wäre vielleicht sinnvoller, wenn sich Stefan Vetter mit dieser Frage beschäftigen würde, als mit der politischen Wendigkeit von bayrischen Spitzenpolitikern.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2LoVivd